BGH · IV ZR 209/62 vom 26.02.1962
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Von Verwandten auf die Entschädigung aufmerksam gemacht, habe sie am 9o September 1954 die URO in Brüssel aufgesucht, einem dort tätigen Bekannten den Sachverhalt geschildert und im eigenen sowie im Namen ihres Ehemannes einen Antrag auf Entschädigung gestellt. Sie sei der festen Überzeugung gewesen, daß ihr und ihres Ehemannes Antrag von der URO bei den deutschen Behörden eingereicht worden sei. Mit Bescheid vom 7» April 1961 hat der Regierungspräsident in Köln den Antrag der Klägerin auf Entschädigung wegen Versäumung der Antragsfrist zurückgewiesen und die begehrte Wiedereinsetzung abgelehntc Hierauf hat die Klägerin Klage erhoben und geltend gemacht, sie treffe an der Versäumung der Antragsfrist kein Verschulden« Nach ihrem ersten Besuch bei der URO habe sie - als rechtsunkundige Person - der Überzeugung sein können, daß die URO alle weiter erforderlichen Maßnahmen ergreifen werde, auch ohne daß sie den Termin am Ho Oktober 1954 wahrnehme» Zu einer nochmaligen Reise nach Brüssel sei sie schon aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage gewesen« In der Zeit von 1956 bis zu dem 4o November 1959 sei es ihr wegen nervöser Depression nicht möglich gewesen, die einfachen Hausarbeiten im Stehen auszuführen, sowie irgend eine geistige Arbeit oder andere Aufgabe zu verrichten, die eine Anspannung de3 Geistes erfordere« Das beklagte Land hat gebeten, die Klage abzuweiseno Dio6"eö *Äntrag hat dgs Landgericht statt gegebene Gegen dieses Urteil hat die Klägerin Berufung eingelegt und ergänzend auf den Beschluß des Großen Senats des Bundessozialgerichts vom 9« Juni 1961 - GS 2/60 -hingewiesen« Sie hat ausgeführt, daß der Beststellung des Großen Senats, die Frist des § 58 Abs« 1 des Bundesversorgungsgesetzes a«F» gelte nicht, wenn die Voraussetzungen des verspätet angemeldeten Anspruchs zweifelsfrei gegeben seien, auch im übrigen Bereich der sog« LeistungsVerwaltung Bedeutung zukomme« Die Klägerin hat beantragt, das angefochtene Urteil zu ändern und nach ihren Klageanträgen zu erkennen, jedoch unter Berichtigung des Betrages der für den Freiheitsschaden in der Zeit vom 1. Das Oberlandesgericht hat der Klägerin gemäß § 189 BEG eine Entschädigung versagt, weil die Antragsfrist versäumt, insbesondere der Grundsatz des Beschlusses des Bundessozialgerichts vom 9o Juni 1961 - GS 2/6o - (NJW 1961, 227 Nr. 3o) in Entschädigungsverfahren, nicht anzuwenden und der Klägerin die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nicht zu gewähren sei. Oktober 1962 - IV ZB 279/62 nicht veröffentlicht) besteht ein Anspruch auf Entschädigung in keinem Fall, wenn der Antrag nach der im Gesetz dafür gesetzten Frist gestellt und die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Frist versagt worden ist. 2, Der Revision ist auch insoweit nicht zu folgen, als sie geltend macht, die Klägerin sei ohne eigenes Verschulden an der Einhaltung der Antragsfrist gehindert gewesen. Allerdings ist nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats (Urteil vom 18, Dezember 1959 - IV ZR 189/59 RzW i960, 135 Nr, 37) davon auszugehen, daß es sich bei den Entschädigungsberechtigton in der Regel um rechtsunkundige Personen handelt, die sich oft in schwierigen Verhältnissen befinden und ihr Recht nur schwer wahmehmen können. Das Berufungsurtoil gelangt mit überzeugenden Ausführungen zu dem Ergebnis, die Klägerin habe es an der erforderlichen und ihr auch zu demutbaren eigenen Umsicht, Sorgfalt und Initiative bei der Geltendmachung ihres Entschädigungsanspruchs fehlen lassen, die hierdurch bewirkte Versäumung der Antragsfrist sei daher von ihr selbst verschuldet• Sie habe bereits seit 1954 gewußt, daß sie Entschädigungsansprüche stellen könne. Zwischen Oktober 1954 und Mitte 1956 sei sie nicht so krank gewesen, daß sie, wenn sie - nach ihren Vorbringen - schon geglaubt habe, 1954 ihre Ansprüche bereits ordnungsgemäß angemeldet zu