BGH · IV ZR 210/51
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 5« Juni] 1952 unter 'Mitwirkung der Bundesrichter .Ascher, Johannsen, Di% Kregel Br.V, Berner und Scheffler für Recht erkannt? Die Berufung:des Beklagten gegen das Tellur-.teil der 30 Zivilkammer des Landgerichts in Hagen vom 23,o November 1950 w'ii'd zurückgevvieseno Die Entscheidung über die Kosten der Revision bleibt dem Endurteil überlassenv Von Rechts wegen. hach dem Tode des überlebenden Ehegatten soll der beiderseitige Nachlass an unseren Sohn Paul Heinrich ■> den Beklagten - als Nacherben fallender überlebende Ehegatte behält bis zu dem. der Beklagte zur 1 ehrmacht eingezogen war-,-, üb ertrug der Vater dem Kläger durch notariellen Vertrag die Hälfte seines unbeweglichen Vermögens zu Eigentum» In dem Vertrage heißt es, daß die Übertragung 5rzv;ecks Eegelung. der Nachfolge in das Gesamtgut der Gütergemeinschafttr erfolge» Veiter heißt es in dem Vertrag, es sei vorgesehen, daß der Beklagtet die -andere; Hälfte der Grundstücke erhalten solle ; beit der#Auseinandersetzung der beiden Brüder solle jedoch berücksichtigt werden, daß ihm bereits ein Grundstück von 3,62 ar gehöre, so daß der Kläger von den Grundstücken des Vaters 3,62 ar wehr Im Juni 1947 erhob der Vater gegen den jetzigen Klager Klage auf Peststellung .der Nichtigkeit des Vertrages. mit der er die Verurteilung des Klägers zur Auflassung der halben IJiteigentumsanteile an den-Grundstücken begehrt, die der Vater der Parteien dem Kläger durch'den Vertrag vom Januar 1945 übertragen hatte* Er stützt die .Widerklage : darauf, v daß die Übertragung: eine -Schenkung darstelle? gegen: die von der Revision keine Beden-:en erhoben worden sind, ist das Revisionsgericht gebun- gemeinschaftliche Testament weiter dahin ausgelegt, , daß es sich um ein sog%-v/’echselbezügiiches ■ im »Sinne des § 2270 BGB handele, bei dem also anzunehmen sei, daß die Verfügung des einen Ehegatten nicht ohne die des anderen getroffen sein würde, und es hat ausgeführt, daß auf solche .Testamente die §§ 2286, 2287 BGB entsprechend anzuwenden seienP .Auch in~ sov;eit hat die Revision das Berufungsurteil nicht angegriffen; daß die 5§ 2286, 2287 BGB auf wechselbezügliche Testamente dann anzuwenden sind,wenn:durch den Tod. eines Ehegatten das bid erruf are cht des anderen erloschen ist, entspricht der allgemeinen Meinung (RGliIC Anm 6- zu § 2271? Zwar wird nach § 10 dieses Gesetzes die Gütergemeinschaft nach dem Tode eines der in Gütergemeinschaft lebenden Gatten - zwischen dem überlebenden Gatten und den Kindern fortgesetzte Biese gesetzliche:Regelung kann aber durch eine gemeinschaftliche letztv/illige: Verfügung der Ehegatten geändert werdenovEine solche:ändernde letztwillige Verfügung liegt vor, wenn sich Ehegatten gegenseitig zu Erben eingesetzt haben0 Bam.lt ist die Eortset-zung der Gütergemeinschaft ausgeschlossen (vgl .Niesert, Aus dem Westfälischen Güterrecht, Heft 6 S 2T) *> Schenkung gemacht hat, nach Anfall der Erbschaft von lern Beschenkten die Herausgabe des G-eschenkes nach den Vorschriften über die Herausgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung fordern& Bas Berufungsgericht hat hierzu aüsgeführts Eine Beeinträchtigungsabsicht, wie § 2287 BGB sie erfordere, läge vor, wenn die Benachteiligung das treibende LTotiv gewesen sei« Bei Verträgen der hier zur Entscheidung stehenden Art spreche schon nach