BGH · IV ZR 179/64
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BEG § 10 Eine aus dem NSG-Fonds (Beschluß der Bundesregierung vom 15o7»1952 über die Errichtung eines 50-Millionen-fonds als Härtefonds für Nichtglaubensjuden) gewährte Beihilfe ist gemäß § 10 BEO auf Entschädigungsleistungen anzurechnen,, Er meldete bei der Entschädigungsbehörde in Hildeshoim Ansprüche nach dem Bundesentschädigungsgesetz an» Außerdem beantragte er beigem Regierungspräsidenten in Köln eine Beihilfe aus dem Härtefonds für rassisch Verfolgte nicht jüdischen Glaubens (HNG-Eonds) „ Dieser bewilligte dem Kläger mit dem Schreiben vom 19» März 1957 eine einmalige Exiotenzaufbauhilfo in Höhe von ^0 000,—> DM» Durch den Änderungsbescheid vom 20» Juli '’960 wurde die Rente ab ^» April ^.959 auf 630,— DM monatlich erhöht- Mit seinem Schreiben vom 7- August ^960 bat der Regierungspräsident in Köln die Entschädigungsbehörde in Hildesheim, die dem Kläger aus dem HNG-Fonds gewährte Beihilfe mit Leistungen nach dem BEG zu verrechnen und die Beträge an seine Regierungshauptkasse zu überweisen» Die Entschädigungsbehörde in Hannover hat durch den Änderungsbescheid vom 3^« Juli "'962 die Rente des Klägers auf Grund der 3o und 4» Verordnung zur Änderung der 3» DV-BEG rückwirkend erhöht und die sich hieraus ergebende Nachzahlung von 2 330,— DM auf die aus dem RNG-i'onds gewährte Beihilfe angerechnet„ Der Kläger hält die Anrechnung nicht für zulässig-Er hat demgemäß Klage mit dom Antrag erhoben, das beklagte Land zur Zahlung von 2 330,— DM Dio Revision des Klägers ist unbegründete Gegenstand dos Rechtsstreits ist allein die Entscheidung der Frage, ob die dem Kläger aus Mitteln dos von der Bundesregierung zugunsten rassisch Verfolgter nichtjüdischen Glaubens zur Verfügung gestellten Härtefonds gewährte Aufbauhilfe von 10 000,— DM auf die ihm nach den Vorschriften de3 BEG zugesprochenon Entschädigungsleistungen anzurechnen ist» Entgegen der Meinung des Klägers besteht kein Bedenken gegen die Anrechnungo Io Auf Grund der Verhandlungen mit dem Staate Israel verpflichtete sich die Bundesrepublik in dem mit Israel abgeschlossenen Wiedergutmachungsabkommen, an die Jewisch Claims Conference einen Betrag von 450 Millionen DM zu zahlen» Dieser Betrag ist nach dem diesem Abkommen beigefügten Protokoll Nr» 2 für die Unterstützung, Eingliederung und Ansiedelung jüdischer Opfer der nationalsozialiatischen Verfolgung außerhalb Israels nach der Dringlichkeit ihrer Bedürfnisse, wie sie von der Jewioch Claims Conference fest-gestellt wird, zu verwenden« Die Errichtung dieses Härte fonds zugunsten der rassisch verfolgten Glaubensjuden hatte zur Folge, daß ein entsprechender Härtefonds auch für diejenigen rassisch Verfolgten geschaffen werden mußte, die nicht der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehören und deshalb von der Jewioch Claims Conference und den dieser angeschloosenen jüdischen Organisationen nicht betreut werden» Dieser Härtefonds wurde durch Kabinettsbeschluß vom 15.7»1952 in der Weise errichtet, daß "weitere, von der Bundesrepublik zu verteilende 2o hie Frage, ob die aus dem HNG-Fonds gewährten Beträge auf Entschädigungsleistungen anzurechnen sind, ist weder im Kabinettsbeschluß vom 5 °7 °1952 noch in den Richtlinien vom 5o1»196^ ausdrücklich geregelt worden« Liese Frage ist daher auf Grund des § 10 BEG zu entscheiden, wie dies das Berufungsgericht im Anschluß an das Urteil des Kammergerichts in RzW ?961, 384 getan hat» hie in Abs» 1 dieser Vorschrift bestimmten Voraussetzungen der Anrechnung liegen vor., hie aus dem HNG-Fonds getätigten Zahlungen sind aus deutschen öffentlichen Mitteln gewährte Leistungen, die im Zuge der Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung bewirkt worden sind„ has ergibt sich zweifelsfrei aus der in Abschnitt I der Richtlinien aufgestelltcr Umschreibung des begünstigten Personenkreiscs und der in Abschnitt II enthaltenen Aufstellung der Leistungsvorauc Setzungen«, Leistungen können danach an Personen gewährt werden, die wegen ihrer jüdischen Abstammung im Sinne der Nürnberger Gesetze verfolgt oder als nahe Angehörige von der Verfolgung mitbetroffen worden.sind, ferner an Ehegatten eines .NLchtgl-aubensjuden,' die, nicht selbst jüdischer Abstammung im Sinne der Nürnberger Die Anrechnung der Leistungen ist auch nicht nach Absatz 2 des § 10 BEG deshalb ausgeschlossen, weil es sich um Fürsorgeleistungen