BGH · IV ZR 180/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Dieses weigere sich, Rechnung für die Zeit bis zur Währungsreform zu erstellen und überhaupt in die Rechnungslegung die Einkünfte aus der Gastwirtschaft ein-zubeziehen. daß der vormuhdschäftsgerichtlich genehmigte Auseinandersetzungsvertragvom Jahre 1926, der sich auf den ganzen Nachlaß einschließlich der Gastwirt-, schaft beziehe, für die Rechtsbeziehungen der Parteien über den Eintritt der .Volljährigkeit des Klägers hinaus bis zu dem 1« Februar 1955 fortgegolten habe $ denn erst damals habe die Verwaltung der Beklagten durch die Abmachungen der Parteien ihr Ende gefunden* Nach dem Aus-einandersetzungsvertrag vom Jahre 1926 hätten die Nutzungen des Grundstücks allein der Beklagten zugestanden, Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Klägers durch Teilurteil insoweit zurückgewiesen, als der Anspruch des Klägers auf Rechnungslegung vom Landgericht abgewiesen ist« Es ist der Auffassung, daß der Auseinandersetzungsvertrag mit dem Zeitpunkt der Währungsreform aufgehoben sei, so daß dem Kläger für die Folgezeit bis zur Verpachtung des Grundbesitzes am 1« Februar 1955 die Hälfte der Nutzungen zugestanden habe und ihm ein Anspruch für diese Zeit auf Rechnungslegung zustehe. Hie Beklagte habe jedoch für diese Zeit bereits ordnungsmäßig über die Einnahmen und Ausgaben des .Grundbesitzes Rechnung gelegt0 Über die Einkünfte aus der Gastwirtschaft brauche sie keine Rechnung zu legeiic Biese Einkünfte gehörten nicht zu den Nutzungen des Grundvermögens* Hie Beklagte habe die Gastwirtschaft selbständig für eigene Rechnung betrieben.- daß die Beklagte für die Zeit vom 1, Oktober 1926 bis zu dem 1* Pebruar 1955 Rechnung zu legen habe uhd daß sie dieser Verpflichtung auch für die Zeit nach der Währungsreform nicht nachgekommen sei* Hie Beklagte bittet, die Revision zurückzuweisen* T 1 *) Has Oberlandesgericht hat ebenso wie das Landgericht den Vertrag vom 22, September 1926 dahin ausgelegt« daß der Beklagten darin die Nutzung an dem gesamten (hälftigen) Anteil übertragen sei* der dem Kläger an dem Grundbesitz des Erblassers zugefallen war, also die Nutzung an der gesamten ideellen Hälfte dieses Grundstücks* Has Berufungsgericht hat nicht verkannt, daß nach dem strengen Wortlaut des Vertrages nur die Hälfte dieses Anteils der Beklagten zur Die tatsächliche Feststellung, daß es sich um eine falsche Bezeichnung in diesem Sinne gehandelt habe, ist vom Berufungsgericht ohne Verstoß gegen das Verfahrensrecht und ohne Verletzung von Denkge-setzen oder Erfahrungs Sätzen getroffen worden - Die Revision hat dazu lediglich geltend gemacht, das Berufungsgericht habe außer acht gelassen, daß es sich bei der in Ziff« 3 des Vertrages getroffenen Regelung über die Nutzung des dem Kläger bereits übertragenen GrtuÄ stücksanteils um eine über den Rahmen der Nachi&ßauseinandersetzüng hinausgehende Bestimmung gehandelt habe, während der Vertrag, wie in seinen Eingangsworten zu dem Ausdruck gekommen sei, nur die Auseinandersetzung hinsichtlich des übrigen Nachlasses habe regeln wollen,, Die Erwägung des Berufungsgerichts daß bei der von der Beklagten vertretenen Auslegung des Vertrages über die eine Hälfte des dem Kläger gehörenden Grundstücksanteils hinsichtlich der Nutzung nichts vorgesehen sei, sei deshalb nicht geeignet, die Richtigkeit dieser Auslegung in Frage zu stellen. Auch diese Rüge ist unbegründete Da der Kläger zu der Zeit, als der Vertrag abgeschlossen wurde, erst 5 Jahre alt war und die Beklagte als seine Mutter gemäß § 1697 BGB mit ihrer Wiederverheiratung das Recht und die Pflicht, für sein Vermögen zu sorgen, verloren hatoe., mußte eine Regelung darüber getroffen werden, von wem und in welcher