BGH · IV ZR 205/51
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
hat der IV* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 9« Juni' 1952 unter Mitwirkung der Bundesrichter Ascher, Br« Hartz, Br» Kregel, Br»v« Werner und Scheffler. ^Bfcb'itten entgegen den von ihnen abgegebenen Erklärungen kein Bargeld, sondern Naturalien bezw„ 1 Kuh bekommene Der Betrag von 5 000,— EM habe auch nur an die Erbengemeinschaft gezahlt oder für diese hinterlegt werden dürfen« Ei-xx<i Teilauseinandersetzung sei insoweit nicht zulässig gewesen* Die beklagte Ehefrau habe begründetes Interesse, einer Teilauseinandersetzung zu widersprechen, weil die Klügerin die Kosten ihrer Lehrerinnenausbildung mit 4 500,— ELI auszugleichen und noch Beträge für einen Eichbaum, ein abgeholztes Waldstück und für die Benutzung der sonstigen llach-lassgrundst'icke an die Masse zu bezahlen habe* Die Hinterlegung habe auch Treu und.Glauben widersprochen® Eei dem Drei-se von 5 000,— Mark handele es sich überdies um einen Vertanspruch® „ Ic Paa Berufungsgericht hat-das Testament dahin ausgelegt, daß die Erblasserin dasWohnhaus mit Stall, Scheune und Garten der Klägerin als V or aus v er milch this zugev/endet habe, daß es sich insov/eit also nicht um eine bloße Teilungsanordnung handele,, Diese Auslegung ist möglich (vgl OGHZ 1, 161 /T657’j oi>G Hamburg in UPR 1950, 420). Sie wird auch von der Revision nicht angegriffen * Per Klägerin steht hiernach mit einer unter II noch zu erörternden Bedingung eine mit dem Erbfall am 19a Januar 1947 entstandene und sofort fällig gewordene Forderung gegen die Erbengemeinschaft zu, ihr das Eigentum an dem'streitigen Grundbesitz zu übertragen*, $§ 2174, 2176, 271 BGB, Für diese Verbindlichkeit aus Vermächtnis haftet die beklagte Ehefrau als Miterbin* gesamtschuldnerisch', §§ 1967 Abs 2 5 205B BGBo \ ' */ ' Pas Berufungsgericht hat weiter rechtlich einwandfrei festgestellt, daß der Klägerin durch'das Vorausvermächtnis nicht nur die Parzelle 142; b, sondern auch die Berufungsgericht hierbei in seiner eingehenden Beweis-v.iirdigung die Aussage des Zeugen Matthias (Par ter PflIHBl) verwertet hat, rügt die Revision zu Unrecht , das Gericht habe sich nicht mit den Angriffen gegen dessen Glaubwürdigkeit auseinandergesetzto- Tatsächlich ist das auf S 11/12 des Urteils'geschehen; dort ist seine Sorgfalt und Wahrheitsliebe ausdrücklich bejaht worden.* Schon auf Grund der Feststellung, daß der Betrag von 5 000 Hark allen 6 Miterben habe zukommen sollen, konnte das Berufungsgericht die Voraussetzungen einer Irrtumsanfechtung nach § 2078 BGB unbedenklich verneinen« II, Die Revision greift die Auslegung des Berufungsgerichts insoweit an, als dieses angenommen hat, die Erblasserin habe - im Wege eines Untervermächtnisses im Sinne der 5§ 2186, 2187 BGB - jedem der Miterben eine Forderung gegen die Klägerin in Höhe von einem Sechstel von 5 000 = 833,33 Mark zugewendet0 Es kann dahingestellt bleiben, ob diese' Auslegung etwa, wie die Revision meint, unmöglich ist, weil die Erblasserin ihr nicht die-Verpflichtung habe auferlegen können, 1/6 des Preises an sich selber zu zahlen, Vermächtnisnehmer und Villen der Erblasserin zu erforschen hatte und insoweit auch außerhalb der Urkunde hervorgetretene Umstünde bedeutsam waren (vgl auch Urteil des Senats vom 11 * Oktober 1951 - IV ZK 17/50 -) 0 Auf/Grund der vorerwähn-tencEeststellung konnte es«ohne Gesetzesverstoß den Schluß ziehen«, daß die Klägerin den Betrag von 5 000-Hark nicht etwa im ganzen -als ”Kaufpreis” an die Erbengemeinschaft leisten«, sondern jedem der Titerben den auf ihn entfallenden Betrag unmittelbar auszahlen sollte«, Im Hinblick darauf? demnächst stattfinden und die Zahlung des der Beklagten zustehenden 1/6 Anteils hei der Vollziehung der Urkunde erfolgen solle0 Wenn hei dem vorerörterten Ausgangspunkt nicht schon das Angebot, sondern erst die Zahlung die von der Erblasserin gesetzte Bedingung erfüllte, dann muß die Beklagte sich gleichwohl' sb behandeln lassen, als ob die Bedingung eingetreten, ihr also gezahlt worden ist, weil alsdann die Voraussetzungen des §’2076 BUB vorliegeno Nach dieser Vorschrift gilt eine den Vorteil eines Dritten bezweckende Bedingung, unter der eine letztwillige Verfügung gemacht.worden ist, im Zweifel als eingetreten, wenn der .Dritte die zu dem Eintritt der Bedingung erforderliche Mitwirkung verweigerte Unstreitig haben aber beide Beklagte sich trotz Erinnerung vom 13o Oktober 1947 und eines weiteren Aufforderungsschreibens des Rechtsanwalts van Bebber vom 3* November 1947 nicht brreib-gefunden? ♦ % t gewesen sei« In jenem Falle war für die*Auseinandersetzling nach dem Gesellschaftsvertrag