BGH · IV ZR 176/52
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
2) Der Vorstand eines eingetragenen Vereins kann im Regelfall nicht gegenüber Dritten mit \7irkung für den Verein die Verpflichtung eingehen, die Vereins Satzung in einer bestimmten Aeise zu ändern $ doch kann eine dahingehende von ihm eingegangene Verpflichtung von der Mitgliederversammlung oder dem sonst für Satzungsänderungen zuständigen Vereinsorgan genehmigt und damit für den Verein verbindlich werden* Der Kläger fühlt sich dadurch, dass der Beklagte den zuletzt von ihm angenommenen Hamen gebraucht, in seinen Interessen verletzt und hat den Antrag gestellt, den Beklagten zu verurteilen, die Rührung des Hamens «Verband der steuerberatenden Berufe? Roch im selben Jahre sei aber eine Trennung zwischen diesen beiden Berufsgruppen durchgeführt und deshalb der Kläger als Organisation der Steuerberater gegründet worden,' während dem Beklagten nunmehr hauptsächlich Buchsachverstän-dige und Helfer in Steuersachen angehörten« denen gegenüber die Zahl der in ihm verbliebenen Steuerberater, die nur die Stellung von ausserordentlichen Mitgliedern innehaben könnten, nicht ins Ge\7icht falle«, Der Harne des Beklagten erwecke jedoch bei dem interessierten Publikum, selbst bei Behörden und Interessenvertretern anderer Berufsgruppen« den Eindruck, als ob der beklagte Verein auch Steuerberater in erheblichem Umfang zu seinen Mitgliedern zähle, und als ob er eine Dachorganisation aller Berufsverbände für die auf dem Gebiet der Steuerberatung tätigen Berufsgruppen und diesen Verbänden übergeordnet sei* Er rufe ferner die Gefahr hervor, dass der Beklagte mit dem Kläger verwechselt werde* Ber Beklagte sei bei der Hemen-v;ahl auf Irreführung aus ge gangen. habe damals einen Kamen gewählt, der sich eng an denjenigen des Beklagten angelehnt habe, und könne sich deshalb nicht auf die von ihm selbst herbeigeführte Verwechslungsgefahr be- rufen* Verwechslungen seien im übrigen bei der Verschiedenheit der Hamen nicht zu befürchten* und Ton einer Irreführung der Öffentlichkeit durch den Beklagten könne keine Rede sein* Der von ihm gebrauchte ITame entspreche seinem Mitgliederkreis, der sich aus ingehörigen aller steuerberatenden Berufe zusammensetze * Eine Teilung der Berufsgruppen in verschiedene Vereine sei 1947 nicht vereinbart worden, und nur der vierte Teil der dem Beklagten angehö-rigen Steuerberater sei nach der Gründung des Klägers zu diesem übergetreten« Auch habe sich der Beklagte nicht gegenüber dem Kläger zu einer ITamensänderung verpflichtet* I* Bas Berufungsgericht hat die Revision gegen die von dem Kläger mit diesem Rechtsmittel angefcchtene Entscheidung nicht ausdrücklich zugelassen; diese ist also nur statthaft, wenn ein vermögensrechtlicher Anspruch Gegenstand des Rechtsstreits ist und der :.7ert des Beschwerdegegenstandes 60OOO*— BLI übersteigt (§ 546 Abs 1 ZPO)« Beide Voraussetzungen für die Zulässigkeit des Rechtsmittels sind gegeben« Y/enn auch .der Zweck des klagenden Vereins nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist (§21 BGB), so hat der Kläger es sich doch zur Aufgabe gemacht, die beruflichen Belange der ihm als Mitglieder angehörenden Steuerberater wahrzunehmen* wie aus dem beiderseitigen Parteivortrag und den - in diesem und er will mit der von ihm erstrebten Verurteilung des Beklagten der Gefahr der Verwechslung beider Vereine verbeugen und erreichen, dass der beklagte Verein nicht nach aussen hin als eine Uber dem Kläger stehende Spitzenorgaiiisation und als zur Vertretung der Interessen der Steuerberater legitimiert