Weise der gesamte Grund-eiücksanceil des Klägers in Zukunft zu verwalten sei« Es wäre also, wie das Berufungsgericht zutreffend dar- Auch dieser Auffassung kann nicht beigetreten werden«, Ob zwischen dem Y/ert der beiderseitigen Leistungen, die den Gegenstand des Vertrages bildeten, bei nachträglich rückschauender Betrachtung tatsächlich objektiv ein Mißverhältnis bestanden hat, kann dahinstehen«. Es war einerseits nicht zu übersehen, welchen nachhaltigen Ertrag die Beklagte während der Dauer des Vertrages - also voraussichtlich mindestens bis zur Volljährigkeit des Klägers - aus dem Grundstück würde Andererseits war völlig ungewiß, wie hoch sich die Kosten für die Unterhaltung und Ausbildung des Klägers bis zu seiner Volljährigkeit und möglicherweise darüber hinaus stellen würden„ Angesichts dieser Sachlage und des gesamten vom Berufungsgericht festgestellten Sachverhalts fehlt es an jeglichem tatsächlichem Anhalt für die Annahme, die Vertragsparteien seien beim Vertragsschluß darüber einig gewesen, daß der Kläger der Beklagten eine unentgeltliche oder teilweise unentgeltliche Leistung zukommen lasse» Nur unter dieser Voraussetzung aber könnte von einem Schenkungscharakter des Vertrages gesprochen werden» bis zu dem Zeitpunkt in Kraft bleiben sollte, von dem ah der Kläger endgültig für seinen Unterhalt selbst äuf-kommen konnte und aufkam, so daß die Leistungen der Beklagten entfielen, die das Entgelt für die ihr vom Kläger überlassene fortlaufende Nutzung seiner Grundstücks-hälfte darstellten. Da dieser Zeitpunkt sowohl vor als auch nach dem Eintritt der Volljährigkeit des Klägers eintreten konnte, hatte es einen guten Sinn, wenn dieses Ereignis in dem Vertrage nicht ohne weiteres als Endpunkt seiner Geltungsdauer festgelegt wurde. Es hat vielmehr für die Frage, wann der Vertrag von 1926 außer Kraft, getreten sei, entscheidend auf die hierauf bezüglichen Willensäußerungen der Parteien, insbesondere des Klägers abgestellt Weil die Parteien, insbesondere auch der Kläger, bis zürn Zeitpunkt der Währungsreform nicht zu erkennen gegeben hätten, daß sie das im Jahre 1926 zwischen ihnen begründete Vertragsverhältnis als beendet änsähen, habe es bis zu diesem Zeitpunkt fortbestanden. daß die Feststellung des Berufungsgerichts, der Kläger habe ständig zu dem Hausstand der Beklagten gehört, soweit es hier darauf ankoimnt, nicht, wie die Revision meint, deshalb unrichtig ist, weil der Kläger von 1937 bis 19.39 als Lehrling in Paderborn war» Für die Anwendbarkeit des § 1619 BGB würde es nur darauf ankommen, ob der Kläger nach dem Zeitpunkt seiner Volljährigkeit (14-'9 c 1942) ständig dem Hausstand der Beklagten ange-hör^fc hat. Ist somit die Annahme des Berufungsgerichts, daß die in dem Vertrag vom 22, September 1926 über das Verwältungs- und Nutzungsrecht der Beklagten getroffene Regelung bis zur Währungsreform in Kraft geblieben sei, aus RechtsgrUnden nicht zu beanstanden, so entfällt eine Pflicht der Beklagten, über die von ihr während dieses Zeitraums gezogenen Nutzungen, die ihr allein zustehen, mit dem Kläger abzurechnen« IIc Mit Recht wendet sich jedoch die Revision gegen die Feststellung des Berufungsgerichts; die Beklagte habe die ihr für die Zeit nach der Währungsreform anerkanntermaßen obliegende Verpflichtung zur Rechnungslegung bereits erfüllt» In der Aufstellung, die die Beklagte dem Kläger über die während dieser Zeit von ihr aus dem Grundstück gezogenen Einnahmen erteilt hat. sind keine Angaben über die aus dem Betrieb der Gastwirtschaft tatsächlich erzielten Einnahmen enthalten* Die Beklagte hat dafür nur einen Betrag von monatlich 450,— IM eingesetzt, der nach ihrer Meinung bei einer Verpachtung der Gastwirtschaft hätte erzielt werden köiinen® Das