BGH · IV ZR 161/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
, 1* Bei Entschädigungsansprüchen, die Angehörige des öffentlichen Dienstes auf Grund der Vorschriften des BUG für die Zeit vor dem 1. 2. § 6 Abs, 1 BIG ist auf einen Verfolgten nicht an-zuwenden, der ausschließlich wegen eines auf ihn von dem nationalsozialistischen Gewalthaber ausgeübt on Drucks Mitglied der USDAP geworden ist; der Druck nu2 jedoch sehr erheblich gewesen sein. Der Kläger hat zunächst von der Stadt Berlin seine wiederanstellung und zwar als Poliseiobermeister und für die Zeit vom 1. , Während die Sntschädigungsbehörde eine Entschädigung hierfür abgeleimt hat, ist sein Anspruch vom Landgericht dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt worden* Das Oberlandesgericht hat auf die Berufung des beklagten Landes die Klage abgewiesen* Mit der vom Eevisionsgericht zugelassenen Revision verfolgt der Kläger sein Begehren weiter* Bas Berufungsgericht' hat die Entlassung des Klägers aus dem Polizeidienst auf Grund de3 § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums als nationalsozialistische Gev/altraaßnabme angesehen* Bas ist rechtlich bedenkenfrei (vgl* die Entscheidung des Senats in RzW 56, 360^)* Es hat Jedoch die vom Kläger geforderte Entschädigung auf Grund des § 6 Abs. 1 Satz 2 BEG versagt* weil der Klager Mitglied der NSDAP gewesen sei, nicht unter Einsatz von Freiheit, Leib oder Leben den Nationalsozialismus bekämpft habe, auch nicht deshalb verfolgt worden sei* Eine Feststellung darüber, ob die Mitgliedschaft bei der NSDAP, wie das Xamsiergericht in dem Vorprozeß angenommen hatte, eine mehr als nominelle gewesen ist, hat das Berufungsgericht nicht getroffen* Es hat dies vielmehr dahinstehen lassen* Die Tatsache, daß der Kläger nur auf Drängen seines Vorgesetzten und gegen seine innere Überzeugung aus Sorge um seine wirtschaftliche Existenz Mitglied der NSDAP geworden sei,, hat es für unerheblich gehalten* Es ist der -Reichfcsauffassung, § 8 Abs* 1 Satz 2 BWGöB, wonach bei lediglich nomineller Mitgliedschaft •* Wiedergutmachung gewährt werden könne, wenn die Mitglieds schaft durch vorausgegangene Yerfolgungs- oder Unter-drückungsmaßnabmen bedingt war, könne nur für Ansprüche nach dem Sv/GöD, also nur für Entschädigungsansprüche aus der Zeit, nach dem 1. daß in § 6 BEG eine dem § 8 Abs« 1 Satz *2 BWGöB entsprechende Bestimmung nicht auf-genommen worden ist, ebenso wie auch umgekehrt entgegen der Auffassung der Revision die Anwendbarkeit des § 8 Abs. 1 Satz 2 BWGöB nicht aus der Bestimmung des Art. III Hr. 9 Abs. 2 ÄndG hergeleitet werden kann. deren Schädigung auf einen .Verfolgungsgrund des § 1 BEG zurückzUführen ist, die einen Rechtsanspruch auf Gewährung einer Entschädigung jedoch nicht haben und bei denen die Versagung einer Entschädigung eine besondere Härte sein wurde. Infolgedessen bedarf es für Ansprüche, die auf Grund des BEG geltend gemacht werden, nicht einer Anwendung des § 8 Abs..1 Satz 2 BWGöB. Im; übrigen ist diese Vorschrift ebenso wie die das § 171 BEG eine reine Ermessensbestimmung. ob die Entschädigungsbehörde die gesetzlichen'Grenzen des Ermessens überschritten oder von dem Ermessen in einer den Zweck der Ermächtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht hat. einen durch nationalsozialistische ßewaltinafinahmen Geschädigten die Bestimmung des § 6 Abs, 1 Nr, 1 BEG auch dann.anzuwenden ist, wenn er lediglich unter Zwang Mit-glied der NSDAP geworden ist. 249 - ausgesprochen hat, kann ein Vorschubleisten zu verneinen sein, wenn dies durch eine einer Gewaltherrschaft ausgesetzten Person ausschließlich wegen des auf sie ausgeübten Druckes geschieht. Dasselbe könnte auch für eine Mitgliedschaft gelten, die ausschließlich wegen eines ausgeübten Druckes des nationalsozialistischen Gewalthabers erworben wird. Unter einem solchen Druck können jedoch nicht alle Umstände verstanden werden, die es einem Geschädigten zweckvoil erscheinen -ließen, der HSDAP beizutreten, insbesondere Erwägungen rein finanzieller Art. Erforderlich ist vielmehr grundsätzlich sehr erheblicher Druck, bei dem z.3. Wenn aber der Kläger.eine Mitgliedschaft in der NSDAP abgelehht hätte und deshalb aus seinem Angestclltenverhältnis entlassen worden wäre, so würden ihm zu demindest seine alten Bezüge in Höhe von 5/4 des erdienten Ruhegehalts als Polizeibeamter geblieben seih. Schließlich geht auch die Berufung des Klägers auf § 31 a EY/GÖD fehl, da es sich hei dem hier vorliegenden Hechtsstreit nur um Ansprüche aus der Zeit vor dem 1» April 1950 handelt, das Gesetz su Art, 131 GG für diese Zeit aber keine Ansprüche gibt.