erscheine* Damit aber will er - zu demindest neben der Verfolgung anderer, nicht wirtschaftlicher Zwecke - die vermögensrechtlichen Interessen seiner Uitglieder wahrnehmen, die er für beeinträchtigt hält, wenn er mit dem Beklagten verwechselt wird oder wenn* in der Öffentlichkeit unrichtige Vorstellungen über das Verhältnis beider Parteien zueinander bestehen. IIo Die Revision rügt, das Berufungsgericht habe bei der Auslegung der von ihm unterstellten Vereinbarung, die im Jahre 1948 zwischen den Vorständen der Parteien über die von dem Beklagten durchzuführende ITamensänderung abgeschlossen worden sein soll, gegen die Vorschriften der §§ 133, 157 BGB verstossen, indem es angenommen habe, dass der Vorstand des Beklagten* gegenüber dem Kläger eine Verbindlichkeit für die Zukunft nicht habe eingehen wollen. 511 /5l4/)o In gleicher Y/eise muss die Vertretungsmacht des Vorstandes als beschränkt gelten* soweit der Verein gegenüber Britten verpflichtet werden soll, seine Satzung in einer bestimmten Ueise zu ändern* Jedenfalls muss das dann der Pall sein, wenn andere Vereinsorgane als der Vorstand für die Änderung zuständig sind (§33 Abs 1, § 40 BGB) und diese Organe sich mit der Eingehung der Verpflichtung nicht einverstanden erklärt haben und auch keine besonderen Umstände dafür vorliegen« dass der Britte ein solches Einverständnis annehmen durfte* Denn wer ein Interesse daran hat, eine derartige Vereinbarung mit einem Verein abzuschliessen* kann sich durch Einsichtnahme in das Vereinsregister darüber unterrichten, welche Vereinsorgane bei Satzungsänderungen mitzuwirken haben, und er muss sich darüber klar sein, dass der Vorstand diese Organe nicht, ohne von ihnen ausdrücklich dazu ermächtigt zu sein, verpflichten kann, die Satzung zu ändern* Ihnlich wie die Vertretungsmacht der Gesellschafter einer offenen Handelsgesellschaft da eine Grenze findet, wo die Grundlagen des Gesellschaftsverhältnisses in Präge stehen (RGZ 162, 370 Z^T47)> ist dem Handeln des Vorstandes hier aus dem Uesen der Sache heraus eine Schranke gesetzt, ohne dass diese Begrenzung der Vertretungsmacht der Eintragung in das Vereinsregister bedürfte (Soergel BGB 8* Aufl § 26, 4 a), Hier hat der Kläger jedoch vorgetragen und durch die Benennung der Zeugen Vf|^ und Sch^H^ unter Beweis gestellt, es sei zwischen den Vorständen der beiden Parteien vereinbart worden, dass der Beklagte seinen Namen so ändern solle, wie es auf Grund der Beschlüsse seiner Mitgliederversammlung vom 14« September 1948 geschehen sei« Darin kann, wie die Revision geltend gemacht hat, bei einer sinngemässen Auslegung zugleich die Behauptung liegen, dass die nach der Satzung für die Namengebung zuständige Uitglieder-versammlung des Beklagten die von den beiderseitigen Vereins Vorständen getroffene Vereinbarung als zu Recht beste-hend anerkannt habe« 7enn diese Behauptung richtig sein sollte, so könnte die Mitgliederversammlung die Vereinbarung dem Vorstand ihres Vereins gegenüber genehmigt habenj damit wäre das Abkommen in entsprechender Anwendung der den $§ 177 Abs lr 182 ;.bs 1 BGB zugrunde liegenden Rechtsgedanken für den Beklagten verbindlich« Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts besteht nach dem Parteivortrag des Klägers ferner die Möglichkeit, dass der Beklagte in der Vereinbarung verpflichtet wurde, auch in Zukunft keinen Namen anzunehmen, der als Bestandteil den Ausdruck "Steuerberater” oder ein ähnliches fort enthält oder durch den sonst die Interessen des Klägers verletzt werden, und dass der Beklagte durch die Annahme des zuletzt von ihm gewählten Namens dieser