Berufungsgericht hat dazu (Bü S* 13) aus-geführt, daß die Einkünfte aus der Gastwirtschaft nicht zu den Nutzungen des Grundvermögens zu rechnen seien« Die Gastwirtschaft sei vielmehr von der Beklagten selbständig betrieben worden und nicht zugleich für Rechnung des Klägers* Die Beklagte sei daher nur verpflichtet, den Betrag als Grundstückseinnahmen einzusetzen, den ein Pächter der Gastwirtschaft hätte entrichten müssen* Was sie darüber hinaus aus der Gastwirtschaft erzielt habe, sei der Lohn ihrer Arbeit und Geschäftsführung und nicht als Nutzung des Grundstücks anzusehen« Falls der Kläger mit der Höhe der voii der Beklagten in Ansatz gebrachten Nutzungsent-• Schädigung nicht einverstanden sei, müsse er diesen Anspruch mit der Zahlungsklage verfolgen« seinem Staramwert nach, - etwa als Teil der beweglichen Habe - gegen eine entsprechende Abfindung des Klägers zu alleinigem Recht auf die Beklagte übertragen werden solle« Wohl hatte die Beklagte in diesem Vertrag den sonstigen beweglichen Nachlaß des Erblassers einschließlich des Inventars der Gastwirtschaft zu eigenem Recht übernommen« Sie hatte dem Kläger dafür jedoch nur eine Barabfindung von 1«000f— DM zu gewähren, die in 5 Jahresraten zu zahlen war (Ziff« 2 des Vertrages)« Baß die von ihr üoemomraene Verpflichtung* für die Kosten d es Unterhalts und der Ausbildung des Klägers aufzukommen«, nicht als „Entgalt für die Übernahme des Wirtschaftsbetriebes gedacht war«ist in Ziff« 4 des Vertrages ausgesprochen* wo es heißt, daß die Beklagte diese Kosten "ohne Anrechnung auf die Substanz des Vermögens11 zu tragen habe. Der Kläger trat dann in dem Vertrag von 1926 - und zwar auf i Zeit - den ihm zukommenden Anteil an diesen Nutzungen an die Beklagte ab, wogegen diese die Verpflichtung übernahm, den Kläger zu unterhalten, solange er auf ihren Unterhalt angewiesen war* In welcher Weise die Beklagte während dieser Zeit die Nutzung vornehmen würde, ob durch Verpachtung oder durch eigenen Betrieb der Gastwirtschaft, blieb ihr überlassen. Mit dem Außerkrafttreten dieser von vornherein zeitlich beschränkten Regelung trat der Kläger jedoch wieder in seine ursprüngliche Rechtsstellung ein, d* hf es standen ihm die Nutzungen aus dem Grundstück einschließlich der Gastwirtschaft wieder zur Hälfte zu» Wenn er trotzdem die Führung der Gastwirtschaft auch nach Beendigung des Vertragsverhältnisses weiterhin der Beklagten überließf ohne auf seinen ihm nunmehr wieder zustehenden Anteil an den Nutzungen zu verzieh-ten, so kann das nunmehr zwischen ihm und der Beklagten bestehende schuldrechtliche Verhältnis nicht als ein Pacht'- oder pachtähnliches Verhältnis aufgefaßt werden* Dazu hätte es der Vereinbarung eines Pachtzinses bedurft^ also mindestens der Vereinbarung, daß die Beklagte dem Kläger für die Nutzung seines Anteils eine - gegebenenfalls in ihrem Umfang noch näher zu bestimmende - regelmäßig wiederkehrende Leistung zu erbringen habe* Eine solche Vereinbarung ist aber weder ausdrücklich noch stillschweigend getroffen. Parteien in der Zeit nach der Währungsreform die gesetzlichen Vorschriften über die hinsichtlich des Grundstücks fraglos zwischen ihnen bestehende Gemeinschaft (§§ 741 ff BGB) maßgebend* Entsprechend diesen Bestimmungen wurde die Verwaltung des gemeinschaftlichen Gegenstandes, die an sich gemäß § 744 BGB beiden Parteien gemeinschaftlich zustand, wie es nach § 745 BGB zulässig ist, in der Weise geregelt, daß die Beklagte die Verwaltung des gesamten Grundstücks für Rechnung beider Teilhaber führte* Auf Grund dieser Vereinbarung* die, soweit sie sich auf die Verwaltung des dem Kläger gehörenden Grundstücksanteils bezog, eine Ge-schäftsbesorgung für ihn im Sinne des § 675 BGB zu dem Gegenstand hatte, war die