BGH · IV ZR 175/52 vom 18.12.1952
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Io Das Berufungsgericht hat das Verlangen des Klägers auf Scheidung seiner Ehe für unbegründet angesehen, weil es die von der Beklagten behauptete Vergewaltigung durch einen Russen für erwiesen halt«, Daß aus einer Vergewaltigung eine Scheidung wegen Ehebruchs nicht verlangt v/er-den kann, ist rechtlich zutreffend, da die Anwendung des §42 EheG ein Verschulden voraussetzt (vgl OGHZ 1, 223 und die Entscheidung des erkennenden Senats vom 9. Die Revision rügt jedoch, dass 'die Feststellung einer Vergewaltigung auf verschiedenen Verfahrensmängeln beruhe» Sie hält im Gegensatz zu dem Berufungsgericht, das die Aussage der im Frozeß eidlich vernommenen Stiefmutter der Beklagten als klar und bestimmt und beweiskräftig bezeichnet hat, diese Aussage für unglaubwürdig und gegenüber den von der Beklagten gemachten Angaben für widerspruchsvoll» Die Revision ist der Ansicht, das Berufungs- gericht hätte prüfen und darüber sich auch äussern müssen, ob die Stiefmutter statt durch einen ersuchten Richter vor dem Berufungsgericht selbst (§ 355 ZPO) und unter Gegenüberstellung mit der Beklagten ( 394 ZPO) und ausserdem auch der Vater der Beklagten und der Amtsarzt in Marienberg, an den die Beklagte sich wegen einer Unterbrechung der Sqhwa.ngerschaft gewandt habe, von Amts wegen zu vernehmen jgewesen wären oder dem Kläger.zu demindest eine Bene^n^ngtdieser Per-sonen als Zeugen gemäß § 139 ZPO nahezulegen gewesen wäre. Einmal "liegt die Gegenüberstellung ebenso wie die nochmalige Vernehmung eines Zeugen (§ 398 Abs 1 ZPO) im freien, in der Revisionsinstanz nicht nachprüfbaren Ermessen des Gerichts und sodann kann diese Bestimmung im Verhältnis ztt den ProzeBparteien nicht engewendet werden, dk diesen nach § 357 ZPO das Recht auf Anwesenheit im Beweistermin zusteht, Auch eine Verletzung der Vorschrift des § 622 ZPO liegt nicht vor; denn eine Beweiserhebung von Amts wegen wäre nur in Präge gekommen, wenn, was hier nicht der Pall war, das Gericht einen Anlass zu der Annahme gehabt hätte, daß das Ergebnis seiner bisherigen Ermittlungen durch weitere Beweiserhebungen hätte geändert werden können« Die Rüge wegen Verletzung des § 139 ZPO scheitert schon daran, dass die Revision nicht angibtj was der Vater der Beklagten und der Amtsarzt hätten bekunden sollen« Schließlich ist auch die Rüge, der Kläger habe eine Menge weiterer Umstände angegeben, die im Widerspruch zu den Angaben der Beklagten ständen und die zwar'nicht für sich allein, aber im Zusammenhang mit dem gesamten Vorbringen der Beklagten hätten gewertet werden müssen, zu unbestimmt, ganz abgesehen davon, dass aus der Gesamtheit der Urteilsgründe sich eine ablehnende Würdigung auch dieses Vorbringens ergibt, sodass die Würdigung jeder Einzelheit von nicht einmal unmittelbarem Beweiswert sich erübrigte« Ile Eine Scheidung der Ehe auf Grund des § 48 EheG halt das Berufungsgericht gleichfalls nicht für begründet, Es nimmt an s dass'die häusliche Gemeinschaft der Parteien seit Uber 3 Jahren aufgehoben und die Ehe unheilbar zerrüttet sei, weil der Kläger’nach dem persönlichen Eindruck, den er in der mündlichen Verhandlung ge-' macht habe,' sich endgültig von der Beklagten lesgesagt habe*! Nachdbm er die Frist' zur Anfechtung der Ehelichkeit des von ihm nicht erzeugtem Kindes habe verstreichen lassen, hätte er sich nicht einseitig von der Beklagten lossagen dürfen«, Unter Berücksichtigung dieser Umstände sei daher ' där Widerspruch gegen die Scheidung zulässig und auch beachtlich, Ausserdem erfordere das Interesse der Kinder der Parteien eine Aafrechterhaltung der Ehe, JDie Revision wendet sich zunächst dagegen, daß das Berupingsgericht dem Kläger eine Schuld an der Zerrüttung Jche beigemessen und eine Prüfung unterlassen habe, ob nicht