Verkündet am 14» Dezember I960
Sehorm, Justizangestellter
als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle
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Hamen
des
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In dem Entschädigungsrechtsstreit
des Dan
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Prozeßbevollmächtigter:
Klägers und Revisionsklägers
Rechtsanwalt
in
gegen
den Freistaat Bayern,
vertreten durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen in München,
Beklagten und Revisionsbeklagten
hat der IV» Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 7* Dezember I960 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Dr. v» Werner Maaß, V/ilden und Dr. Loewenhei
für Recht erkannt:
Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des
*
9o Zivilsenats (Entschädigungssenats) des Oberlandes-
*
*
gerichts München vom 16. Dezember 1959 aufgehoben.
Der Rechtsstreit wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die außergerichtlichen Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.
Gerichtsgebühren und Auslagen für die Revisionsinstanz
werden nicht erhoben.
*
Von Rechts wegen
2
Tatbestand:
aus
Der im Jahre 1915 geborene Kläger ist Jude. Er stammt
und lebte bis zu dem Abschluß seiner kaufmännischen
Lehre im Jahre 1935 bei seinen Eltern, die in
ein
Textilgeschäft betrieben. Nach dem Ende der Lehrzeit sie
delte er nach
über. Dort arbeitete er bis zu
seiner Auswanderung im Juni 1937 in einer Gärtnerei, um sich, wie er angibt, auf die landwirtschaftliche Arbeit
im Auswanderungslande, dem damaligen Mandatsgebiet Palä
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stina, vorzubereiten.
Er fordert Kapitalentschädigung für Schaden im beruf-
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liehen Fortkommen. Er hat behauptet, daß er bis keine ausreichende Daseinsgrundlage gefunden habe.
Die Ehtschaaigungsbehörde und die Entschädigungsge-
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richte haben den Anspruch abgelehnt, weil die Entschädigungsbehörden des beklagten Landes nicht zuständig und
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daher der Freistaat Bayern nicht zur Entschädigung verpflichtet sei.
Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision
verfolgt der Kläger seinen Anspruch weiter. Das beklagte
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Land hat sich im Revisionsverfahren nicht vertreten lassen.
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Die Revision des Klägers ist begründet, weil das Berufungsgericht die Passivlegitimation des beklagten Landes
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zu Unrecht verneint hat.
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1, Nach § 188 BEG richtet sich der Anspruch auf Entschädigung gegen das Land, dessen Entschädigungsbehörden nach
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185 BEG örtlich zuständig sind* Ist der Verfolgte, wie es hier der Fall ist, vor dem 31* Dezember 1952 ausgewan
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so
sind
die Entschädigungsbehörden des Landes zu
*
ständig, in dem der Verfolgte vor seiner Auswanderung seinen letzten Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt gehabt
hat
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185 Abs* 2 Hr. 3a
*
Verfolgten vor seiner
Da der dauernde Aufenthalt
nach Abs» 6 der
so
erwähnten Vorschrift nur dann die örtliche Zuständigkeit
*
bestimmt, wenn es an einem Wohnsitz
* *
mußten die Entschädigungsorgane
* *
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*
*
seiner Auswanderung seinen Wohnsitz
rhaupt fehlt,
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wo der Kläger vor
hat
* *
Das Berufungsgericht hat
mit der Übersiedlung von
*
seinen Wohnsitz dorthin
nach
der Kläger
auch
verlegt hatte* Es hat dazu aus
*
geführt, der Vater des damals 20-jährigen Klägers habe
*
dieser Wohnsitzverlegung zugestimmt * Hieraus hat das
Berufungsgericht gef
passivlegitimiert
7
daß der Freistaat Bayern nicht
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Die Erwägungen
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it denen das Berufungsgericht seine
Ansicht begründet hat,
nach St
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Rechteirrtümer
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Übersiedlung des Klägers
zu
sei, weisen
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der
sitz in
Wohnsitz aufhob
bis
seinen Wohnsitz in
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nur
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nach
11 a F.