zunächst der Abschluß eines Kaufvertrages notwendig« Bei dieser Sachlage hat der II« • Zivilsenat ausgesprochen, daß die dort in Frage kommende VO 92 der brit* KilReg nicht.anzuwenden sei, weil kein Anlass bestehe, ihren Anwendungsbereich über das Gebiet der Abwicklung bestehender und. fälliger Geldverbindlich-keiten hinaus auszudehnen und ihn auch auf die Begründung von Geldverbindlichkeiten in Reichsmarlc-Währung zu erstrecken« Im vorliegenden Fall handelt es sich aber um einen in entscheidenden.Funkten.anderen Sachverhalt« Es war weder ein Kaufvertrag noch etwa*, 'worauf die angeführte Entscheidung gleichfalls abstellt, ein Auseinandersetzungs vertrag abzuschließen« Die Klägerin hatte vielmehr auf Grund des Testaments einen*Auflassungsanspruch, der davon abhängig war, daß sie die"ihr gesetzte Bedingung erfüllte« Insoweit bestand wiederum mindestens eine durch die Abgabeder Auf-lassungserklärühg aufschiebend bedingte'Verbindlichkeit gegenüber den einzelnen Miterben« Für.diese.kam hier die mit der VO 92 der brit« MilReg im wesentlichen überein- • Es -kommt hier hinzu, daß nach den Feststellungen des Berufungsgerichts - wie noch in anderem Zusammenhänge zu erörtern sein wird - die Erblasserin den Betrag von 5 000 I,fark nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der I lä-gerin festgesetzt hat® Das deckt sich damit, daß die Klägerin, wie sie selbst in ihrem Schriftsatz vom 9* Januar 1950 vorgetragen hat and von den Beklagten nicht bestritten worden ist, in der Lage sein sollte, den äbernahme-preis aus ihren Ersparnissen abzudecken® Bei dieser besonderen Sachlage ist kein rechtlicher Gesichtspunkt ersichtlich, unter dem die Beklagten es Ende 1947 berechtigt hätten ablehnen könne, eine Reichsmarkzahlung anzunehmen® habe enterben wollen, die sie nicht übersehen habe und nicht habe übersehen können* Gegen § 2084 BGB sei auch dadurch verstoßen, daß das Berufungsgericht für die Wertbemescung nicht auf den Zeitpunkt der Testamentserrichtung, sondern auf den Todestag des Erblassers abgestellt habe0 Biese Revisionsrügen betreffen die Aus- 348 vertretenen Auffassung, die Erblasserin habe, den ’’Preis von 5000,— Karle” als einen Wertanspruch aufgefsßt$ der den Kiterben einen entsprechenden wertanteil an dem Grundstück habe sichern sollen«, Biese Angriffe'der Revision sind im Ergebnis schon deshalb gegenstandslös, weil sie sich nur gegen Hilfserwügungen des Berufungsgerichts richten für den Pall, daß ein Y/ertanspruch vorliegen sollteo Im Anschluß daran hat das Berufungsgericht jedoch (s 21/22 des Urteils) einen solchen rechtlich bedenkenfrei verneinto Babei hat es auf Grund der Aussagen der Zeugin einer Tochter der Beklagten, und des Zeugen Katthias Ejppp - für den Senat bindend - festge-stellt, die Erblasserin ?se.iC”b.eitder, Festsetzung des Betrages nicht von der Wertseit© des Grundstücks ausgegan-gen, sondern im Gegenteil, von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Klägerin o’! Liese Frage kann jedoch auf sich beruhen, da für eine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Klägerin in der Zeit von Juli 1945 bis Januar 1947 nichts ersichtlich ist* /uf die vom Berufungsgericht und d er'Revision weiter erörterten Fragen, v/elcher Zeitpunkt für eine etwaige er tbemes sung entscheidend war, welche Folgerungen daraus zu ziehen sind, daß die Erblasserin den 1945 festgesetzten Breis nicht durch spätere letztv/illige Verfügung* geändert hat und ob der Y/ei/t der Reichsmark von Juli 1945 bis zu dem Tode der Erblasserin oder bis zur Hinterlegung nennenswert gesunken ist,*kömmt es somit nicht an* aufv; eist 0 Denn die Verpflichtung der beklagten- Ehefrau, die Auflassung zu erklären, besteht unabhängig voir diesem Hotariatsakt schon auf Grund des Testaments und unabhängig davon, in welcher YTeise die Klägerin sich mit den anderen Fiterben' über die Erfüllung der ihr gesetzten Bedingung geeinigt hat.*.. Ein Zurückbehaltungsrecht der beklagten Ehefrau wegen etwaiger Ausgleiehungspflichten und Schulden der Klägerin gegenüber der Erbengemeinschaft hat das Berufungsgericht im Ergebnis zutreffend und von der Revision nicht angegriffen verneinte Ein solches kommt schon deshalb nicht in Betracht, weil sich aus der.Besonderheit des Vorausverm'lchtnisses ergibt, daß dieses der Klägerin unabhängig Ton der Hachlassteilung im übrigen gegen Zahlung des festgesetzten Betrages gewährt sein sollte« Auch die Verpflichtung des beklagten Ehemannes« der Auflassung zuzustimmen, hat das Berufungsgericht zutreffend bejahte Sie folgt allerdings nicht, wie das Berufungsgericht ennimmt, aus den 55 1395, 1363 BGB, sondern aus 5 1411 in Verbindung mit § 1406 Nr 1 BGB,