BGH · IV ZR 165/60
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Dezember I960 unter Mitwirkung des Senats-Präsidenten Ascher und der Bundesrichter Johannsen, Wüstenberg, Dr. Loewenheim und Dr. Graf für Recht erkannt: der Hamburg-Amerika-Linie von Deutschland nach New York zu reisen, und für die bereite im März 1939 gebuchte Passage Mit ihrem Entschädigungsanspruch wegen der für die geplante Schiffsreise verauslagten Kosten hatte sie bei den Entschädigungsorganen nur teilweise Erfolg. ► • der Mehrbetrag von 405,85 HM vom Deutschen Reiche einge zogen und deshalb nach dem Buttdesrückerstattungsgesetz Ent scheidungsgründe Die Revision ist begründet Io Das Oberlandesgericht hat den Klageanspruch als einen rückerstattungsrechtlichen angesehen; denn die Einziehung des Fahrgeldguthabens stelle eine ungerechtfertigte Ent Ziehung feststellbarer Vermögenswerte im Sinne des Rück erstattungsgesetzes der britischen Zone dar, wofür nach dem Bundesrückerstattungsgesetz Schadensersatz zu leisten sei o Nach Auffassung der Revision ist der Klageanspruch entschädigungsrechtlicher Art« Sie meint, der Schaden der Klägerin sei bereits mit der Bezahlung der Schiffspassage und nicht erst durch Einziehung des Fahrgeldguthabens ein getreten» Außerdem sei ein Rückerstattungsanspruch nach dem zonalen Rückerstattungsgesetz nicht realisierbar, da der Wert des entzogenen Gegenstandes geringer als 1»000 RM a) Pur die Beurteilung der Rechtsnatur des Wiedergutmachungsanspruchs kommt es, wie vom Senat ausgesprochen (IM Kr. 1 zu § 5 BEG 1956 = RzW 1956, 335 Nr. 37 /3367), auf die Entstehungsgrundlage des Schadens im weitesten Sinne an» Juni I960 - IV ZR 47/60 RzW I960, 553 Nr. 13 mit weiteren Nachweisen) ist der Gesetzgeber grundsätzlich davon ausgegangen, daß die Entschädigungsansprüche der > 839 BGB) oder nach Verfassungs recht (Art. 131 WeimRV) sind und als solche die Ansprüche zu dem Zeitpunkt begründeten, als die nationalsozialistische Gevvaltmaßnahme widerrechtlich in die Rechtssphäre: des Verfolgten eingriff* Der Entschädigungsanspruch nach den Landes oder Bundesentschädigungsgesetzen ist entweder Geldmittel noch den Anspruch auf die Beförderung und, nach alle Aufwendungen zu ersetzen, die in Verfolgung der Auswa entstanden sind, mit ihr also noch in irgendeinem Zusam menhang stehen* Anspruch auf Erstattung "besteht daher nur für solche Aufwendungen, die unmittelbar die - auch tatsächlich durchgeführte Auswanderung betreffen oder während deren Dauer entstanden sind, nicht dagegen für solche, die die Auswanderung erst ermöglichen sollen öderen deren Folge sind* Hat ein Verfolgter also zur Vorbereitung der Auswanderung Vermögensteile eingesetzt 57 BEG ersetzt werden* Die für die Schiffskarte ge machten Aufwendungen dienen jedoch nicht lediglich der Vorbereitung einer Auswanderung. Sie stehen vielmehr mit dieser derart unmittelbar in Zusammenhang, daß sie auch als Auswanderungskosten ira Sinne des § 57 3EG er setzt werden können Die nach den rechtsirrtumsfrei getroffenen und auch nicht angegriffenen Feststellungen des Oberlandesgerichts von der Klägerin verausgabten Schiffspassagekosten waren auch f,notwendigeü Aufwendungen im Sinne des Bei Beurteilung der Notwendigkeit von Aufwendungen dieser Art kommt es auf die damalige Verfolgungssituation an Das Oberlandesgericht trägt mit seiner entgegengesetzten Auffassung der Lage, in welcher die Verfolgten sich damals befanden so erscheint es nicht angebracht, bei Beurteilung der Notwendigkeit entstandener Aufwendungen kleinlich zu verfahren Vom rechtlichen Standpunkt aus kann jedenfalls die Notwendigkeit von Aufwendungen für eine Schiffspassage nicht verneint werden, da der Verfolgte darauf angewiesen war, je sich ihm auch nur entfernt anbietende Möglich keit zur Durchführung der beabsichtigten Auswanderung wahrzunehmen. soweit als irgend möglich sicherzustellen, kann es daher nach der damaligen Lage der Verfolgten notwendig gewesen sein, daß ein Verfolgter sich sogar in dem poli tisch kritischen, unter der Gefähr des drohenden Kriegs ausbruchs stehenden Frühjahr 1939 noch eine - wenn auch erst im Herbst 1939 durchführbare - Schiffspassage nach New York sicherte <> Im Regelfälle wird somit davon auszu gehen sein, daß die anläßlich der Verfolgungssituation gemachten Aufwendungen auch notwendig waren, und zwar Pa die gesamten Auswanderungskosten der Klägerin den Betrag von 500 RM übersteigen (vgl, Urteile des Senats vom 17.