haben, sich während dieser Zeit nicht mit der URO hätte in Verbindung setzen oder bei den deutschen Behörden nach dem Stande ihres Verfahrens erkundigen können. Wenn ärztlich bescheinigt sei, daß die Klägerin von 1956 bis zu dem 4o November 1959 wegen nervöser Depression keine einfachen Hausarbeiten im Stehen habe ausführen oder geistige Arbeiten habe verrichten können, so widerspreche das dem tatsächlichen Geschehensablauf; denn die Klägerin habe während dieses Zeitraums nicht nur (am 5. August 1958) erneut die URO aufgesucht, sondern sei sogar einen Monat später zu ihrem Prozeßbevoll-♦ mächtigton nach Düsseldorf gereist und am 9* September 1958 bei der Entschädigungsbehörde in Köln gewesen. zwischen ihren beiden Besuchen bei der URO 1954 und 1958 um ihre Entschädigungsangolegenheit«'#' hätte kümmern können» Hierzu sei sie - oder ihr Ehemann - bildungsmäßig um so mehr in der Lage gewesen, als sie für ihren Gesundheitsschaden Entschädigung unter Einstufung in die vergleichbare Beamtengruppe des höheren Dienstes verlange» Die aus Polen stammende und erst 1947 über Rumänien nach Belgien gekommene Klägerin möge daselbst 1954 vielleicht noch Sprachschwierigkeiten gehabt haben; sie trage aber selbst nicht vor, sie sei am 9» September 1954 etwa infolge von Sprachschv/ierigkeiten in der Wahrnehmung ihrer Interessen bei der URO irgendwie behindert gewesen» Dann habe sie aber auch eine kürze schriftliche Mitteilung an die URO verfassen oder ihren Ehemann hierum bitten können» Da sie aus der Einladung der URO zu einer zweiten Besprechung die Notwendigkeit von deren weiterer Unterrichtung habe erkennen müssen, sei es unverständlich, daß sie mit einer erneuten Vorsprache fast vier Jahre gewartet habe» Die Revision irrt, wenn sie glaubt, der Standpunkt des Oberlandesgerichts führe zu einer Überspannung des Sorgfaltsbegriffs» Bei dem Hinweis auf - vom Oberlandesgericht nur als möglich unterstellte - Sprachschwierigkeiten der Klägerin und deren Bettlägerigkoit übersieht die Revision die Feststellung des 0berlande3gericht3, die Klägerin sei nicht gehindert gewesen, ihren Ehemann zu bitten, um die Abfassung und Absendung einer schriftlichen Standanfrage an die URO wegen ihrer Wiedergutmachungs-angelcgenheit besorgt zu sein» Die Revision rügt ferner in Hinblick auf die oberlandesgerichtliche Würdigung der Reisen der Klägerin nach Ablauf der Antragsfrist unter Hinweis auf §§ 176 BEG, 139 ZPO, die Klägerin hätte auf entsprechende Befragung unter Berufung auf Sachverständigengutachten vorgotragen, auch der an Depressionen Dem ist entgegenzuhalten, daß die Klägerin durch die Aufforderung der URO, am 14o Oktober 1954 nochmals in Brüssel zu erscheinen, vor eine solche besnndere Notwendigkeit gestellt war, sich also auch von ihrem eigenen Standpunkt aus fähig und willens hätte zeigen müssen, der URO die noch erforderliche Information zu erteilen« Im übrigen übersieht die Klägerin bei ihrer Rüge die ständige Rechtsprechung des erkennenden Senats (Urteil vom 18« Juni 1958 ~ IV ZR 47/58 m Nr« 6 zu § 176 BEG 1956), daß neben der Verpflichtung des Gerichts, den Sachverhalt von Amts wogen zu ermitteln, die Pflicht der Parteien steht, bei der Aufklärung des Sachverhalts mitzuwirken«» Soweit die Revision die Ausführungen des Oberlandesgerichts über den Bildungsgrad der Klägerin und ihres Ehemannes mit dem Hinweis beanstandet, die Einstufung sei grundsätzlich von der wirtschaftlichen Stellung abhängig, übersieht sie, daß daneben auch die von der Vorbildung mit beeinflußte soziale Stellung vom Gesetzgeber zur Beurteilung mit herangezogen wird« Gegenüber dem Hinweis der Revision, die Klägerin habe für das etwaige Verschulden ihres - von ihr nicht beauftragten - Ehemannes nicht einzustehen, ist zu betonen, daß es sich nach Auffassung des Oberlandesgerichts tun das eigene Verschulden der Klägerin selbst handelt, die es versäumt habe, um die Abfassung und Absendung einer schriftlichen Standanfragc an die URO durch ihren Ehemann besorgt zu sein»