BGH · IV ZR 154/50
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Baske, Brohartz und Jolianusen für Hecht erkannti Die revision des Klägers gegen das Urteil des 7.Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Hamm vom 17.November 1949 wird auf seine Kosten zurtickgewieeen* Bis zu dem 30o Januar 1946 hat der Kläger wiederholt freundliche Briefe an die Beklagte geschrieben und 'darin mehrfach die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen in Bringenberg zu dem Ausdruck gebracht* Seinen Besuch in Dringenberg hatte er zuletzt für Kitte Eebruar 1946 bestimmt in Aussicht gestellt * Am 22 * Februar 1946 schrieb er jedoch an die Schwester der Beklagten einen Absagebrief? in den er sich selbst als allein schuldig für sein Verhalten bezeichnet * Am 26« April 1946 leitete ein von ihm beauftragter Bechtsanwalt mit einem Schreiben am den Anwalt der Beklagten zu dem ersten Male dies Scheidungsklage wegen angeblichen Verschuldens der Brau,■'(§ 45 EheG.; daß eine Eheverfehlung der Beklagten nicht behauptet und die Ehe auch nicht zerrüttet sei. Seine zweite Scheidungsklage stützte der Kläger auf § 48 EheG* Sie wurde durch Urteil vom u« Dezember 1948 ebenfalls abgewiesen mit der De ~ gründung, die Ehe sei nach den briefen des Lennes bis Ende Januar 1946 nicht zerrüttet gewesen und demgemäß liege eine dreijährige gewollte Heimtrennung noch nicht In vorliegenden Verfahren stützt der Kläger sein Scheidungsbegehren wiederum auf 9 48 EheGo lie Beklagte hat der Scheidung widersprochen0 Das Landgericht hat die Klage abgewiesen„ Es hält die Auxrechterhaltung der Ehe im wohlverstandenen Interesse des Kindes für erforderlich«, Auf die Krage«, ob der Widerspruch dei Beklagten zulAssig und beachtlich sei«, geht es nicht ein«, Die dagegen eingelegte Berufung des Klägers hat das Oberlandesgericht nach Anhörung der Parteien zurückgewiesen 0 Es ist der Auffassung«, daß die Aufrechterhaltung der Ehe zwar nicht durch das wohlverstandene Interesse des Kindes erfordert werde ? In rechtlich bedenkenfreier leise hat das Berufungsgericht das Vorliegen der Vorans s e t zung e n des $ 4.8 Abs 1 EheG bejaht* Die Ehe der Parteien isJ/in soweit tiefgehend und unheilbar zerrüttet«, als der Linger sich Ende Januar 194 6 von der Beklagten abgewandt hat ? Die Trennung der Parteien ist seit Anfang Bebruar 1946 eine vom Kläger gewollte 9 sie dauerte somit als solche zur Leit der letzten mündichen Verhandlung länger In dem Vorprozeß 4 R 454/48 war die Sdieidungskiage mit der Begründung abgewiesen? ger dann ohne ersichtlichen Grund, insbesondere ohne daß die Beklagte ihm irgendwie dazu Anlaß gegeben hatte, im Gegensatz zu dieser seiner 'Anstellung und Haltung, wie sie seinem Ehegelöbnis und dem Uesen der Ehe ent -sprach, plötzlich zu einem Verhalten überging, das eine Herstellung der ehelichen Gemeinschaft nicht nur nicht fordern konnte, sondern deren Verwii kl ichung verhindern mußte und geeignet war-, das Band, das ihn mit der Beklagten verband, zu zerreissen, so hat er mit diesem sein-cm Entschluß und Terhalten schuldhaft den Urgrund für die Zerrüttung der Ehe gelegte 1er KLM. ger war sich auch der ehe zerrüttenden Y.Arkung dieses Verhaltens nach den Beststellungen des Berufungsgerichts zweifellos bewußt. kann der Beklagten, die an sich dafür Leweispflichtig ist, daß der Kläger durch sein Verschulden die Ehe zerrüttet hat,- nicht der Beweis dafür obliegen, daß dem Klüger keine sein Verhalten rechtfertigenden Gründe zur Seite stellen (..vgl HG 163 5 246; 166, 212)• Bas Berufungsgericht ist vielmehr mit Hecht davon ausgegangen, daß Gründe, die das Verhalten des Klägers rechtfertigen oder entschuldigen kenn -ten, nicht vorliegen und hat demgemäß den V/i der Spruch der Beklagten gegen die Scheidung für zulässig erklärt. Das Berufungsgericht ln t nicht 'verkannt , daß die Ehe der Parteien bei Beginn ihrer Zerrüttung erst kurze Zeit bestanden hatteo Es stellt jedoch frei von