BGH · IV ZR 175/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Ein Verwandter der aufsteigenden Linie ist auch dann bedürftig im Sinne des § 17 Abs. 1 Ziff.5 BEG, wenn er seinen Unterhalt allein dadurch bestritten hat, daß er, durch die Not gezwungen, solche Arbeiten ausführte, die ihm mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand nicht zu demutbar waren« Januar 1949 bis 1„ November 1953 in Höhe von 19 049,20 DM, eine Reutennachzahlung für die Zeit nach dem 1„ November 1953 in Höhe von 24 957 DM und ab Io Juli 1959 eine monatliche Rente in Höhe von 438 DM zucrlcannt worden, nachdem ihm bereits am 7» August 1958 eine Abschlags Zahlung auf diesen Anspruch in Hohe von 6 000 DM bewilligt worden war, die ihm im September 1958 ausgezahlt wurde, Wegen Schadens an Freiheit hat der Kläger gemäß Bescheid des Regierungspräsidenten in Köln vom 7o November 1955 weitere 3 750 DM erhaltenv Der Kläger begehrt Entschädigung wegen Schadens an Loben nach seinen verstorbenen Kindern» Das beklagte Land hat seinen Antrag abgewiesen0 Der Kläger hat Klage erhoben, Er hat behauptet, er sei bedürftig gewesen und seine Kinder hätten ihn, wenn sie nicht getötet worden wären, ganz oder überwiegend unterhalten» Seine Bedürftigkeit sei erst mit der am 19» Juni 1959 erfolgten Auszahlung der Entschädigung wegen Gesundheitsschadens weggefallen» Im stehe daher die Elternrente nach seinem Sohn Isak, der nach der wirtschaftlichen und sozialen Stellung des Klägers in den gehobenen Dienst einzustufen sei, vom 0, 1951, dem Tage an dem leak sein 18» Lebensjahr vollendet hätte, bis zu dem 30» Juni 1959 su. Der Kläger hat beantragt, das beklagte Land zu verurteilen, an ihn an Renten-rückstäuden für die Seit vom 1, November 1952 bis 50» Juni 1959 11 301 DM zu zahlen, ferner für die Zeit vor dem 10 November1953 eine Kapitalentschädigung in Höhe, von 4 650 DM» Das Berufungsgericht meintp daß der Anspruch auf eine Elternrente nach § 17 Abs. 1 Nr«, 5 BEG dann entfalle, wenn der Elternteil die Unterhaltspflicht des verstorbenen Verfolgten, falls dieser noch leben würde, nicht hätte in Anspruch nehmen können, falls die zur Entschädigung führende eigene Verfolgung weggedacht werde«, Das treffe für den Kläger zu«, Wenn man bei ihm die verfolgungsbedingte Erwerbsminderung von 60 Vo Ho hinwegdenke, wäre er in der Lage gewesen, ausreichend für sich selbst zu sorgen-, und hätte seine Kinder nicht auf Unterhalt in Anspruch zu nehmen brauchen. Seine Bedürftigkeit sei daher allein auf die gegen ihn gerichtete Verfolgung zurückzUfUhren«, Hierfür werde er durch die Körperschadenrente entschädigte Diese Erwägungen rechtfertigen es nicht«, den Anspruch dos Klägers auf eine Elternrente zu verneinen«, § 17 Abs. 1 Nr. 5 gewährt den Eltern eine Entschädigung dafür, daß sie während einer bestimmten Zeit Not gelitten haben oder noch leiden werden, weil ein Abkömmling, der sie durch seine Unterstützung vor dieser Not bewahrt hätte, durch Verfolgungs mafinahmen getötetworden ist (vgl, das 'äffentlichte'..Urteil vom 26. teil nach anderen Bestimmungen des Bundesentschädigungs-gesetzeo Anspruch auf Entschädigung hat (vgl* das in RzW 1962p 545 veröffentlichte Urteil vom 4o Juli 1962 - IV ZR 71/62 - )* Die vom Berufungsgericht unterstellte Bedürftigkeit des Klägers hat ihren Grund darin, daß der Kläger infolge seines schlechten Gesundheitszustandes nicht mehr arbeitsfähig isto Dabei ist seine Brwerbsfähigkeit teilweise, nach den Feststellungen des Sachverständigen zu 60 durch solche Gesundheitsschäden gemindert, die auf nationalsozialistische Verfolgung zurückzuführen sind und für die der Kläger eine Gesundheitsschadenrente bezieht* Seine Bedürftigkeit wäre nur dann allein auf diesen ver-f olgungsbedingten- Gesundheitsschaden zurückzuführen, wenn dieser Schaden allein ihn außerstande gesetzt hätte, für seinen Unterhalt zu sorgen* Ob das sutrifft, kann nicht nach den allgemeinen Hegeln, die für das Sozialversiche-rungcrecht gelten, festgestelljb werden^ sondern es kommt auf die bestimmten Lebensverhältnisse des jeweils in Betracht kommenden Hinterbliebenen an* Es muß geprüft werden, wie weit er beiiLden für ihn gegebenen Verhältnissen für seinen Unterhalt noch selbst hatte sorgen können, wenn er nur die verfolgungsbedingten Gesundheitsschäden erlitten hätte* Dabei ist zu berücksichtigen, daß Personen, deren Erwerbsfähigkeit im allgemeinen Erwerbsleben, in erheblichem Grade gemindert ist, sehr oft dennoch in der Lage sind, ihre Arbeitskraft zu nutzen und sich selbst zu unterhalten* Hätte sich der Kläger selbst unterhalten können, wenn er nur die verfolgungsbedingten Gesundheitsschäden erlitten hätte, und ist er Jetzt arbeitsunfähig, weil- seine Gesundheit auch durch andere umstände beeinträchtigt ist, dann kann ihm die Elternrente nicht deswegen versagt werden, weil er für die verfolgungsbedingten Gesundheitsschäden einen Anspruch auf Entschädigung nach den §§ 28 ff BEG hat (vgl. hätte ihm nicht zugemutet werden können,, Selbst wenn der Kläger damit so viel verdient hätte, daß er wirtschaftlich keine Not gelitten hat, muß doch der Schaden berücksichtigt werden, den er damit seiner Gesundheit zugefügt hat* Deswegen ist es gerechtfertigt, ihm die Elternrente auch für die Zeit suzusprechen, in der er seinen Unterhalt allein dadurch bestritten hat, daß er eine Tätigkeit ausübte, die seiner Gesundheit nachteilig war. der 1, DV-BSG und das RsW 1961, 400 veröffentlichte Urteil ML des Senats, Dabei bleibt jedoch ein Einkommen nicht schon deswegen unberücksichtigt, weil die Tätigkeit, durch die es erzielt worden ist, dem Klager nach § 13 Abs, 4 der 1. DV-BEG nicht zuzu demuten gewesen wäre, Nach der Lebenserfahrung sorgen Eltern, solange sie gesund und arbeitsfähig sind, selbst für ihren Unterhalt, Sie nehmen ihre Kinder nicht schon deswegen in Anspruch, weil sie das 65» Lebensjahr überschritten haben. Für die Frage, ob der Kläger als bedürftig im Sinne dieser Bestimmung anzusehen ist und deswegen von seinem Sohn überwiegend unterhalten worden wäre, obwohl er für seinen Unterhalt durch seine Arbeit gesorgt hat, kommt es