BGH · IV ZR 165/53
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
RechtS3atz; Auch wenn von einem bestimmten Zeitpunkt an die Wiederherstellung einer ehelichen Lebensgemeinschaft nicht mehr erwartet werden kann, sind bei einem Scheidungsbegehren aus § 43 EheG nach diesem Zeitpunkt liegende Eheverfehlungen grundsätzlich zu berücksichtigen» Rechtssatzg Bei der Feststellung des wohlverstandenen Interesses eines aus der Ehe hervorgegangen en Kindes an ihrer Aufrechterhaltung ist eine Prüfung erforderlich, wie sich die Verhältnisse des Kindes in häuslicher, erzieherischer, seelischer und finanzieller Hinsicht einmal bei' einer Aufrechterhaltung der Ehe und sodann bei einer Scheidung voraussichtlich gestalten werden, Gesees:; Eine erneute Ehescheidungsklage aus § EheG kann auch auf Eheverfehlungen gestützt werden, die für sich allein betrachtet keine schweren Eheverfehlungen sind, dies aber im Zusammenhalt mit den nach § 616 ZPO ausgeschlossenen Scheidungsgründen werden.. 1» Das Berufungsgericht geht davon aus, daß von dem Zeitpunkt an, in dem die Zerrüttung einer She unheilbar wird'» weitere Eheverfehlungen zu einer Zerrüttung nicht mehr führen können» Es folgert hieraus unter Berufung auf die Entscheidung•des Reichsgerichts in RGZ 160, 107, daß, nachdem bereits im Vorprozeß die Ehe der Parteien unheilbar zerrüttet war, bei dem Scheidungsbegehren des Klägers aus § 43 EheG- die von ihm behaupteten weiteren Eheverfehlungen der Beklagten unberücksichtigt bleiben müßten. Dieser Rechtsauffassung kann nicht gefolgt werdenV § 43 EheG erfordert, daß der verklagte Ehegatte durch eine schwere Eheverfehlung oder durch ehrloses ■ oder -'unsittliches Verhalten die Ehe schuldhaft so tief zerrüttet hat, daß die Wiederherstellung einer ihrem Wesen en-sprechenden Lebensgemeinschaft" nicht mehr erwartet "werden kann« Was erwartet werden kann, hängt von dem subjektiven' Empfinden des verletzten Ehegatten ab und kann daher nicht für alle Ehen in gleicher Weise bestimmt wer- Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß auch ein verletzter Ehegatte, ^ selbst wenn er zu Recht von einer Uh-h heilbarkeit' der Zerrüttung seiner’ Ehe" überzeugt ist, noch ein gewisses laß ehelichen; Empfindens behält und ;J§ daß er sich der ihn aus der ehelichen Vdrbihaütig erwach-: senen sittlichen ' Verantwortung "gegenüber: dem' anderen Ehegatten bewußt bleibt (vgl BGHZ 1, .356 ff,[358]; 8,119 1126])„ Dieses Empfinden und dieses Bewußtsein können . wenn einmal die Wiederherstellung der ehelichen Lebensgemeinschaft nicht mehr, erwartet werden kann, weitere Eheverfehlungen für eine Zerrüttung der Ehe nicht mehr ursächlich sein können, Es würde auch dem allgemeinen Rechtsempfinden widersprechen, gewissermaßen einen Freibrief für Eheverfehlungen -zu geben, nur weil schon vor ihrer Begehung . eine unheilbare Zerrüttung der Ehe angenommen werden konnte, Auch das Reichsgericht hat die in seiner Entscheidung RGZ 160, 107 vertretene Auffassung in späteren Entscheidungen erheblich eingeschränkt. So bat es grundsätzlich die Möglichkeit einer Vertiefung der Zerrüttung zugelassen (RGZ 164, 92 f [97] und 185' f [187]), und es hat trotz unheilbarer Zerrüttung Verfehlungen für erheblich erklärt, die .den anderen Teil nicht nur in seiner Eigenschaft als Ehegatten,"sondern auch als Menschen , . In dem hier zur.Entscheidung stehenden Fall- sind keine Tatsachen behauptet oder festgestellt, die die An-, nähme rechtfertigen, daß der Kläger bereits irr dem- führ f die unheilbare Zerrüttung:festgestellter - Zeitpunktdes Vorprozesses weitere 'Eheverfehlungen der "Beklagten nicht mehr als ehezerstörend empfinden konnte '"(§ 49 EheG)', Das Berufungsgericht hätte daher auch die für die .Zeit nach Beendigung des Vorprozesses liegenden, vom Kläger behaupteten- ehelichen ...Verfehlungen der Beklagten prüfen und dabei die Eheverfehlungen, die bereits-Gegenstand des Vorprozesses gewesen waren-,';'.zwar nicht als ß cif ei dung s-grund 5 aber zur Unterstützung des Scheidun'gsbegehrens werten müssen (§§ 616 ZPO Der Kläger bat sein Scheidungsbegehren aus § 43 EheG' .einmal auf das Verhalten der Beklagten gegenüber seinen- jM Bemühungen um die Wiederherstellung der Ehe nach Beendi- fjg gung des Vorprozesses, auf ihr Verhalten gegenüber dem gemeinsamen Kinde und auf ihre Besuche hei seinem Arbeit-geber gestützt. Die ,sJ8[ Besuche der Beklagten bei dem Arbeitgeber des Klägers hat,-» es aber nicht gebilligt und nur mit Rücksicht darauf nicht als schwere Eheverfehlung gewertet, weil der Kläger:^* die Beklagte seit Jahren vernachlässigt? Das Berufungsgericht hätte bei seinen Hilfserwägun -gen aber auch noch prüfen müssen, ob die früheren, nach § 616 ZPO als selbständige Scheidungsgründe nicht mehr in Betracht kommenden Verfehlungen entsprechend der Vorschrift des § 51 Abs 2 EheG die Besuche der Beklagten nicht zu einer schweren Eheverfehlung machen konnten (vgi|| auch RGZ 159? 2p Diese Aufhebung war auch deshalb erforderlich, weil, wie dies die"Revision zu Recht rügt, ein Rechtsverstoß bei der Anwendung des § 4-8 Abs 3 des Ehegesetzes vorliegtc Als Begründung für die Abweisung der hilfsweise vom Kläger auf §'48 EheG- gestützten Klage hat das Berufungsgericht lediglich ausgeführts Diese Begründung lässt nicht erkennen, daß sich das Gericht mit' dem Vortrag des Klägers und den Erklärungen der Beklagten hinsichtlich des Kindes erschöpfend auseinandergesetzt hat* Um beurteilen zu können, was das Wohlverstandene Interesse des Kindes erfordert, ist'eine Prüfung erforder-lich., wie sich die Verhältnisse des Kindes in häuslicher, erzieherischer-, seelischer und finanzieller'Hinsicht ein-mi,l bei einer Aufrechterhaltung der Ehe und sodann bei, einer Scheidung voraussichtlich gestalten.werden (vgl Ui OGHZ 1, 105 f [108])« Hierbei kann, falls nicht besondere Gründe dies rechtfertigen, nicht ohne weiteres, wie es anscheinend das Berufungsgericht wohl tun will, unterstellt werden, daß der Kläger trotz unheilbarer Zerrüttung seiner Ehe bei einer Abweisung seines Scheidungsbe-gehrens die Familiengemeinschaft wieder herstelleh wird„; »