BGH · IV ZR 192/64 vom 23.06.1965
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stellers hin zu einem Zeitpunkt erlassen worden ist, in dem die Frist zur Erhebung der Klage gegen den Erstbescheid bereits abgclaufon \rar, kann mit der Klage angefochten werfen, v/enn die EntochÜdigungabchörde innerhalb dieser Prist dem eine Klage androhenden Antragsteller zugosagt hat, erneut die Ermittlungen aufzunohmen und nach deren Abschluß nochmals eine Entscheidung überden Anspruch zu treffen. Der Rechtsstreit wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die außergerichtlichen Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen. Der Bevollmächtigte des Klägers hat mit einem am 7- April 1962 bei der Entschädigungsbehörde eingegangenen Schriftsatz Gegenvorstellungen gegen die Ablehnung der Ansprüche wegen Verluste des good will erhoben und mit Rücksicht auf die beabsichtigte Klage um Mitteilung binnen zv/ei Wochen gebeten. April 1962 mit, sie habe aufgrund seiner Gegenvorstellungen den Bescheid vom 12, Januar 1962 überprüft und sei nach der nunmehr vorgelegten Erklärung des Kaufmanns Rudolf bereit, erneut die Ermittlungen über einen möglicherweise entstandenen good v/ill-Schaden aufzunehmen und nach deren Abschluß nochmals eine Entscheidung über den Anspruch zu treffen. Hit Bescheid vom 17- März 196~ hat die Entsehädigungsbehörde festgestellt: "Dem Antragsteller stehen ererbte Ansprüche auf Entschädigung für Schaden durch Verlust des good will nicht zu". Nach der Rechtsprechung des Senats (Rzlt 1961, 185 Nr. 33; 1965, 139 Nr. 37) kann ein Verfolgter, der den Entschädigungsbescheid nicht mit einer Klage angefochten, sondern nur Gegenvorstellungen gegen diesen Bescheid bei der Entschädigungsbehörde erhoben hat, den über seine Gegenvorstellungen ergehenden Bescheid nicht im Verfahren vor den Entschädigungsgerichten anfechten?1 Etwas anderes gilt jedoch, wenn die EntschädigungsbohÖrdc einen Bescheid innerhalb der Klagefrist auf eine Gegenvorstellung des Antragstellers insoweit, als dessen Ansprüche abgelehnt worden sind, ganz aufhebt und durch einen anderen ersetzt. In diesen Palle kann der aufgehobene Bescheid nicht mehr die Voraussetzung für eine Klage nach § 21o BEG bilden. Der Senat hat zwar ln der vorerwähnten Entscheidung RzYv 1963, 237 lir» 33 düs Er öffnung einer neuen Klagefrist nur für den Pall bejaht, daß ein Bescheid noch innerhalb der Klagefrist ganz aufgehoben und durch einen neuen Bescheid ersetzt worden ist. Die Rechtslage kann aber' nicht anders beurteilt -werden, wenn die Entcchädigungsbehörde noch innerhalb der Klagefrist dem Verfolgten zu erkennen gibt, daß sie einen ablehnenden Bescheid beseitigt, ihn also zurücknimrat und dur^l einen neuen Bescheid ersetzen wird. Der Bevollmächtigte des Klägers bat unter Hinweis auf die von ihm beabsichtigte Klage ausdrücklich Gegenvorstellungen gegen den Anspruch auf Entschädigung für good v/111-Schaden ablehnenden Bescheid erhoben und gebeten, ihm in etwa zwei Wochen Bescheid zu geben» Er konnte das Antwortschreiben der Entschädigungsbehörae vofr 13, April 1962 nur dahin verstehen, daß diese Behörde nicht mehr zu ihrem ablehnenden Bescheid vom 12, Januar 1962 stehe, diesen also zurücknehrae» Denn anderenfalls wäre für die in diesem Schreib» angekündlgte neue Entscheidung kein Raum gewesen» IJit diesem Schrei ben, das als behördliche Willenskundgebung der freien Auslegung durch das Revisionsgericht zugänglich ist iRGZ lo2, 1, 3; 161, 3o8’ 3 7 7} 5 hat somit die Entschädigungsbehörde nicht, wie das Berufungs gericht meint, die Rücknahme des ablehnenden Bescheides nur in Aussicht gestellt, sondern diese bereits ausgesprochen. Die Frage, ob im Entschädigungsrecht die im Verv/altungsrocht entwickelten allgemeinen Grundsätze über die Rücknahme von belastenden Vcrwaltungsaktcn Anwendung finden, bedarf hier keiner abschließenden Erörterung- Denn die Entscnädigungsb-hörde hat hier, gleichgültig, ob das von ihr beobachtete Verfahren als zulässig anzusehen ist oder nicht, durch die Zusage, eine neue Entscheidung über den Anspruch zu treffen, den Kläger davon abgehalten, die gegen den ersten Bescheid beabsichtigte Klage zu erheben, und einer solchen Klage den Boden entzogen. Sie hat zudem selbst den zweiten Bescheid nicht lediglich als eine Bestätigung des ersten Bescheides, sondern als einen neuen selbständigen Bescheid angesehen und ihn folglich auch mit einer Rechtsmittelbelehrung ve -sehen. Ein Zweitbescheid, der auf Gegenvorstellungen des Antragstellers hin zu einem Zeitpunkt erlassen worden ist, in dem die Prist zur Erhebung der Klage gegen den Erstbe-scheid bereits abgelaufen war, kann somit mit der Klage angcfochten werden, wenn die Enüschädigungsbehörde innerhalb dieser Prist dem eine Klage androhenden Antragsteller zugesagt hat, erneut die Ermittlungen aufzuheben und nach deren Abschlui'3 nochmals eine Entscheidung über den Anspruch zu treffen.