IV_ZR_186/60
Verkündet am 14« Dezember I960
Schorm, Justizangestellter als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle
Im Namen des Volkes
% a* In dem Hechtsstreit
- Prozeßbevollmächtigter:
Klägers und HeVisionsklägers,
Hechtsanwalt Prof*
in
gegen
1
den Bezirksschornsteinfegermeister Ernst
West
Allee
9
seine Ehefrau Erika
9
ebenda
9
Beklagten und Reviaionsbeklagteri
Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr
an
hat der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die uiünd liehe Verhandlung vom 7. Dezember I960 unter Mitwix'kung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter
Dr. v. V/erner
9
Maaß
9
Wilden und Dr* Loewenheim
für Hecht erkannt:
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des
9. Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin
vom 3o Mai I960 wird kostenpflichtig zurück-gev/ies en*
Von Hechts wegen
2
*
Tatbestand:
Von der Beklagten zu
f
die mit dem Kläger bis zu dem
15.
Juli 1950 verheiratet war und dann den Beklagten zu 1
geheiratet hat, ist am
946 eine Tochter geboren
wordeno Ihr Erzeuger ist der Kläger nicht, er befand aicn
während der Empfängniszeit in Kriegsgefangenschaft
Die
Ehelichkeit dieses Kindes ist vom Kläger nicht angefoch
te
orden, trotzdem nach seiner Rückkehr aus der Kriegs
gefangenschaft auf Grund einer von ihm an das Vormund
schaftsgericht im April 1947
* ✓ ,*
iersten Eingabe ein
sger für das Kind zur Vertretung im Anfechtungsprozeß
bestellt worden war. Als Grund hierfür hat der
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J.lb
*»
m einer Eingabe an das Vormundschaftsgericht angegeben
9
er wolle die Nachteile vermeiden» die dem Kind später e
V»
wachsen würden, wenn es
unehelich erklärt würde
Aulfassung hat der
später auf
und im Jahre
1957 den
9
htungsklage
zu erheben. Zu einer Durchführung dieser Klage ist
a
s
jedoch nicht gekommen. Infolge einer Invention des Jugend
amts wurde sie
der
das
aus einem Ehe
bruch der Beklagten zu
mit
zu
9
die
♦ *
Beklagte zu
aber habe ihm bewußt wahrheitswidrig
»♦ ■
• *
vorgespiegelt, das Kind stamme aus einer Vergewaltigung
durch russische Soldaten
»
und
zu
habe
ihn dadurch und
ihre
nicht
eingehaltene
9
It
it ihm fortführen zu
+
wollen, veranlaßt, die Anfechtungsfrist verstreichen zu
lassen, verlangt er von o
j*
Beklagten als Gesamtschuldnern
QIC
*7
ahlung eines Beti
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200 DM, in welcher Höhe
er Unterhalt an das Kind geleistet haben will
*
♦
*
Die Vorinstanzen haben? ohne Feststellungen über diese Behauptungen des Klägers zu treffen, seine Klage
auf Grund des § ? 593 BGB abgewiesen*
+
*
Mit der Revision verfolgt der Kläger sein Begehren
weiter*
Die Beklagten bitten, die Revision zurückzuweisen•
*
*
Die Revision ist nicht begründet
Die Rechtsauffassung der Vorinstanzen, daß der Klage
des Ehemannes auf Ersatz von Unterhaltsleistungen an ein
• ■
Kind seiner Ehefrau, dessen Unehelichkeit nicht rechts
1593 BGB
äftig im Statusverfahren festgestellt ist
entgegen steht, befindet sich mit der Rechtsprechung
des erkennenden Senats, wie sie insbesondere in der
Entscheidung BGHZ 14, 358 ff zu dem Ausdruck gekommen
st
0
*
in vollem Einklang, mag die Klage gegen die Ehefrau oder
+
den angeblichen Erzeuger gerichtet sein* Die Gründe, aus denen der Senat der gegenteiligen Rechtsprechung des
4
Reichsgerichts nicht hat folgen können, insbesondere der
+
*
+
von der Revision angeführten Entscheidung WarnRspr 35
Kr
184
+
sind dort bereits eingehend dargelegt
Die Revision meint allerdings, der Kläger verlange
*
♦
nicht Schadensersatz wegen eines Ehebruchs der Beklagten zu 2o) mit dem Beklagten zu 1*), und von ihm werde auch nicht die Unehelichkeit des Kindes geltend gemacht, vielmehr werde der Anspruch nur darauf gestützt, daß die Beklagten ihn arglistig von der rechtzeitigen Erhebung
einer Anfechtungsklage abgehalten hätten*
*
Die Revision übersieht jedoch, daß für die Begrün düng der erhobenen Schadensersatzklage niemals die Be
auptung allein ausreichen könnte, durch eine unerlaubte
*
Handlung der beklagten Partei an der rechtzeitigen Er
* *
hebung der Anfechtungsklage gehindert worden zu sein*
* *
Erforderlich ist hierzu noch die weitere, ira vorliegenden Pall vom Kläger auch aufgestellte Behauptung, daß der Beklagte zu 1•) Erzeuger des Kindes sei und bei recht
zeitiger Erhebung
Anfechtungsklage die Unehelichkeit
des Kindes festgestellt worden wäre, Grundlage der Klage
*
+
ist somit auch die auf einem Ehebruch der Beklagten
beruhende uneheliche Absta
li
des Kindes. Aus einer
solchen Unehelichkeit will somit der
♦ .