den Grundsätzen des Beweises vom ersten Anschein eine:Vermutung für , eine Benachteiligungsabsichto Hinzu-kommeyw daß der Vater, der mit dem Kläger zuvor in Unfrieden gelebt habe, gewünscht habe? daß der Kläger zur Bedingung gemacht habe , daß d„as gemeinschaftliche Testament der Eltern geändert würde; daß der Vater darauf .wenige läge vor dem ‘übertragungsvertrag versucht habe, das Testament aus der ,amtlichen Verwahrung zuriickzu-erhalten, und daß der-leitende Gedanke -?b ei -Ab Schluß des Übertragungsvertrags: gewesen, sei, die für den Kläger nachteiligen Folgen des Testaments,,der^Eltern auszugleichen« Her Kläger selbst habe-vorgetragen, sein Vater .habe mit dem Übertragsvertrag das -ihm - dem Kläger - zugefügte Unrecht wieder gut machen wollen; also sei die Benachteilig gungaabsicht•der alleinige, mithin, treibende Gesichts- punkt gewe s e nv Bie Hevision rügt hierzu*Verletzung des § 2287 BGB und führt aus, das Berufungsgericht habe Ursache und Wirkung verwechselt, wenn es meine, die Absicht des Vaters, die Beeinträchtigung des Klägers durch das gemeinschaftliche Testament wieder zu beseitigen, sei mit der nachteiligen* nicht unvereinbar«'-Bei- jeder Schenkung sei dem Schenkenden bewußt, daß die Erbschaft des Vertragser-ben entsprechend verkürzt werde o- Sine-BeeititrÜchtigungsab-sicht könne deswegen aber nicht schon bei -jeder.Schenkung angenommen werden; sonst wären die : Gesetzesworte ”in der Absicht« den Vertrags erb en' zu b enacht eiligen u üb e r flü ssig« § 2287 BGB wolle mir den bösen willen des Erblassers aus-schließen, nicht aber eine Handlung verbieten, die;der Erblasser aus dem zu billigenden Motiv«.den Zielen der Gerechtigkeit zu dienen, vornehme* Br handelt dann-zwar-vorsätzlich in Bezug auf die Beeinträchtigung- .des- anderen« .-Dieser Vorsatz wird aber bei fast jeder Schenkung vorliegen0,wollte man ihn ausreichen lassen, um dem VertragSerben einen Herausgabeanspruch zu geben, so würde der Vertragserbe an fast jeder Schenkung gehindert; daß dies nicht richtig sein .kann, erweist sich besonders in dem Rail der §§2269, 2270 BGB, also in dem -auch hier vorliegenden - Rail des wech-selbezöglichen sog* Berliner Testaments? Auch der \.ortlaut des § 2287 BGB spricht hiergegent «Absicht" ist eine engere Art des Vorsatzes,-, .Sie liegt vor, wenn der Handelnde den in Betracht könnenden Erfolg seines Handelns - hier also die Beeinträchtigung - nicht nur in sein Bewußtsein aufnimmt? Im vorliegenden Ball wünschte nach den Feststellungen des Berufungsgerichts der Vater der Parteien .im ilovember 1944 sich mit dem Klüger? dem Kläger zu vertragen«, Um dieses Ziel zu "erreichen, nicht aber um denBeklagten zu beeinträchtigen/ schloß der Vater den. t r 2 g s ab s chluß sei gewesen, die für den Kläger: nachteiligen Folgen des Testaments - auszugleichen«,- nicht; im Wider Spruch., Fenn gerade weil der Klüger diesen Ausgleich zur Bedingung seiner Versöhnungsbereitschaft gemacht .hatten ist auch die Absicht des Vaters? die nachteiligen Folgen des Testaments auszugleichenp nur die APolgeseines Wunsches nach Versöhnung« Fiese Versöhnung war also das Ziel, auf das es ihm anlcam, nicht dagegen eine Beeinträch tigung des Beklagteno Biese stellte:, sich nur als notwendige Folge des Versöhnungswunsches :des Vaters dar., Bie Voraussetzungen für den vom Viderhlüger geltend gemachten Anspruch aus § 2287 BGB sind daher nicht gegeben«