BGH · IV ZR 201/55
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Gesetz3 GKG § 11 Hechtssatzg In Ehesachen ist der Streitwert in aller Regel auf 2000,- HM festzusetzen, Die Auffassung, daß der Streitwert in Ehesachen grundsätzlich nach dem (sechs-* vier- oder dreifachen) Monatsnetto-oder -bruttoeinkommen der Eheleute festzusetzen sei> entspricht nicht dem Gesetz, Aktenzeichen? 1558) den Streitwert auch für die vorliegende Ehescheidungssache nach dem sechsfachen Betrage des monatlichen Nettoeinkommens des Klägers, das sich auf 660?" DM zur Zeit der Festsetzung belief«, festgesetzte Diese Streitwertfestsetzung ist mit der Vorschrift des § 11 GKG nicht vereinbara Diese Bestimmung ist sinngemäß dahin zu verstehen? daß in aller Regel in Ehesachen der Streitwert auf 2000?" DM und nur in besonderen Fällen unter Berücksichtigung des Einkommens, des Vermögens und der sozialen Stellung der Ehegatten höher festzusetzen ist Das hat der Senat in ständiger Rechtsprechung angenommen«, Von dieser Auffassung.- ITiehtvermögensrechtliche Ansprüche haben keinen Vermögenswerte selbst wenn ihr Bestehen oder Nicht bestehen vermögensrechtliche Folgen nach sich zieht Das gilt im besonderen auch für den Streitgegenstand in Ehesachen, wie man auch immer den Streitgegenstand in solchen Sachen auffassen mag- Die Ehe als Lebensgemeinschaft der Ehegatten umfaßt v/esentlich nicht nur Vermögensrecht liehe Beziehungen, sondern auch oder sogar vornehmlich solche persönlicher Natur.. Wegen dieses ihres Wesens entzieht sich die Ehe und damit auch ihre Auflösung, wenn sie Gegenstand eines Rechtsstreits sind, der Bewertung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, mag auch ihr Bestand oder ihre Auflösung vermögensrechtliche Folgen nach sich ziehen, Wenn deshalb § 11 GKG bestimmt, daß bei nichtver-mögensrechtlichen Streitigkeiten der Wert des Streitgegenstandes regelmäßig 20C0,- DM betrage, dann soll damit ein solcher Streitgegenstand nicht wirtschaftlich einem Vermögensrechtsanspruch von diesem Werte irgendwie gleich-gesetzt werden, wie etwa dem Anspruch auf Erfüllung der gesetzlichen Unterhaltspflicht (§ 10 Abs 2 GKG)«, Die Bestimmung des § 11 GKG hat keine andere Bedeutung- als wenn das Gesetz ausdrücklich bestimmte, in nichtvermögensrechtlichen Streitigkeiten sollen die Gerichtsgebühren die sein, die sich bei einem Wert von 2000,- DM ergebenDer Gesetzgeber ist der Ansicht, daß die nach diesem Wert zu errechnenden Gerichtsund Rechtsanwaltsgebühren in der Regel ein angemessenes Entgelt für die vom Staat bezw„ den Rechtsanwälten entfaltete Tätigkeit sei» Es handelt sich um eine reine Fiktion, wenn das Gesetz hier von einem "Wert des Streitgegenstandes" von 2000,- DM spricht. Demgegenüber darf der Wert von 2000DM gerade im Hinblick auf die Bedeutung des Ehestreites niemals unterschritten werden, obwohl dies, wenn man wirtschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigt, in vielen Fällen angebracht wäre- Wenn das Gesetz in § 11 aaO nun nicht für alle Ehesachen einen einheitlichen Streitwert zugnmdelegt, so trägt es dem Umstand Rechnung, daß bei besonders günstiger Einkommens- und Vermögenslage der beteiligten Parteien die Gebührenberech-nung nach dem Wert von 2000,“ DM zu unangemessenen Ergebnissen führen kann. Der Ostmarkbetrag des Einkommens der Ehefrau kann unter Berücksichtigung der inneren Kaufkraft der DM/Ost einem entsprechenden Betrag in BM/West nicht gleichgesetzt werden» Die Gebührenberechnung nach dem Regelwert von 2000,-DM ist daher angemessen» Die Festsetzung des Streitwertes für alle Instanzen und die Abänderung des Beschlusses des Berufungs-