Verkündet am 19« April 1963
Hoeppe, Justizangestellte als Urkundebeamter der Geschäftsstelle
Im Namen des Volkes
♦
In dem Rechtsstreit
des Schlossers Richard
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- Prozeßbevollmächtigter:
Klägers und RevisionsklägerS *
Rechtsanwalt Dr
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gegen
die Eliefrau Martha
- Prozeßbevollmächtigter:
Beklagte und Revisionsbeklagtön Rechtsanwalt Dr« IHBP in
hat der IV« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs:-auf die mündliche Verhandlung vom 10<> April 1963 unter Mitwirkung des
Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Baske„
Wüstenbergj Maaß und Wilden für Recht erkannt:
♦
Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des 4« Zivilsenats des Cberlandesgerichto in Prankfurt/Main vom 15« Mai 1962 aufgehoben«
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Der Rechtsstreit wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch Uber die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwieocn*
Von Rechts wegen
*
Tatbestand:
Die Parteien haben am 28» Oktober 1949 in
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geheiratet
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der Ehe ist ein jetzt 11 Jahre
alter Sohn hervorgegangen» Am 27* August 1956 ist der Klager in die Bundesrepublik übergesiodelt0 die Beklagte ist dagegen
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geblieben«, Sie arbeitet dort im
mit dem Kinde
Geflügclschlachtbetrieb des UVEB Fleischkombinat Der letzte eheliche Verkehr hat nach der Darstellung
dos
Klage
■**« um Ostern 1956 so
attgefund
nach den Angaben der
Beklagten ist dagegen der Verkehr bis zu dem Wegzug des Klage
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ortgesetzt worden
Der Kläger begehrt Scheidung der Ehe, mit der Begründung,
die Beklagte habe ihn bis zu seinem Wegzug gröblich
oft
und dadurch das eheliche
Verhältnis unheilbar zerrüttet
Die Schimofworte
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Hurenbock, Filou, dreckiger Kerl
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wenn sich der
habe sie sogar zu dem Fenster herausgerufen
Kläger auf dem Hof aufgehalten habe, um die Kaninchen zu füttern» Nach einem Besuch seiner Mutter in Bad
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Juli 1956, habe ihm die Beklagte vorgeworfen, er habe sich
im Westen herumgetrieben und
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to er brauche
sie nicht mehr anzufassen» Der Kläger hat ferner behauptet
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die Beklagte habe seine Schwester, die Pfingsten 1956 zu dem Besuch der Parteien nach
gekommen war, nach kurzem
Aufenthalt
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Wohnung grundlos angepackt, aus dem Zimmer
gestoßen und mit der Faust in den Magen geschlagen
Hilfsweise hat der Kläger beantragt, die Ehe ohne Schuldausspruch zu scheiden,, Die Beklagte hat gebeten, die Klage abzuweisen«, Sie hat der Scheidung widersprochen und bestritten, den Kläger jemals beschimpft oder sich sonst
♦
unverträglich gezeigt zu haben» Sie hat ferner
irgendwie in Abrede gestellt, den Klage
aus Eifersucht irgendwelcher
Beziehungen zu anderen Brauen bezichtigt zu habenc Sie hat noch geltend gemacht: Auch wenn in der Ehe einmal Zwistig-
keiten aufgetreten seien* so habe sie der
er nicht
als
schwerwiegend oder ehezerstörend empfunden, das gute Ver-
dadurch nicht gefährdet
hältnis zwischen den Parteien
sei
worden» Dafür spreche, daß der
Geschlechtsverkehr zwischen
den
rteien bis zu dem Weggang des Klägers fortgesetzt
den
sei, ferner, daß der Kläger aus Westdeutschland lange Zeit
hindurch herzliche Briefe geschrieben und d ihre Eltern mit Paketen bedacht habe»
Beklagt
und
Das Landgericht hat die Klage abgewiesen
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sen
ob die Be* lagt
den
er in der von
beschimpft ha
to Aus den "herzlich“ gc
unentschieden gela£
ihm behaupteten Weise
haltenen Briefen des Klägers hat das Landgericht geschlossen, daß die Ehe der Parteien noch nicht unheilbar zerrüttet
sei
Im Berufungsverfahren stützt der Kläger sein Sehcidun
begehren nur noch auf
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EheG
Die Beklagte
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noch vor, sei damit einverstanden gewesen, daß er in die Bundesrepublik übersiedle» Sie habe es aber abgelehnt,
ihm
zu fol
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sie habe
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das Kind nicht zu dem Besuch
des
Vaters in die
Bundesrepublik geschickt, obwohl ihr das alles
damals noch mögl
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sei
Im Interesse des Kinde
habe er es vermieden, in den Briefwechsel der Parteien Schär:
hineinzutragen
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s seinen
Briefen könnten daher keine Polgc
Ehe
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rungen über die Tiefe und Schwere der Zerrüttung der zogen werden» Der Kläger hat weitere Zeugen für die von ihm
behaupteten Beschimpfungen durch die Beklagte benannt
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hat ferner geltend gemacht, daß der Widerspruch der Beklagten
gegen die Scheidung nicht zulässig
sei
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da sic die Zerrüttung
der Ehe überwiegend Bindung an die Ehe«
chuldet habe, auch fehle ihr die
Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Kläger
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*er erreichen
♦
zurückgewiesen« Mit der Revision will der daß die Ehe der Parteien ohne Schuldausspruch geschieden
wird. Die Beklagte bittet, die Revision zurückzuwoisenc.