Beklagte gemäß den §§ 666, 1926 die Gastwirtschaft nur für ihre eigene Hechnung weiterbeti’ieben hätte« ohne mit dem Kläger eine ausdrückliche oder stillschweigende Vereinbarung darüber getroffen zu haben, daß sie nunmehr seinen Anteil an dem Grundstück, und an der Gastwirtschaft für ihn mitverwaltete o In diesem Palle hätte sie nämlich ein Geschäft , das teilweise für sie eiü fremdes war, als ihr eigenes geführt, obwohl sie wußte, daß sie dazu nicht mehr berechtigt war, nachdem der Kläger, wie das Berufungsgericht feststellt, den Vertrag von 1926 gekündigt und einer weiteren Überlassung der Nutzung seines Eigentumsanteils an sie widersprochen hatte« haß sie gleichwohl weiterhin berechtigt gewesen sei« den Eigentumsante'il des Klägers im eigenen Interesse zu verwalten und zu nutzen, hat auch die Beklagte, wie das Berufungsgericht darlegt, nie geltend gemacht« Ihre Verpflichtung zur Rechnungslegung würde sich dann, aus § 687 Abs> 2 in Verbindung mit den §§ 681, 666 BGB . Diese Verpflichtung bezog sich; da der ideelle Anteil des Klägers nicht gesondert verwaltet wurde imd bei der von den Parteien gewählten Art der Verwaltung auch nicht gesondert verwaltet werden konnte, auf die Verwaltung des gesamten Grundstücks« Daß die Beklagte bei der Rechnungslegung auch eine ihr für ihre Verwaltungstätigkeit zustehende Vergütung sowie gegebenenfalls auch ihre Aufwendungen (§ 670 BGB) als Ausgabe mit in Anrechnung bringen konnte, berührt ihre Verpflichtung ebensowenig wie der Umstand, daß sie die Verwaltung in einer.der Beschaffenheit des gemeinschaftlichen Gegenstandes entsprechenden Weise dadurch führte, daß sie auf dem gemeinschaftlichen Grundstück im eigenen Hamen und auf Grund der ihr persönlich erteilten Konzession eine Gastwirtschaft betrieb. 208 ff /2’1§7) ausgesprochenen Auffassung, daß der aus einem Gewerbebetrieb gezogene Gewinn, soweit er als Nutzung oder Frucht dieses Betriebes angesehen werden könne, nicht als Frucht einer Sache anzusehen sei, vielmehr den Rechtsfrüchten im Sinne des § 99 Abs» 2 BGB am nächsten stehec Diese Auffassung besagt nichts darüber, wem auf Grund der besonderen Tatsachenund Rechtslage des jeweiligen Einzelfalles die Früchte eines Betriebes zustehen« Im vorliegenden Falle standen die Nutzungen der Gastwirtschaft, solange nicht durch den Vertrag von 1926 eine andere Regelung getroffen war, zur Hälfte dem Kläger zu und zwar zunächst auf Grund seines Ilites.-benrechts und später auf Grund des nach der Aus-einandersetzung über das Grundstück zwischen ihm und der Beklagten hinsichtlich dieses Grundstücks und der darauf betriebenen Gastwirtschaft bestehenden scihuldrechtliehen Verhältnisses einer Gemeinschaft nach Bruchteilen. Diese Ausgestaltung haben die Parteien für die Zeit nach dem Ablauf des Vertrages von 1926 nicht durch den Abschluß eines Pachtvertrages untereinander oder mit einem Dritten, sondern in der Weise vorgenommen, daß die Beklagte die Verwaltung des Grundstücks und der Gastwirtschaft allein führte. Soweit sie damit auch den Anteil des Klägers an dem Grundstück und der Gastwirtschaft mitverwaltete, besorgte sie, wie dargelegt, gleichzeitig ein Geschäft des Klägers und hatte demgemäß ihm gegenüber die sich daraus ergeben- Dieser Verpflichtung ist sie nicht schon dadurch nachgekommen, daß sie in die von ihr vorgelegte Rechnung einen fiktiven Pachtzins als Ertrag des Grundstücks oder der dem Kläger gehörenden Grundstückshälfte einsetzte. Der Anspruch des Klägers auf Rechnungslegung in dem dargelegten Sinne und Umfang ist also begründet und rechtfertigt eine entsprechende Verurteilung der Beklagten, Die Revision des Klägers betx’af nur seinen Anspruch auf Rechnungslegung, Mit. diesem hat er teilweise und zwar hinsichtlich eines.