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wenn er
er einen
nicht mehr als räumlichen
Zusehen
it er
seines
*
daß er sich in
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an
niederließ, und zwar mit dem Willen, jetzt diesen
Ort zu dem Schwerpunkt seiner
zu machen
*
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Mit Recht hat das Berufungsgericht ausgeführt, daß
dieser rechtsgeschäftliche Wille zur Aufgabe des bisherigen Lebensmittelpunktes und zur Begründung eines neuen aus den Umständen geschlossen werden kann. Die Lebensver hältnisse sind dabei so zu würdigen, wie dies nach der
damaligen, besonderen Lage der Verfolgten geboten ist.
angewandt
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werden, wenn die in der Präambel dem Bundesentschädigungs
Das Entschädigungsreeht kann nur dann
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gesetz vorangesteilte
historischer Vorgänge
• ■
auch bei der Bewertung der im Einzelfall bedeutsamen
■
inneren und äußeren Tatsachen zur Geltung gelangt. Diesem
■
sachlich- und verfahrensrechtlich bedeutsamen Grundsatz
wird das angefochtene Urteil nicht gerecht. Bei einem
*
20-jährigen Verfolgten, der nach dem
der kaufmänni
■
sehen Ausbildung das Elternhaus verließ, einen anderen
Beruf ergriff und zwei Jahre in einem Gärtnereibetriebe
arbeitete und schließlich auswanderte
9
die Tatsache
des
Ortswechsels
nicht, um daraus einigermaßen sichere Schlüsse auf den Willen zu dem Wohnsitzwechsel zu ziehen.
wenn
aas
Berufungsgericht seinen Angaben, daß er die
Arbeiten in der Gärtnerei überhaupt nur zur Vorbereitung
seiner Auswanderung
schenkte, so
habe, keinen Glauben
*
es hier nur allein die Tatsache wür
digeri, daß der
*
verzog und dort bis
zu seiner Auswanderung, etwa 2
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wohnte. Bei der
ungewissen, nicht übersehbaren
■ *
liehen Lage eines minder
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*
*
und Wirtschaft
fehlt es dann
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gänzlich an bisherigen Wohnsitz in
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daß er den
aufgeben und
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einen neuen vronnsitz
wollte. Anders
könnte
sein, wenn ein
nach vollendeter
Ausbildung in eine fremde Stadt verzieht, um eine seiner
Ausbildung und seinen Lebensverhältnissen entsprechende
Stellung anzutreten;
nicht zu
Betrachtungsweise paßt aber den Bedingungen, unter denen der Kläger damals
nach
verzog
Unter diesen Umständen konnte das
Berufungsgericht nicht annehmen, daß er mit dem Ortswechsel
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einen V.ohnsitzwechsel vornehmen wollte*
Bei dieser Sachlage ist
darüber, ob und welche
Raum für Erwägungen
auf
imung des
gese
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chen Vertreters zu einem Wohnsitzwechsel schließen
lassen* Es ist auch nicht zu
später, nach
dem
daß
Eintritt der
Kläger
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10 Monate
vor der Auswanderung,
zu dem Schwerpunkt seines
Lebens machen wollte* Da er sich damals schon in
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aufhielt, müßte ein entsprechender Wille erkennbar sein
Hieran
fehlt es, so daß es insgesamt an Tatsachen fehlt
die auf die Begründung eines Wohnsitzes in St
schließen lassen* Daraus
daß der
trotz der
Übersiedlung nach
seinen bisherigen ‘Wohnsitz
beibehielt *
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Die angefochtene Entscheidung kann daher nicht be
stehen bleiben* Das Urteil muß vielmehr aufgehoben und die Sache an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden* das dadurch Gelegenheit erhält zu
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Voraussetzungen für eine
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beruflichen Bortkommen voi
ob die sonstigen
,g wegen
Schadens im
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Die
Koa’
tenentScheidung beruht auf § 225 Abs»
Ascher v. Werner MaalB Wilden Dr.loewenheim
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