BGH · IV ZR 203/57
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat dos Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 10Januar 1958 unter Uit-wirkung der Bundesriehter Ascher, Johannsen, Br.v,Werner, Wüotcnberg und Wilden für Recht erkannt* Kachdom ihre tfirtin festgenommen worden sei, die auch su einer Gefängnisstrafe von drei ironaten verurteilt worden sei, habe sie den Eindruck gewonnen, daß auch sie Gefahr laufe, wegen ihrer anthroposophischen Weltanschauung ins Gefängnis oder Konzentrationslager zu können. Aus diesem Gi’un-do sei sie am 29.' Oktober 1941 in die Schweiz aus gewandert, wo sie ihr nedisinioejaes Studium fortgesetzt und an der Universität Dasei das Physikum bestanden habe. Einmal sei sic durch nationalsozialistische Gewaltmaßnehmen nicht verfolgt worden * Bio von der Gestapo vorgenonmo-nen Erkundigungen über die Klägerin in den Hotel, wo sie zunächst gewohnt habe-, seien keine Gewaltmaßnahmen gewesen, sondern könnten durch die umfangreiche Auslandskorrespondenz der Klägerin veranlaßt worden sein* Die Haussuchungen und Verhöre der Klägerin hätten sich gegen ihre hirtin gerichtet und mit deren Vorhaftung zusammengehangen, Bie Klägerin selbst habe nicht als belastet oder verdächtig gegoltene Bas ergebe sich daraus, daß man ihr sonst nicht den Besuch einer Frau DflB; der Leiterin der Christongemeinschaft in Heidelberg, die sich in Gefängnis befunden habe, gestattet und vor allem ihr nicht den zu einer Ausreise nach der Schweiz v/ährend des Krieges erforderlichen Sichtvermerk erteilt hätte. en hang zwischen der Haussuchung und den Vernehmungen einerseits und der Auswanderung c.cr Klägerin in die Schweiz und den dort eingetretenen Geourtfheitsschäden andererseits, da ein solcher Schaden als Polgo dos *von der Klägerin behaupteten Vorgehens gegen sie in Heidelberg nicht zu erwarten gewesen wäre» II«, Wenn das Berufungsgericht auf Grund dieser von ihm * getroffenen tatsächlichen Peststellungen der Klägerin eine Entschädigung versagt hat, so läßt dies im Endergebnis einen Rechls-fehlor nicht erkennen» Die Revision rügt vor allem, das Berufungsgericht habe seiner Aufklärungspflicht nicht genügt und insbesondere die Vorschrift des § 176 SEG, § 286 ZPO verletzt. Allerdings ist der Revision zuzugeben, daß eine Verfolgung sioh auch bojahon läßt, wenn Verfolgungsaaßnahmen vom nationalsozialistischen Gewalthaber gegen den Verfolgten beschlossen oder angeordnet sind, ohne daß diese schon verwirklicht sein müssen; und wenn festoteht, daß Anhänger einer bestimmten Weltanschauung lediglich wegen ihrer Anhängerschaft in großer Zahl vom Nationals oziali saus verfolgt werden, können Ermittlungen über die Anordnungen des nationalsozialistischen Machthabers in dieser Hinsicht angezeigt sein. Das schließt aber nicht aus, daß auch ein Anhänger einer solchen Weltanschauung im Einzelfall nicht verfolgt sein kann, sei es, weil man seine Y/eltanschau- ung nicht kannte, sei es, weil, wie dies das Landgericht boi der Klägerin angenommen hat, man ihn für zu unbedeutend hielt, wenn daher das Berufungsgericht aus der Tatsache, daß die Klägerin trotz ihrer polizeilichen Vernehmungen im Oktober 1941, also zu einer Zoit, in der, wie festgestellt, die Ausreis ehest immungen streng gehandhabt wurden, die Genehmigung su einer Auslandsreise erhielt, geschlossen hat, daß die Klägerin selbst nicht wegen ihrer anthroposophischen Y/oltan-schauung verfolgt worden i3t, so ist dies aus Hechtsgründen nicht zu beanstandend Allerdings hatte die Klägerin behauptet, daß sie wegen ihrer weltanschaulichen Betätigung bereits.von der Polizei vernommen worden sei, ohne daß das Berufungsgericht den von ihr hierfür benannten Polizeibeamtcn darüber gehört hat. Denn das Berufungsgericht hat, ohne daß in dieser Hinsicht von der Revision rechtserhebliche Verfahrensrügen erhoben wurden, auf Grund einer eingehenden Y/Ürdigung des gesamten bachverhalts festgestellt, daß die Erkrankung der Klägerin nicht auf Cie von ihr behauptete Verfolgung in Deutschland zurückzuführen und im Übrigen einer