BGH · IV ZR 212/62 vom 22.02.1963
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Pas beklagte Land hat dem Kläger durch Bescheid der Sntschädigungsbehörde vom 9« Juni I960 wegen Versorgungsschadens nach §134 BEG eine monatliche Rente ab 1» November 1953 in Höhe von 182,78 DM zuerkannt» Hierbei hat es unter Anwendung der Bewertungszahl 9 nach dem Bewertungsgesetz den Kapitalwert der Rente, die der Kläger ohne Verfolgung zu erwarten gehabt hätte, mit 78 840 DM, den Kapitalwert der Witwenrente seiner am 0» 1902 geborenen und somit am 1« November 1953 50 Jahre alten Ehefrau unter Zugrundelegung der Bewertungszahl 13 und demgemäß einer sich aus den beiden Bewertungszahlen ergebenden Differnszahl 4 mit 21 024 DM angenommen, beide Kapital-werte zu einem Gesamtbetrag von 99 864 DM addiert und die dem Kläger suetehendq Jahrecrente von 8 760 DM gemäß dem Verhältnis 25 000 DM (Höchstbetrag laut der Vorschrift des § 137 BEG) : Der Kläger macht mit der gegen diesen Bescheid erhobenen Klage geltend, bei der Berechnung der ihm zustehenden Rente sei auch § 4 des Bewertungsgesetzes anzuwenden» Danach dürfe die seiner Ehefrau nach seinem Tode zustehende Rente nicht berücksichtigt werden» Seine Rente sei vielmehr nach einem Kapitalwert von 25 000 DM zu berechnen» Er hat sonach beantragt, ihm ab 1» November 1953 eine Rente von jährlich 2 778 DM in monatlichen Teilbeträgen zu zahlen unter Anrechnung der ihm von der Entschädigungsbehörde zuerkannten Rente» Nach § 136 Abs» 1 BEO hat der Kläger, der nach § 134 aaC wegen entgangener Versorgungsleistungen entschädigungsberechtigt ist, zusätzlich als Entschädigung die Leistungen zu beanspruchen, die ihm bei Eintritt des Versorgungsfalls - ohne die Schädigung «suges fänden ! solche Ansprüche könnte seine Ehefrau für den Fall erheben, daß sie ihn überlebt» Auf diese Rentenansprüche findet jedoch § 137 Abs» 1 BEG Anwendung, der ausdrücklich § 136 aaO erwähnt» Nach dieser Bestimmung darf aber die Entschädigung für den einzelnen Verfolgten und für seine Hinterbliebenen, insgesamt 25 000 IM nicht übersteigen» Palls die Entschädigung wie hier in einer Rente besteht, wird bei der Entscheidung der Präge, ob die Entschädigung für den Verfolgten und seine Hinterbliebenen den Höchstbetrag erreichen, nicht auf die tatsächlich: bewirkten Leistungen, sondern auf den Kapitalwert der in Frage kommenden Renten abgestellt» Las ist der Zweck der Vorschriften des § 137 Ab3» 2 BEG (so auch Blessin-Ehrig-Y/ilden, BEG 3* Aufl» Anm» 2 auf S» 809)» Hier wird bestimmt, daß der Kapitalwert der Rente unter entsprechender Anwendung des Bewertungsgesetzes zu errechnen sei» Nach § 16 Abs» 1 des Bewertungsgesetzes ist der Kapitalwert der dem Kläger zustehenden Rente nach dem Lebens alter zu berechnen, das der Kläger am 1» November 1953 hatte» Nach § 137 Abs» 1 BEG ist jedoch zu berücksichtigen, daß auch die Ehefrau des Klägers aus demselben Grunde wie dieser Anspruch nach § 134 ff BEG hat» Wenn nun § 137 Abs» 1 aaO bestimmt, daß die Entschädigung für den Kläger und für seine Ehefrau insgesamt 25 000 Dt! § 4 Bewertungsgesetz ist entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts nicht anwendbar» Biese Bestimmung trägt allein den besonderen Zwecken des Bewertungsgesetzes Rechnung, Wie § 1 Bewertungsgesetz ergibt, gilt das Gesetz für die Bemessung von Steuern,, Hier ist es gerechtfertigt, ein Wirtschaftsgut, dessen Erwerb aufschiebend bedingt ist, erst von dem Augenblick an als Grundlage für die darauf ruhenden Steuern zu berücksichtigen, in dem die Bedingung eingetreten ist» § 4 BY/G besagt allein, daß diese aufschiebend bedingten Wirtschafts, guter erst mit dem Eintritt der Bedingung als Bewertungsgrund-lagc für die Berechnung von Steuern und Abgaben in Betracht kommen» Sine Bestimmung darüber, wie Renten im einzelnen zu be-| | werten sind, enthält diese Vorschrift nichto Diese Gründe treffe aber nicht zu, wenn es sich um die Bewertung von Renten nach § 137 BEG handelt» Daher entspricht es dem mit § 137 BEG verfolgten Zweck, nur die die Bewertung selbst betreffenden Bestimmungen nach § 137 Abs» 2 BEG entsprechend anzuwenden0 Auch der Wortlaut des § 137 BIG rechtfertigt keine andere Auslegungo Daraus, daß § 137 Abs» 2 BEG nur in der Einzahl von dem Kapitalwert der Rente spricht, kann nichts hergeleitet worden» Es sind Fälle denkbar, in denen mehrere Hinterbliebene, die Witwe und mehrere Kinder Anspruchsberechtigte sind» Auch dann muß für § 137 Abs» 1 BEG der Kapitalwert dieser mehreren Renten errechnet werden, obwohl § 137 Abs» 2 BEG nur von der 'K Berechnung des KapitalWerts einer Rente spricht» Von einem Gesamtkaptalwert brauchte das Gesetz nicht zu sprechen, da die Zusammen? Palls er diese höheren Bezüge für einen geringeren Zeitraum erhalten hätte, würde das dazu führen, daß für die spätere Versorgung seiner Witwe nur ein geringerer Betrag zur Verfügung stehen würde, als er sich ergeben hätte, wenn ihre Versorgung von Anfang an bei der Berechnung der dem Kläger zustehenden Rente mitberücksichtigt worden wäre. Ausfall der Versorgungsansprüche des Geschädigten und seiner Hinterbliebenen insgesamt einen Betrag von 25.000 DM bei dem einzelnen Versorgungsfall zur Verfügung gestellt» Hieraus sollen alle Versorgungsansprüche so gedeckt werden, wie sie gedeckt wären, wenn die Träger der Versorgungslast die Ansprüche nach einem solchen Betrag berechnet hätten» Es ist daher notwendig, bei der Berechnung der dein Kläger zustehenden Versorgungsansprüche auch zu berücksichtigen, daß Angehörige vorhanden sind, die nach Seinem Tode versorgungsberechtigt sein können» in allen Ländern mit Ausnahme von Hamburg vertretenen Praxis angeschloosen» Die dieser Praxis zugrundeliegende Bechtaansicht wird auch von van Dam/Loos BEG § 137 An. 2 und vom Kammergericht RzW I960, 406 geteilt» Blessin/Ehrig/Wilden, BEG § 137 vertreten anscheinend eine gegenteilige Meinung» Sic verkennen, daß es sich bei der Festsetzung der Höhe der einem Verfolgten zue teilenden Rente nicht um eine Berechnung des Kapitalwerts seiner Rente handelt»