BGH · IV ZR 187/54 vom 15.11.1954
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtssatz; Gegen Entscheidungen, die vor Inkrafttreten des BEG von einer Stelle oder einem Gericht erlassen sind, denen nach dem BEG eine Entscheidungsbefugnis nicht zusteht, ist, falls nach den bisher geltenden Vorschriften ein Rechtsmittel noch eingelegt werden kann, die Klage an das Landgericht gemäß § 99 BEG gegeben« - Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr hat der IV» Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 15; November 1954 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Schmidt, der Bundesrichter Dr- Kregel, Dr.v,Werner, Scheffler und Wüstenberg für Recht erkannt: Die Berufung des Beklagten gegen das Urteil des Wiedergutmachungsausschusses bei dem Amtsgericht in Kaiserslautern vom 17, Gegen die Ablehnung hat der Kläger fristgerecht beim Wiedergutmachungsausschuß des Amtsgerichts Klage erhoben. J- ke Fußn 24 zu § 559 ZPO) ausgesprochen hat, muß die Zulässi keit der Berufung als Prozeßvoraussetzung auch vom Revision’ gericht und zwar unabhängig von etwaigen Rügen der Parteien von Amts wegen geprüft werden« Biese Prüfung ergibt aber, d die Berufung, die der Beklagte beim Oberlandesgericht gegen das Urteil des Wiedergutmachungsausschusses eingelegt hat, zulässig war» In dem hier zur Entscheidung stehenden Pall lag beim I krafttreten des BEG am 1« Oktober 1953 eine Entscheidung vor gegen die auf Grund der bis dahin im Lande Rheinland-Pfalz geltenden Rechtsvorschriften eine Berufung an die Wiedergutmachungskammer des Landgerichts gegeben war» Gemäß § 108 Abs Satz 2 BEG ist an die Stelle dieses Rechtsmittels dasjenige Rechtsmittel getreten, das gegen eine entsprechende Entscheidung nach den Vorschriften des BEG gegeben ist« Was unter en sprechender Entscheidung zu verstehen ist, hat der erkennend Senat in seiner Entscheidung vom 24« Mai 1954, abgedruckt in richts die Berufung an das Oberlandesgericht gegeben« Nun gi es nach einzelnen Landesrechten aber Entscheidungen von Stelij die im BEG dafür nicht vorgesehen sind, wie die der Amtsgeri oder der Verwaltungsgerichte» Für Verfahren, die vor diesen Gerichten schweben, ordnet nun § 108 Abs 1 Buchst« b BEG an,-daß diese Gerichte die Verfahren an das nach dem BEG zuständJ Gericht erster Instanz, also an das Landgericht abzugeben ha Auf Grund dieser Bestimmung müssen sämtliche am' 1« Oktober 1 Oktober 1953 in einer unteren Instanz abgeschlossen, aber noch nicht in die höhere Instanz gelangt waren, anders zu behandeln und derartige Verfahren bereits als Berufungs- oder Revisionsverfahren auf die Entschädigungsge-richte des BEG überzuleiten* Hinzu kommt, daß § 108 Abs 2 BEG nicht nur Rechtsmittel gegen gerichtliche Entscheidungen, sondern Rechtsmittel gegen Entscheidungen jeglicher Art, wie insbesondere gegen die Bescheide der Entschädigungsbehörde regelt (vgl § 94 Abs 1 f BEG). Infolgedessen muß bei einer-sinnvollen Auslegung des § 108 Abs 2 BEG als das Rechtsmittel, das gegen die Entscheidung einer Stelle oder eines Gerichts zulässig ist, denen nach dem BEG eine Entscheidungsbefugnis nicht zusteht, dasjenige angesehen werden, das gegen die Entscheidungen von Entschädigungsbehörden vorgesehen ist, nämlich die Anrufung des Landgerichts gemäß § 99 BEG* Auf diese Weise wird erreicht, daß sämtliche Verfahren, die am 1. Die von dem Beklagten beim Oberlandesgericht eingelegte Berufung war daher unzulässig und dies unter Aufhebung der angefochtenen Entscheidung auszusprechen.