BGH · IV ZR 168/62 vom 20.03.1963
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Bas Berufungsgericht hat das Aufhebungsbegehren und das Scheidungsbegehren des Klägers als unbegründet angesehen und deshalb die Klage abgewiesen, I)a es die Revision nicht zugolassen hat, ist das angefochtene Urteil einer Nachprüfung durch das Revisionsgericht nur zugänglich, soweit das auf § 48 EheG gestützte Scheidungsbegehren in Frage steht und in diesem Bahmen auch nur, soweit es sich darum handelt«, ob das Berufungsgericht rechtlich unangreifbar angenommen hat, daß die Beklagte der Scheidung widersprechen könne (§ 547 Abs* 1 ZPO; Urteil des Senats FamRZ 1965 s, 51 Nach der maßgebenden neuen Fassung des § 48 Abs« 2 EheG kommt es darauf an, ob sich feststellen läßt* daß der Beklagten die Bindung an die Ehe und eine zu demutbare Bereitschaft, sie fortzusetzen, fehlt« Entgegen der Auffassung der Revision kann dagegen nicht berücksichtigt werden, daß der Kläger dem von ihm erzeugten, von Frau Schd^ geborenen Kind den Makel der unehelichen Geburt zu nehmen wünscht. schaffen seien wie den ehelichen Kindern« Würde die Auflösung einer Ehe, die durch die Schuld des klagenden Ehemannes zerrüttet ist* gegen den Widerspruch der beklagten Frau im Interesse des vom Ehemann im Ehebruch erzeugten Kindes gesetzlich zugelassen, um dem Ehemann die Heirat mit der Ehebrecherin zu ermöglichen, so könnte eine solche Regelung die Ehefrau und die ehelichen Kinder des Ehemannes erheblich benachteiligen; sie würde insbesondere tragenden Grundsätzen der Ordnung der Ehe widersprechen und das Gebot des Art« 6 Abs« 1 GG, der die Ehe und Familie unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stellt, verletzen« Der Gesetzgeber hat sich in dem ihm zustehenden Rahmen gehalten, wenn er bei der Regelung des § 48 ibs, 2 EheG ganz auf den Schutz der Ehe abgestcllt hat« Die von dem Berufungsgericht in diesem Zusammenhang zunächst erörterte Frage, ob die Ehe von Anfang an unter einer Belastung gestanden habe, die auf objektive, von dem Willen der Parteien unabhängige Umstände zurücksuführen sei, könnte nur bedeutsam sein, soweit solche Belastungen von vornherein einen Mangel an ehelicher Gesinnung bei dem beklagten Ehegatten bewirkt und damit dazu beigetragen haben, daß er schließlich Im Gegenteil geht das Berufungsgericht auf Grund der von der Beklagten vor dem Berufungsgericht abgegebenen Erklärung davon aus, daß sie sich nach wie vor an das Eheversprechen gebunden fühle und bereit sei, die Ehe fortzusetzen, wenn der Kläger sich von Prau trenne. es hat der Beklagten geglaubt, daß sie, als sie erfahren habe, daß Prau Sch^H^ von ^era Kläger ein Kind erwarte, die Klage in der ersten Aufregung erhoben habe, Bas Berufungsgericht hat auch keine für die Beklagte nachteiligen Schlüsse daraus gesogen, daß sie angesichts des entgegenstehendon festen Willens des Klägers schließlich ihren Widerstand gegen das Zusammenleben des Klägers mit Prau Sch^||^ aufgegeben und den gegen diese geführten Prozeß durch einen Vergleich beendet hat. Die Revision macht geltend, daß die Beklagte bei ihrer Vernehmung vor dem Berufungsgericht auf die Präge, ob sie möglicherweise grundsätzlich bereit wäre, im Palle einer ihr angemessen erscheinendenAbfindung oder .Sicherstellung ihren Widerspruch aufzugeben, geantwortet hat, sie erkläre nach Beratung mit ihren Anwälten, daß sie das grundsätzlich nicht ablehne„ Die Revision meint, daraus ergebe sich, insbesondere in Verbindung damit, daß die Beklagte zunächst selbst eine Scheidungsklage erhoben und in dem Rechtsstreit gegen Prau. lich begünstigenden Vergleich geschlossen habe, daß sic die von ihr al3 Ehefrau in Anspruch genommenen Befugnisse nicht um ihrer selbst willen verfolge, sondern bereit sei, diese Befugnisse gegen Gewährung einer ihr ausreichend erscheinenden Gegenleistung aufzugeben* Der Widerspruch gegen die Scheidung sei nur gerechtfertigt, wenn die Bindung an die Ehe auf einer rein ethischen Grundlage beruhe; er sei niemals beachtlich, wenn der widersprechende Ehegatte seine Bereitwilligkeit erkläre, den Widerspruch bei Bewirkung der von ihm gewünschten materiellen Gegenleistung aufzugeben* Damit werde die Befugnis zur Erhebung des Widerspruchs zu einem Pressionsmittel und einem Handelsobjekt degradiert* Der Auffassung der Revision, der Widerspruch sei immer dann unbeachtlich, wenn der beklagte Ehegatte es nicht ab« lehne, ihn im Pall einer materiellen Gegenleistung aufzugoben, kann nicht beigetreten werden* Die Bereitschaft des Ehegatten, sich unter Umständen auf eine Scheidungcveroinbarung einzulassen, braucht nicht zu bedeuten, daß der Ehegatte keine Bindung an die Ehe mehr habe* Es liegt oft