BGH · IV ZR 209/63 vom 12.02.1964
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Dem Kläger wird die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen dio Versäumung der Frist zur Binlogung der Revision gegen das Urteil des 2* Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Oldenburg vom 19* Juni 1963 versagt* Dem Gesuch des Klägers, ihm gegen die Versäumung der Revi8ionsfrist die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren, kann nicht entsprochen werden, da die Versäumung der Frist auf einem Verschulden des Rechtsanwalts beruht, der als amtlich b es teilt cr"Vortreter des Rechtsanwalts Dr« V#p den Kläger im zweiten Rechtszug vertreten hat« Das Verschulden dieses Anwalts muß der Kläger gemäß § 232 Abs« 2 ZPO gegen sich gelten lassen« Die Zustellung des Berufungsurteils ist gemäß § 212 a ZPO dadurch erfolgt, daß eine Ausfertigung des Ux'teils dem Prozeßbevollmächtigten des Klägers gegen Bmpfangsbekenntnie übermittelt wurde« Rechtsanwalt BfPP hat den Vordruck dieses Empfangobekenntnisses (Bl« 182 b GA), aus dem deutlich zu ersehen war, daß es sich um den Empfang der Urteilsaus-fertigung in der vorliegenden, durch dio Namen der Parteien und durch Angabe des Aktenzeichens gekennzeichneten Prozoß-sache handelte, unterschrieben, ohne anschließend zu veranlassen oder, sich davon zu überzeugen, daß die Zustellung in seinen Handakten verme'rkt und eine Rechtomi tt elf riet notiort wurde« Dieses Versäumnis hatte zur Folge, daß die Notiorung der Frist unterblieb und danach sowohl die Prozeßbevollmächtigten des Klägers erster Instanz als auch der mit der Einlegung dor Revision beauftragte Hechtsanwalt Br, fälschlich dahin unterx'ichtot wurden, das Urteil soi noch nicht zugestellt, die Revisionsfrist habo also noch nicht zu laufen begonnen« Bei Anwendung gehöriger Sorgfalt hätte Rechtsanwalt diesen Ueschehensablsuf, der zur Versäumung der Revisionsfrist geführt hat, verhindern können« Rechtsanwalt meint zwar, ihn treffe deshalb kein Verschulden, weil seine Bürovorsteherin entgegen der ihr allgemein erteilten und von ihr bisher immer befolgten Anweisung ihm die Empfangsbescheinigung (Zus toi lungs urkunde) zur Unterschrift nicht zusammen mit dem Urteil, sondern in einer Mappe zusammen mit anderen Zustellungsurkunden vorgelegt habo, die sich auf Schriftstücke bezogen hätten, durch deren Zustellung keine Fristen in lauf gesetzt worden seien« Infolge dessen soi ihm bei Unterzeichnung der Empfangsbescheinigung nicht zu dem Bewußtsein gekommen, daß er die Zustellung eines Urteils bestätigt habe« Jedenfalls hätte ihm dieses aber bei Anwendung gehöriger Sorgfalt und Aufmerksamkeit in dem Zeitpunkt zu dem Bewußtsein kommen müssen» als er bald darauf das von der Bürosteherin entworfene Schreiben an die Prozeßbevollmächtigten erster Instanz, mit dem diesen die Urteileausfertigung zugesandt wurde, Unterzeichnete, zu demal wenn ihm, was mangels gegenteiliger Behauptung anzunehmen ist, mit dem Entwurf dieses Schreibens auch die Urtoila-a us f er tigung vorgclegt wurde» Wäre Rechtsanwalt BflHV aber zu dem Bewußtsein gekommen, daß ihm vom Gericht in einer Status-sache eine Urtoilsausfertigung übormittelt war, dann hätte er, wenn ihm dio Vorschrift der §§ 625, 64o ZPO bekannt und gegenwärtig war, nicht darüber im Zweifel sein.könnenj nicht von jedem Schuldvorwurf freigesprochen wordene Wenn er die Entscheidung darüber, ob Empfangsbekenntnisse mit oder ohne das zugestellte Schriftstück vorzulegen seien, je nach dem, ob durch die jeweilige Zustellung eine Frist in Lauf gesetzt wurde oder nicht, seiner EUrovorsteherin überließ, so mußte er, um einer Fehlbehandlung bei diesem Verfahren vorzubougen, seine Bürovorsteherin über die in Statucsachen bestehenden Zuotollungsvorschriften genau unterrichten und den Hinweis darauf, daß Urteile in solchen Sachen von Amts wegen zugestellt werden, von Zeit zu Zeit wiederholen.