*
sich herleiten (vgl. auch den
Rechte für
der Revision auf
7o9 BGB und
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24
1
ff)
Damit unterscheidet sich
der hier vorliegende Pall rechtlich nicht von dem in
+
BGHZ 14> 358 ff entschiedenen Pall, in dem auch ein Mann von dem Erzeuger Schadensersatz für Unterhaltsbeträge
verlangte, die an Kinder geleistet wurden, die infolge
%
unterbliebener Anfechtung als ehelich zu gelten hatten
p
Die Gründe, die in diesem Palle den erkennenden Senat zu
einer Anwendung des in § 1593 BGB ausgesprochenen Verbots
e
nlaßt haben, müssen auch
Klage gelten, zu demal
eine
die hier vorliegende saufnahme unter Hinzu
iehung des jetzt 14 Jahre alten Kindes, wie sie auch die
Revision für
wäre, nachdem die
erachtet, nicht zu
■
die Behauptungen des Klägers
bestritten haben
*
einem Prozeß gegen den Rechtsanwalt, der in einem Anfech-
*
+
*
habe
9
*
1593 BGB nicht entgegenatehen könne, geht fehl
Denn in einem solchen Prozeß erfolgte die Geltendmachung der unehelichen Abstammung nicht zu dem Zweck, um daraus
Rechte herzuleiteno Die uneheliche Erzeugung des Kindes
+
wäre vielmehr nur mittelbar Gegenstand eines solchen
Rechtsstreits (vgl« auch die in der o
a
Entscheidung
Seite 361 behandelten Fälle der Geltendmachung der un
ehelichen Geburt in einem Ehescheidungsrechtsstreit oder
im Strafprozeß sowie LM Nr
zu
1593 BGB)
Die Anwendung des
1593 BGB in einem Pall der
♦
äuschung führt auch in der Regel nicht zu einem unbil
ligen Ergebnis* Denn nach § 1594 BGB beginnt die Frist für die Anfechtung der Ehelichkeit erst mit dem Zeitpunkt
9
in dem der Mann Kenntnis von den Umständen
langt
9
die
für die Unehelichkeit des Kindes sprechen, aine Täuschung
des Manne
(2
übe
*
diese Umstände
daher grundsätzlich
zur Folge, daß die Anfechtungsfrist erst dann beginnt
9
wem
Mann die Täuschung entdeckt (vgl* die letzte
o
a
Entscheidung)
Hinzu kommt in dem hier vorliegenden Fall, daß der
Kläger über die Abstammung des Kindes nicht getäuscht
+
worden ist. Ihm war diese bekannt, da er infolge seiner Kriegsgefangenschaft nicht der Erzeuger des Kindes sein
konnte. Die zu einer
der Ehelichkeit erforder
liehen
hat er auch durch seine Eingabe beim
V o rmund schaftsgericht
>
das hierzu zur Ver
tretung des Kindes in dem Anfechtungsprozeß einen Pfleger
bestellt hat
er dann in Kenntnis der Unehelichkeit
des Kindes die Anfechtungsfrist ungenutzt hat verstreichen
lassen und damit de
ll
unangreifbar die Stellung
eines ehelichen Kindes verschafft hat mit den in der
«*
o« a« Entscheidung auf Seite 362 dargelegten Rechtsfolgen, so muß er diese in vollem Umfang gegen sich gelten lassen und kann sich nicht, wie er dies mit der vorliegenden Klage tut, auf eine Erzeugung des Kindes durch den Beklagten zu Io) und seine Unehelichkeit berufen« Da er als Vater des Kindes gilt, ist er auch zur Gewährung des Unterhalts an dieses verpflichtet, ohne die mit der Klage
geltend gemachten Ersatzansprüche gegen die Mutter des Kindes oder den angeblichen Erzeuger zu haben*
*
Pa somit schon aus diesen Gründen die Klage abzu-
4
weisen ist, bedarf es keiner Entscheidung, ob die Klage,
*
soweit sie gegen die Beklagte zu 2*) gerichtet ist,
nicht auch aus den in der Entscheidung BGHZ 23» 215 ff
dargelegten Gründen unbegründet wäre*
*
Die Revision ist daher mit der Kostenfolge aus
4
§ 97 ZPO zurückzuweisen«
*
Ascher v* Werner Maaß Wilden Dr«loewenheim