so, daß der andere Ehegatte um jeden Preis geschieden sein will und den Beklagten einem mehr oder weniger starken Druck aussetzt, mit dem er erreichen will, daß dieser in die Scheidung einwilligte Wenn der Beklagte in der Annahme, daß es zu einer Wiedervereinigung der Eheleute doch nicht kommen werde und daß er auf die Dauer dem Druck des anderen nicht gewachsen sein werde, sich auf Verhandlungen Uber seine wirtschaftliche Sicherstellung für den Ball der Scheidung einläßt, so braucht darin nicht zu liegen, daß ihm seine Ehe nichts mehr bedeutet, und zwar selbst dann nicht, wenn er bei einem Eingehen auf die ihm von dem anderen Ehegatten aufgezwungene Scheidung wirtschaftliche Vorteile zu erlangen sucht» Die Lage des beklagten Ehegatten wäre unerträglich erschwert, wenn er schon bei jedem Eingehen auf die drängenden Angebote des Klägers, zu einer Scheidungsvereinbarung zu gelangen, und bei der Erhebung entsprechender wirtschaftlicher Forderungen befürchten müßte, daß sein Widerspruch gegen eine auf § 48 EheG- gestützte Scheidungsklage für unbeachtlich erklärt werden würde» Es kommt allein darauf an, ob er trotzdem einen von der Rechtsordnung nicht mißbilligten Sinn in seiner Ehe und in ihrem Fortbestand sieht (Urteil des Senats LM EheG § 48 Abse 2 Hr» 47) und ungeachtet aller Erwägungen über deren mögliche Beendigung bereit wäre, sie fortzusetzen, wenn der Kläger dafür angemessene und tragbare Voraussetzungen schaffen würde» Daß er diese eheliche Gesinnung und Haltung nicht hat, muß festgestellt werden» Sin Anzeichen dafür, daß dem beklagten Ehegatten die Bindung an die Ehe und die Bereitschaft, sie foz'tzusotzen, fehlt, könnte es sein, wenn der beklagte Ehegatte für sein Einverständnis in die Scheidung nach den Verhältnissen der Ehegatten offensichtlich unangemessene wirtschaftliche Vorteile verlangte Daraus könnte sich ergeben, daß ihm in Wahrheit an der Ehe nichts mehr liegt» Auf das Pehlen jeder Bindung an die Ehe braucht es auch nicht schließen zu lassen, wenn die Beklagte in der ersten Erschütterung über die Nachricht, daß der Ehemann im Ehebruch ein Kind erzeugt habe, die Scheidungsklage erhoben und im Zusammenhang damit die vermögensrechtlichc Auseinandersetzung betrieben, alsbald jedoch davon abgesehen hat, das Scheidungsbegehren weiter zu verfolgen. Ebensowenig braucht es für das Pehlen der Bindung an die Ehe zu sprechen, wenn die Beklagte in einem Rechtsstreit, in dem sie den räumlich-gegenständlichen Bereich der Ehe gegen das Eindringen der Ehebrecherin verteidigt hat, wegen des unnachgiebigen Verhaltens ihres Ehemannes nachgegeben und unter Verzicht auf die Durchsetzung ihres Unterlacsungc-anspruchs einen Vergleich geschlossen hat, der ihr unter einer nach den Verhältnissen der Ehegatten angemessenen wirtschaftlichen Sicherstellung durch den Kläger ein Leben außerhalb der ehelichen Wohnung ermöglichte, in dem sie nicht den ihr durch den Ehemann und die Ehebrecherin zugefügten ständigen Beleidigungen ausgesetzt war« Zuzugeben ist der Revision, daß bei der Prüfung, ob dem beklagten Ehegatten die Bindung an die Ehe und eine zu demutbare Bereitschaft, sie fortsusetzen, fehlt, alle Tatsachen, die möglicherweise Rückschlüsse auf seine innere Einstellung zulassen, umfassend und im Zusammenhang gewürdigt worden müssen. Es erscheint auch ausgeschlossen, daß dem Berufungsgericht bei der Urteilsfällung nicht die vor ihm und zwar erst auf Befragen abgegebene Erklärung der Beklagten gegenwärtig gewesen ist* sie lehne es nichj grundsätzlich abj bei einer ihr angemessen erscheinenden Abfindung oder Sicherstellung ihren Widerspruch gegen die Scheidung aufzugeben9 zu demal diese Erklärung dazu geführt hat, daß die T Sache zur Prüfung von Vergleichsmöglichkeiten vertagt wurde» Wenn dann die Beklagte in der letzten Verhandlung vor dem Berufungsgericht, wie aus dem Sitsungsprotokoll horvorgeht, durch ihren Proseßbevollmächtigten hat ausführen lassen, sie habe schon im vorigen ferrain erklärt, daß eine Abfindung ihrer Hechte als Ehefrau des Fabrikanten durch eine bloße Geldzahlung für sie nicht in Präge komme, auf diesem Standpunkt stehe sie weiterhin, so kann dem Berufungsgericht doch nicht entgangen sein, daß die Beklagte jedenfalls Vergleichs Verhandlungen, die nur die Rücknahme ihres Widerspruchs gegen die Scheidung zu dem Ziel haben konnten, nicht von vornherein abgelehnt hatte» Eine solche resignierende Bereitschaft!; Es ist rechtlich unangreifbar, daß das Berufungsgericht aus alledem nicht den Schluß gezogen hat, daß bei der Beklagten jede Bindung an die Ehe geschwunden und sie diese selbst bei einer vollständigen Sinnesänderung des Klägers endgültig nicht mehr fortzusetzen bereit sei«,