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Die Revision ist begründete
Io Das Berufungsgericht hat- festgestellt, daß die häusliche Gemeinschaft der Parteien seit mehr als drei Jahren aufgehoben ist, es hat ferner ausgesprochen, daß der Kläger, der vor mehr als 7 */2 Jahren Mecklenburg verlaos-en hat, sich inzwischen so von der Beklagten gelöst hat, daß das eheliche Verhältnis tiefgreifend und unheilbar zerrüttet ist«.
Danach sind die
Setzungen des
48 Abs» EheG
gegeben* Nach Ansicht des Berufungsgerichts läßt aber der Widerspruch der Beklagten die Scheidung der Ehe nicht zu,, weil der Kläger die Zerrüttung der Ehe verschuldet hat* Nach den Gründen des angefochtenen Urteils kann ihm zwar nicht
vorgeworfen werden, daß er den Herrschaftsbereich de
zonalen Machthaber
1
und sich in die Bund
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ublil
begeben hat
Da
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Berufungsgericht legt
ihm a
ber
ur Last
daß er den ungünstigen Einfluß der Trennung auf seine eheliche Gesinnung nicht durch ihm mögliche und zu demutbare Bemühungen
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♦
ausgeglichen habe» Dazu wird in dem angefochtenen Urteil ausgeführt, daß er keine Gründe gehabt habe* sich von der Bhe zu lösen« Bin solcher Grund sei nicht darin zu sehen, daß sich die Beklagte, wie er behauptet hat, "rundweg* geweigert habe, ihrem Ehemann in die Bundesrepublik zu
folgen« Dieser Vorwurf dos Klag
wäre nach Ansicht
des
aus
Berufungsgerichts nur begründet, wenn er die Beklagte drücklich aufgefordert hätte, ihm zu folgen, sofern er zu
gleich dafür gesorgt hätte, daß die wirtschaftlichen und wohnungsmäßigen Voraussetzungen für eine solche Übersiedlung
bestanden hätten« Nur unter d
Voraussetzungen wäre
der
des
Berufungsgerichts zuzu demuten
Beklagten nach Ansicht wesen, mit dem Kinde in die Bundesrepublik zu kommen«
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Nach der Überzeugung des Berufungsgerichts wird das
sagen1! des Klägers auch nicht dadurch
entschuldigt, daß die
Beklagte den Kläger, wie er behauptet, beschimpft und hcrab-
ge
set
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hat
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Die Behauptungen des Klägers zu diesem Punkt
hat
das
Berufungsgericht als richtig unterstellt, aber auc
den Briefen des Klägers gefolgert, daß er dieses Verhalten
der Beklagten nicht als che EheG)«
da
törend empfunden habe
49
Für die Zerrüttung der Ehe
die
Verhalt
der
Beklagten keine Rolle gespielt haben, da der Kläger nicht
einmal behauptet habe, aus diesem Grunde weggegangen zu sei
Nach Ansicht
des
Berufungsgerichts scheitert der Wider
uch der Beklagten auch nicht da
daß sie sich nicht
mehr an die Ehe gebunden fühle und nicht bereit ist
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sie
fortzusetzen
Da
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Berufungsgericht hat der Beklagten geglaubt
«
daß sie bereit sei, den Kläger bei sich aufzunehmen und so
die Ehe mit ihm fortzusetzen« Aus dieser Erklärung der Beklagten folgert das Berufungsgericht, daß sie sich noch an clie.