allein die Tatsache des Vorhandenseins des vom Kläger nicht erzeugten Kindesbeine Zerrüttung der Ehe *ohne Verschulden eines der Ehegatten Ücrbei^eführt- hätte und ob die Beklagte nicht von Äiifaög an verpflichtet gewesen wäre, diese Folge dadurch zu vermeiden, daß sie däs Kind in ein Heim tat. dass er sich über das Vorhandensein des von ihm nicht erzeugten Kindes habe hinwegsetzen wollen, wenn dieses Kind in ein Heim gegeben .würde, und es daher nicht ohne weiteres verständlich ist, aus welchem Grund dem Kläger eine Fortsetzung der Ehe nicht möglich sein sollte, nachdem die Beklagte ihr Einverständnis mit einer Weggabe des Kindes erteilt hatte. ,liehen Voraussetzungen zu Gunsten des Klägers als vorhanden ansieht, ist es rechtlich nicht zu beanstanden, daß das Berufungsgericht die Zerrüttung der Ehe dem Kläger zur Last legt, Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts hat sich der Kläger einseitig von der Beklagten tet ist, dieses Kind nicht, anders zu behandeln wie sei-ne' eigenen Kinder\ 12s kann daher dahingestellt bleiben, ob die Beklagte etwa- verpflichtet gewesen wäre, von sich aus das Kind ausserhalb der eigenen Eamilie unter-zubringen und erziehen zu lassen« Dem Kläger steht die Sorge für die Person des Kindes kraft elterlicher Gewalt zu. Zuzugeben ist der Revision,, daß die Ausführungen des Berufungsgerichts nicht ausreichen, um eine Beacht-lichkeit des von der Beklagten erhobenen Widerspruchs zu bejahen» Entsprechend der Bestimmung des § 48 Abs 2 Satz 2 EheG ist zwar auch das Verhalten des klagenden Ehegatten, der den Anlaß zur Zerrüttung gegeben h^tj.. Denn § 48 Abs 2 Satz 2 lässt gerade bei einer vom Kläger verschuldeten Zerrüttung eine Unbeachtlichkeit des Widerspruchs, zu, so dass trotz Verschuldens des klagenden Ehemanns und trotz Bereitschaft des beklagten Ehegatten die Fortsetzung der Ehe sittlich nicht gerechtfertigt sein.kann, nämlich dann, wenn si^. Auch die Ausführungen des Berufungsgerichts über die Anwendbarkeit des § 48 Abs 3 EheG sind nicht bedenkenfrei o Zwar ist es nicht, wie dies die Revision meint, entscheidend, daß der klagende Ehegatte sich endgültig von dem anderen Ehegatten losgesagt hat, da § 48 Abs 3 gerade in dem Palle zur Anwendung zu kommen hat, dass die Ehe unheilbar zerrüttet ist. Es genügt aber auch nicht, dass, wie dies' das 'Berufungsgericht für entscheidend hält-, 2ur Betreuung eines beim Vater' lebenden Kindes frauliche Hilfe benötigt wird, oder daß die Möglichkeit der Wiederverheiratung und damit die der Beeinträchtigung des Unterhalts der Kinder besteht. Denn nach dein sich aus dem Berufungsurteil ergebenden Sachverhalt ist die Abweisung der Klage gerechtfertigt* Nach den Angaben des Klägers liegt der Grund, der ihn zur Erhebung seiner auf § 48 EheG gestützten Klage veranlasst hat, in seinem Zweifel an den Angaben der Beklagten über ihre Vergewaltigung und in der durch die Beklagte- nicht durchgeführten Unterbringung des wn^ha-nicht — erzeugten Kindes in einem Heim ausserhalb der Fämilie. wenn tatsächlich eine Vergewaltigung.Vorgelegen hätte, bereit gewesen wäre, sich über das Vorhandensein des Kindes hinwegzusetzen* Die Beklagte hat dem Kläger 2 Kinder geboren, an deren einem der Kläger so hängt,' dass er es der Beklagten nicht mehr überlassen will* Seine früheren Briefe an die Beklagte zeugen von grosser liebe zu ihr* Die Beklagte selbst will auch heute noch an der Ehe festhalten und hat sich im Zwiespalt zwischen Gatten- und Mutterliebe dazu durchgerungen, ihre Zustimmung zu einer Unterbringung des Kindes ausserhalb der Familie zu erteilen* Die Beklagte hat, ohne dass ihr ein Verschulden zugemessen werden kann, eine schwere Zeit allein durchmachen müssen* Alles dies rechtfertigt die Auffassung des Berufungsgerichts, dass die Aufrechterhaltung der Ehe der Parteien sittlich gerechtfertigt ist*