Verpflichtung zuwiderhandelte. Der mit der Klage geltend gemachte ITnterlassungsanspruch könnte dann aus schuldhafter Vertragsverletzung, die zu dem Schadensersatz und damit zur Ablegung des Namens verpflichten würde (§ 249 BGB)« oder als ein sich unmittelbar aus der Vereinbarung ergebendes vertragliches Recht begründet sein. HI« In. der neuen Verhandlung wird das Berufungsgericht, das zutreffend juristischen Personen den ITamenschutz des § 12 BGB zubilligt, such prüfen müssen, ob das Begehren des Klägers ausser nach § 12 Satz 2 BGB nach § 16 Abs 1 UnlUG begründet ist« Die von dem Reichs geriht bisweilen vertretene Auffassung, dass die letztgenannte Vorschrift auf eingetragene Vereine nicht anwendbar sei (RG .?arn 1950 Rr 46), ist in dieser Allgemeinheit nicht richtig« Denn auch ein eingetragener Verein kann mit seinen Mitgliedern oder Dritten in geschäftlichem Verkehr, der keine auf Erwerb gerichtete Tätigkeit voraussetzt, stehen« Ist das der Pall, wozu es konkreter Peststellungen bedarf, so besteht • keine Veranlassung, ihm gegenüber die Bestimmung des § 16 UnlWGf sofern im Übrigen deren Voraussetzungen gegeben sind, nicht anzuwenden-(so auch RG Varn 1950 ITr 87; RG £TuU 1952, 537)o Im wesentlichen deckt sich im Bereich des geschäft- Bor Kläger hatte geltend gemacht, dass das aussenstehende Publikum, selbst Behörden und Interessenvertretungen anderer Berufsgruppen, durch den von dem Beklagten gebrauchten Namen irregeführt würden. Uenn die Parteien auch nicht am wirtschaftlichen \7ettbewerb teilnehmenf so steht es ihnen doch frei, mit anderen Berufsgruppen oder Behörden oder auch den Personenkroisen, die die Steuerberatung in Anspruch nehmen, in Verbindung zu treten, und der Kläger kann deshalb ein berechtigtes Interesse daran haben, dass diese Kreise ihn nicht mit dem Beklagten verwechseln. allgemeinen Sprachgebrauch nach die Berufsbezeichnung für den Stand der Steuerberater bildet, und sein Name besagt dem ./ortsinn nach nichts weiter, als dass er eine Vereinigung von Steuerberatern darstellt. Pie Verwendung derartiger './orte zur lTamen-bildung kann der Kläger dem Beklagten, sofern nicht anderweitige Vereinbarungen zwischen ihnen getroffen worden sind, grundsätzlich nicht verbieten, auch wenn er selbst sie vorher in seinen Hamen aufgenommen hatte (RG Warn 1930 ITr 87 /ß IST/). geltend machen, wenn sein Harne im Verkehr Unterscheidungskraft gewonnen hätte und weitere Kreise in dem Namen des Beklagten einen Hinweis auf den Kläger erblicken würden (EG Y/arn aaOj EG JT 1931? 1921 $ vgl auch EGZ 1?2, 129 Dazu aber würde es eines Nachweises dafür bedürfen, dass der Name des Klägers durch dessen ständige Verwendung nach allgemeiner Verkehrsauffassung für ihn selbst gleichsam zu dem Begriff gewor • den war, wenn auch nur im örtlichen Bereich von Hamburg. Ist ein Unterlassungsanspruch nach § 12 EGB und § 16 UniY;G nicht gegeben, so kommt ein solcher auch nicht auf Grund von § 823 Abs 1 BGB in Betracht, da dann eine Verletzung des Namensrechts des Klägers, die zunächst die erstgenannten Ansprüche ausgolöst hätte, nicht vorliegt* Dagegen wäre in diesem Pall ein Anspruch nach § 826 BGB nicht von vornherein ausgeschlossen; denn eine vorsätzliche sittenwidrige Schadenszufügung durch den Gebrauch eines Namens, die gleichfalls einen Unterlassungsenspruch gewähren könnte, wäre auch dann denkbar, wenn das Namensrecht als solches nicht verletzt sein würde, wenn der Beklagte etwa aber curch die Annahme eines sachlich unzutreffenden Hamens die Öffentlichkeit bewusst zu dem Nachteil des Klägers in snst^ssiger Yfeise irreführen würde*