Ehe gebunden fühle, weil sie sich im Laufe des Rechtsstreits mit der bloßen Abwehr der gegen sie erhobenen Vorwurfe begnügt habe«
2
Biese Erwägungen reichen nicht
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die Zulässigkeit
des Widerspruchs der Beklagten zu rechtfertigen«, Bei de Prüfung der Präge, ob der Kläger dem ungünstigen Einfluß der räumlichen Trennung der Parteien erlegen ist, weil er
ch nicht in zu demutbarer
um die Erhaltung seiner ehe
liehen Gesinnung
bemüht hat, hat das Berufungsgericht nicht
9
alle Umstände gewürdigt über den Verlauf der Ehe
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sich aus dem Vortrag der Parteien
eben* So ist es d
Präge nicht
halb es beim Kläger zu einem all
ist
genügend nachgegangen, wes
mählichen Verkümmern der ehelichen Gesinnung gekommen Die Ansicht des Berufungsgerichts, die vom Kläger behaupteten Verfehlungen der Beklagten könnten diese Entwicklung nicht
entschuldigen, weil er das von ihm behauptete Verhalten der Beklagten nicht als ehezerstörend (§49 EheG) empfunden habe
7
ist
chtlich bedenklicho Bas Berufungsgericht hat
chot
übersehen, daß die genannte Gesetzesbestimmung den Verlust
des
Scheidungsrechts des verletzten Ehegatten vo
ieht
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eine Verfehlung des anderen Ehegatten verziehen oder nicht
als
ehezerstörend empfunden worden ist« Biese Vorschrift
chließt also nur Scheidung
aus
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die
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ich aus schuld
haften Verfehlungen des andoren. Ehegatten ergeben« Sie ist
nicht ohne weiteres anwendb
wenn es sich um die Scheidung
der Ehe nach § 48 EheG handelt« Bio Ausführungen des Beru-
fungsgerichts können aber auch dahin verstanden Werden
9
daß
das Verhalten der Beklagten die
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tellung des
Klägers
cht berührt und daher die Ehe nicht zerrüttet oder
eine bestehende Zerrüttung vertieft hat« Bas kann aber nicht
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schon aus dem Ton der Briefe des Klägers gefolgert were
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eine solche Feststellung setzt regelmäßig die Aufklürur aller Vorgänge voraus, aus denen sich die Zerrüttung de
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Ehe* auch mittelbar, ergeben haben kann
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bedenklich, die vom Kläger für das Verhalten der Beklag
angebotenen Beweise nicht zu erheben und das behauptete halten zu unterstellen« Ein solches Verfahren wäre nur d
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unbedenklich, wenn kein Zweifel aufkommen kann# daß da
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unterstellte Verhalten ohne jede Wirkung geblieben
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bei Beschimpfungen, wie sie hier der Kläger behauptet h kommt es jedoch auf die konkreten Einzelheiten an$ ob s zweifelsfrei feststellen läßt, welches Gewicht einer
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Verfehlung zukommt und ob durch sie die innere Einstell
anderen aheteila
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berührt worden ist« Eine solche Fes
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der Einzelheiten erübrigte sich auch nicht deshalb, wie Berufungsgericht meint, weil der Kläger nicht behauptet
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der Beklag
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die Beurteilung des Verlaufs der Ehe und der
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zunächst nicht zu erkennbaren Reaktionen des vorletzten
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gatten geführt haben, die aber d
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den Entschluß zur räumlichen Trennung zu orleichtorn un
innere Bereitschaft zur Aufrechterhaltung der ehelichen sinnung :
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Auch vom bisherigen Standpunkt des Berufungsgericl war die Frage zu prüfen, ob nicht die Beklagte durch ih:
halten schuldhaft dazu boigetragen hat, die eheliche Go? des Klägers im Laufender Jahre zu zo2
stören« mo Fordes
daß jeder Ehegatte bei langjähriger räumliche
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ihm möglichen Wege dazu benutzen muß, der durch solche l
gefährdeten inneren Bindung zu dem anderen Ehegatten entge*
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arbeiten, richtet sich an beide Ehegatten« Beide sind der Wirkung der langjährigen Trennung ausgesetzt® Jeder Ehegatte muß daher durch Briefe, Beachtung aller Familienfeottage, Geschenke und auf andere Weise die Erinnerung an die positiven Seiten des gemeinsamen Lebens waehhalten und pflogen (BGH LM Nr® 7 zu § 48 Abs« 1 EheG,* Kr« 23 zu § 48 Abs« 2 EheG)« Bas Berufungsgericht hat nur dem Kläger den Vorwurf gemacht, daß er den Briefwechsel mit der Beklagten seit Oktober 1958 verkümmern ließ« Ba andere Umstände, die den Verlust der ehelichen Gesinnung beim Kläger erklären könnten, nicht vorliegen, hätte das Berufungsgericht der Frage nachgehcn müssen, in welcher Weise die Beklagte auf die Briefe und Pakete des Kläg ers geantwortet hat® Bie Lebenserfahrung zeigt, daß Zahl und Inhalt der Briefe zwischen einander nahestehenden Menschen davon abhängen, wie jeweils der andere Beteiligte antwortete Ehe das Berufungsgericht allein dem Kläger die Schuld an dem Verlust seiner ehelichen Gesinnung zusprach, hätte es auf diese Wechselwirkungen eingehen müssen® Hierüber hätte, von der Vorlage der von der Beklagten an den Kläger gerichteten Briefe abgesehen, möglicherweise die Vernehmung des Klägers (§ 619 ZPO) Aufschluß geben können® Ohne eine solche umfassende Prüfung konnte das Berufungsgericht die Ursachen für die Zerrüttung und die Verantwortlichkeit der Parteien für diesen Verlauf der Ehe nicht einwandfrei fcststollcn®
3® Biese Mängel des angefochtenen Urteils stehen im inneren Zusammenhang mit der Frage, ob die Bindung der Beklagten an
die Ehe zu bejahen ist® Bas Berufungsgericht hat das Bestehen einer solchen Bindung angenommen® Es hat aber auch diese Frage nicht umfassend geprüft® Baß die Beklagte nicht geschieden sein will, ergibt sich schon aus ihrem Y/iderspruch gegen das
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Scheidungsverlangen des Klägers* Ob daraus auf eine Bindung an die Ehe geschlossen werden kann;, erfordert eine Prüfung
aller wesentlichen Umstände* Die Würdigung des Prozcßvor
haltens der Beklagten, mit der sich das Berufungsgericht begnügt hat, gibt kaum Anhaltspunkte* Auch in diesem Zu-
ammenhang kann bedeutungsvoll sein, wie die Beklagte dem
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Kläger vor der Trennung der Parteien gegenübergetreten Bei einem Ehegatten, der dem anderen mit Verachtung begegnet
und ihn mehrfach, auch in Gegenwart Dritter, grob beschimpft
muß erwogen werden, ob es sich um Entgleisungen und unbeherrschte Reaktionen handelt, oder ob dieses Verhalten dara
hinweist, daß diesem Ehegatten in Wahrheit an dem anderen Ehegatten nichts mehr liegt* In diesem Zusammenhang kann oim Rolle spielen, ob der Kläger häufig und bei bedeutungslosen Anlässen beschimpft wurde* Zur Prüfung der für das Bestehen
einer Bindung bedeutsamen Umstände gehört ferner
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der langjährigen räumlichen Trennung richtig einzuschätscn
Es entspricht der Lebenserfahrung, daß dann
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der
gemeinsamen Lebensgestaltung nur in der Erinnerung fort
lebt und auch die briefliche Verbindung allmählich einach32^h
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sich das Gefühl für die Zusammengehörigkeit im Laufe der
abschwächen kann
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4o Nach 'alledem bedarf ea keiner Entscheidung über die Verfahrensrüge der Revision* Schon die erörterten sachlich -rechtlichen Bedenken gegen die Begründung des angefochtenen Urteils nötigen zur Aufhebung des Urteils, damit d£s Berufungsgericht in die Lage versetzt wird, den Streitstoff unter den dargelegten rechtlichen Gesichtspunkten erneut
zu prüfen*
Ascher
Raske
Wüstenberg
MaaB
Wilden