handelt» FürSorgeleistungen sind nur solche Leistungen? Bei den 3 letztgenannten Leistungen kann ihr Pürsorgecharakter nicht ohne weiteres bejaht werden» Das gilt insbesondere bei der Beihilfe zu dem Existenzaufbau und zur Existenzsicherung, wie sie dem Kläger gewährt worden ist» Ein Darlehen soll nach der genannten Bestimmung nur in Ausnahmefällen, und zwar dann bewilligt werden, wenn die Beihilfe allein den Existenzaufbau oder die Existenzsicherung nicht ermöglicht» Mit dieser Regelung ist zur Präge der Anrechnung jedoch nichts gesagt» Während Darlehen auf Grund des Darlehensvertrages in jedem Palle zurückzuzahlen sind, gleichgültig, ob dem DarlehensSchuldner Entschädigungsleistungen nach dem BEG zustehen oder nicht, erhält der Bund die als Beihilfen geleisteten Zahlungen, für die eine Rückzahlungspflicht nicht besteht, nur zurück, wenn.der Zuwendungsempfänger Entschädigungsleistungen in genügender Höhe erhält» Eine Freistellung von dor Anrechnung kann auch nicht auf Grund des Abschnittes II Nr» 2c dor Richtlinien angenommen werden» Nach dieser Bestimmung kann, wenn der Antragsteller in absehbarer Zeit keine Möglichkeit hat, einen Vorschuß auf seine noch nicht festgesetzten Ansprüche nach dom BEG zu erhalten, eine Zuwendung aus dem HNG-Fonds gewährt werden» In diesem Palle ist jedoch Vorsorge zu treffen, daß die Zuwendung auf eine später zuzuerkennende Entschädigung nach dem BEG angerechnet wird» Diese besondere Bestimmung enthält jedoch nur eine an die Entschädigungsbehörde gerichtete Weisung» Keinesfalls liegt der Sinn der Regelung darin, daß eine unter den Voraussetzungen der Nr» 3 gewährte Zuwendung auf spätere Entschädigungsleistungen nicht anzu-rechnon ist, wenn die Entschädigungsbehörde entgegen der ihr erteilten Weisung nicht das Nötige getan hat, um die Anrechnung auf diese späteren Entschädigungs-leistungen sicherzustellen» Das BEG beruht auf dem Grundsatz, daß alle Verfolgten, die in gleicher Weise geschädigt worden sind, die gleiche Entschädigung erhalten sollen» Auf die Art und Weise der Schädigung kommt es nicht an» Es spielt daher insbesondere keine Rolle, ob der Verfolgte wegen seiner politischen Überzeugung oder aus Gründen der Rasse verfolgt und geschädigt worden ist» Hieraus folgt, daß niemand wegen ein-und desselben Schadens doppelt entschädigt werden soll» Dieser Grundsatz liegt auch der Regelung des § ?0 BEG zugrunde, wonach aus deutschen öffentlichen Mitteln gewährte Leistungen, die im Zuge der Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung bewirkt worden sind, auf die Entschädigung anzurechnen sind» erfolgt ist» Insbesondere kann ein Verstoß gegen Treu und Glauben nicht deshalb angenommen werden, weil zwischen dem Abschluß des Vergleichs und der Anrechnung auf die dem Kläger zuerkannten Entschädigungsansprüche ein Zeitraum von rund 5 Jahren liegt» Das kann auch nicht aus der in Ziff» 2 dos Vergleichs vom 25o6»1957 getroffenen Vereinbarung über die Anrechnung eines den Kläger gezahlten Vorschusses von 7 500,— Aus dieser Vereinbarung kann der Kläger nicht das Rocht herleiten., daß von der in § 10 BEG zwingend vorgeschriebenen Anrechnung aus dem NSG-Fonds abgesehen wird und er damit entgegen der gesetzlichen Regelung entschädigungsrechtliche Vorteile erhält, die den übrigen Verfolgten versagt sind» Die Anrechnungsvorschrift des § -i0 BEG dient nicht nur fiskalischen Interessen, sondern soll in erster Linie die gleichmäßige Behandlung der Verfolgten gewährleisten und damit einen der wichtigsten Grundsätze des Entschädigungsrechts verwirklichen» Der Kläger ist durch diese Anrechnung auch nicht zu Unrecht beschwert» Denn er erhält in vollem Umfang alle Leistungen, zu denen sich das beklagte Land im Vergleich verpflichtet hatte» Die Beihilfe aus dem NSG-Ponds wird nur auf die Leistungen angerechnet, die sich aus der Erhöhung der vergleichsweise festgesetzten Rente auf Grund des Änderungsbescheides vom 31»7»1962 ergibt» Erhält danach der Kläger alle ihm nach dem Vergleich zustehenden Entschädigungsleistungen ohne Einschränkung, so widerspricht es nicht dem Rechtsgefühl aller billig und gerecht Denkenden, wenn das beklagte Land die NSG-Beihilfe auf die dem Kläger nach der 3» und 4» Verordnung zur Änderung der 3» DV-BEG rückwirkend zustehenden Erhöhungen anrechnet» Aus den gleichen Gründen widerspricht es auch nicht Treu und Glauben, wenn der Kläger am Vergleich vom 25»6.*957