BGH · IV ZR 181/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der IVo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 260 Mai 1965 unter Mitwirkung der Bundesrichter Baske, Wüstenberg, Wilden, Dr0 Locv/enheim und Dr0 Graf für Recht erkannt; Auf die Revision des Klagers wird das Urteil des 11o Zivilsenats des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 29» Januar 1964 aufgehoben und die Sache zur anderweiton Verhandlung und Entscheidung, auch über die außergerichtlichen Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiescn» Er sei im Jahre 1935 aiich bereits im Labor der ITiedcr-rheinischon Margarinewerke tätig gewesen» Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten habe man aber die Fortsetzung dieser technischen Ausbildung, weil er Jude war, nicht mehr zugelassen» Er habe infolgedessen nur eine kaufmännische Ausbildung erhalten» Diese sei nicht ausreichend gewesen, um Kirrmeister werden zu können, weil dazu in erster Linie technische Fähigkeiten und Erfahrungen erforderlich seien» Er sei infolgedessen von der Ausbildung eines Kirnmoistors ausgeschlossen worden» Der Kläger meine nun, daß der Kirnmeister ein Beruf in diesem Sinne sei0 Das sei jedoch nach den Ergebnis der Beweisaufnahme in Verbindung mit den eigenen Vorbringen des Klägers nicht der Pall» Vielmehr handele cs sich bei dem Kirnmeister um eine berufliche Stellung» Es gebe mithin nicht dio Ausbildung zu dem Beruf des Kirnneistcrs, von welcher der Kläger hätte ausgeschlossen werden künncn0 Möglich sei nur eine breite Ausbildung gewesen, die infolge entsprechender Vielseitigkeit geeignet gewesen sei, unter Umständen solche Fähigkeiten und Erfahrungen zu erwerben, daß man damit den Arbeitsplatz, die Stellung eines Angestellten habe erlangen können, die kraft langjähriger Übung in der Margarineindustrie mit dem Titel des “Kirn-meisters“ gekennzeichnet sei» Sowenig, wie eine solche Ausbildung dem Absolventen den angestrebten Arbeitsplatz sichere, sowenig könne er davon ausgeschlossen werden» IIo Die hiergegen gerichteten Ausführungen der Revision haben im Ergebnis Erfolge Hach der Rechtsprechung des Senats (Rz\7 I960, 402 Nr, 70) verstellt das BEG unter "Ausbildung" in Sinne des § 115 BEG diejenige vorbereitende Tätigkeit, die erforderlich ist, um dem Berechtigten die Ausübung eines Berufes zu ermöglichen, die ihm nach den Erfahrungen des Lebens eine ausreichende wirtschaftliche Existenz bietet„ Eine Ausbildung in diesen Sinne kann auch dann vorlicgen, wenn für sic ein im einzelnen geregelter Ausbildungsgang nicht vorgeschrieben isto Es mag sein, daß es, wie das Berufungsgericht feststellt, eine spezifische Ausbildung zu dem Beruf des Kirnmeisters, von welcher der Klager hätte ausgeschlossen werden können, nicht gibt» Möglich war aber, wie das Berufungsgericht ausführt, eine bereite Ausbildung, die infolge entsprechender Vielseitigkeit in technischer und kaufmännischer Hinsicht geeignet war, unter Unständen solche Fähigkeiten und Erfahrungen zu vermitteln, daß inan damit die Stellung eines Angestellten erwerben konnte, die kraft langjähriger Übung in der Margarincinduotric mit dem Titel des "Kirnmeisters" gekennzeichnet ist. Die weitere Ausübung dieser Tätigkeit und die damit verbundene Möglichkeit, sieh besondere technische Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen, ist ihn nach seinem Vorbringen% weil er Judo war, abgeschnitten wordene Wenn der Klüger dbeT* Kirnmeistor werden wollte, so bedurfte er zunächst einer solchen von ihm erstrebten Ausbildung zun Margarinetcchnificei* Mochte er auch mit den Abschluß dieser Ausbildung noch nicht die sichere Gewähr haben, demnächst zun Kirnmeister aufzusteigen, weil dafür nur besonders angelernte und erfahrene Kräfte in Betracht kamen, so war sic doch eine unerläßliche Bedingung für die Erlangung einer solchen Stellung o Auch wenn, wie das Berufungsgericht annimmt, der Y/eg zur Stellung als Kirnneister eine Y/eiterbildung dar-stcllte, mußte für die Bekleidung dieser Stellung eine solche Grundausbildung vorliegen„ Biese erstrebte der Kläger, und in dieser ist er nach seiner Darstellung ver-folgungsbedingt unterbrochen worden<> Sofern diese Darstellung zutrifft, käme für ihn eine Entschädigung nur dann nicht in Frage, wenn die von ihm erlangte kaufmännische Ausbildung der Stellung eines Kirnmeisters als gleichwertig zu erachten wäre (Urteil des Senats RzY/ 1959?