BGH · IV ZR 214/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 12* Oktober 1966 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Raske, Johannsen, Br* Loewenheim und von der Mühlen für Recht erkannt j Zivilsenats des Oberlandesgerichts Köln vom 21« Januar 1965 aufgehoben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die außergerichtlichen Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zu-rückverwiesen. der Kläger um Gewährung einer Entschädigung nach dem Bundesentschädigungsgesetz gebeten« In dem dem Mantelformular beigefügten Schreiben seines Prozeßbevollmächtigten vom 5» Januar 1962 heißt es, daß dieser Antrag für Schaden an Freiheit und Gesundheit gestellt um auf Grund der Ländervereinbarung vom 23* Juni 1959 nachgeschoben würde« Zur Begründung seines Entschä-digungsantrags hat der Kläger vorgetragen, er habe von seiner Geburt bis zur Befreiung durch die Alliierten mit seinen Eltern bei der Zeugin in If^^in einem kleinen Bachkämmerchen aus Furcht vor Verfolgung versteckt gelebt« Der Aufenthalt an diesem Orte sei gesundheitsschädlich gewesen« l)a sie keine Lebensmittelkarten erhalten hätten, sei auch die Ernährung unzureichend gewesen« 1 BEG versäumt habe und ihm gegen die Versäumung dieser i'rist die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach § 189 Abs.3 BEG nicht erteilt werden könne. Die Entscheidung des Berufungsgerichts beruht darauf, daß der Kläger die I'rist des § 189 Abs. 1 BEG für die Stellung des Entschädigungsanspruchs versäumt hat, und daß Gründe dafür, die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren, nicht vorliegen. Nach dem Rechtszustand, wie er durch das BEG-Schlußgesctz geschaffen worden ist, kann dem Kläger die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand durch die Entschädigungsgerichte nicht mehr versagt werden. digungsgerichte an Entscheidungen der Entschädigungsbehörde gebunden, durch die diese ausdrücklich oder stillschweigend die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Anmeldefrist gewährt haben« Nach dem zur Veröffentlichung bestimmten Urteil des Senats vom 30« September 1966 - IV ZR 177/65 - ist diese Vorschrift über ihren Wortlaut hinaus dahin zu verstehen, daß die rechtzeitige Anmeldung eines Anspruchs im Verfahren vor den Entschädigungsgerichten nicht mehr in Frage gestellt werden kann, wenn die Entschädigungsbehörde über den Anspruch sachlich entschieden hat, ohne ihn an der Fristversäumung scheitern zu lassen« Das trifft in dem hier zu entscheidenden Falle zu« Denn die Entschädigungsbehörde hat dem Kläger auf seinen Entschädigungsantrag hin eine Entschädigung für Schaden an Freiheit gewährt und die Entschädigung für den Gesundheitsschaden nicht wegen Versäumung der Antragsfrist, sondern aus anderen sachlichen Gründen versagt« Das angefochtene Urteil muß sonach aufgehoben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die außergerichtlichen PCosten der Revision, an das ßerufungsgericht zurückverwiesen 'werden Die Kostenentscheidung folgt aus § 225 Abs. 1 BEG