Itechtsirrtun fest., daß sie keineswegs übereilt, wenn auch mit kücksicht auf die Schwangerschaft der Beklagten im Interesse beider JÜ.e-gatten früher als an sich geplant, geschlossen worden se 1, ig stellt ferner bedenkenfrei fest, daß zv/isehen den Par-teien, die bereits 1937 einender nähergetreten■und seit 1940 miteinander verlobt waren, bis zu der plötzlichen unerklärlichen Sinnesänderung des Klägers 1946 eine gegenseitige echte und innige Zuneigung bestanden hat, wesentliche Trübungen oder Spannungen sind während dieser Zeit in ihrem Verhältnis nicht hervorgetreten, woraus mit dem Berufungsgericht zu folgern ist, daß Gegensätze in ihrer charakterlichen oder körperlichen Veranlagung dem Zustandekommen einer echte- und gehaltvollen Lebensgemeinschaft nicht hindernd im. lege standeno Bas entscheidende hinter-nis hierfür hat vielmehr der Kläger selbst geschaffen und zwar durch ein Verhalten, das nicht von Erfahrungen bestimmt war, die er vor oder während seiner Ehe im Zusammenhang xni'' dieser gemacht hatte, sondern auf einer Einstellung und Entscheidung beruhte, die vom Wesen der .Ehe her betrachtet, als willkürlich bezeichnet werden muß, solange -irgendwelche Gründe, die sie gerechtfertigt oder doch erklärlich erscheinen lassen könnten, weder von ihm vorgebracht v/erden noch sonst feststellbar sind* Es kann aber sittlich nicht gerechtfertigt sein, das Fortbestehen einer Ehe allein von der Willkür eines Ehegatten abhängig zu machen, d.h» dem Scheidungsbegehren eines Ehegatten auf Grund einer von ihm willkürlich ver- Das Berufungsgericht hat auch im übrigen die ümst'-n-de, die für die Präge der Beacutlichkeit des Widerspruchs der Beklagten von Bedeutung sind, erschöpfend und zu -treffend gewürdigt * las Leben der Beklagten hat durch die Ehe mit dem kluger, durch ihr-langjähriges voreheliches 'Verhältnis zu. ihm, das seit 1142 zu dem Geschlechtsverkehr geführt hatte und vor allem durch das hind, dan sie von ihm empfangen hat, seine schicksalhafte Lichtung und Prägung; erfahren* Es kann der Beklagten nicht zu dem Vorwurf gereichen, sondern verdient im Gegenteil Anerkennung, wenn sie sich von dieser Ehe, die für sie zu dem entschei -denden Lebensinhalt geworden ist und von der hoffnung, die sie immer noch daran knüpft, nicht lossagen kann und will. Sie hat, wie das Berufungsgericht mit Eecht betont, die besten Jahre ihres Lebens, die für ihre Zukunft die ent scheidenden waren, vertrauensvoll und in hingebungsvoller Liebe und freue dem -'ELäger an vor traut* Sie hat vor allem, wie das Berufungsgericht feststellt, unter dem Verhalten des Beklagten seit 1946 seelisch schwer gelitten und leidet weiter darunter* Liese' Patsache' kann nicht als Ausfluß einer eigenwilligen -und abartigen Einstellung oder Veranlagung gewertet werden, sondern als Ausdruck eines echter und tiefen menschlichen impfindens gegenüber dem Verhalten ihres Ehemannes, das auf sie den Eindruck einer ausserordentlichen Schroffheit und Herz -losigkeit und, soweit es das Kind betraf, einer geradezu unnatürlichen Gleichgültigkeit und Interessenlosig-, keit machen mußte* hie Beklagte-musste von alledem umso härter und empfindlicher getroffen werden, als sie weder vor noch nach der Ehe etwas getan hat, was ihr von ihrem kann ernstlich verübelt, geschweige denn sum Vorwurf gemacht werden konnte* Eine Scheidung der Ehe würde aber die Beklagte an ihrem Leid.seelisch noch schwerer tragen lassen, während andererseits, die Losung des recht- von ihrem Ehemann zuteil.geworden ist , nicht lossagen will und an eine V, 1 e d erverhei ratung nicht denkt , so beweist des in Verbindung mit der worn I: e ruf ung sg e r i c ] it festgestellten Tatsache , daß sie, obwohl' bis jetzt frei von wirtschaftlicher Not, sehr verhärmt und weit über ihre Jahre gealtert ist, nur, wie tief die She in ihr Lehen eingegriffen hat und wie stark sie ihr lenken end Fühlen bestimmt und auch in Zukunft bestimmen wird* Zutreffend erblickt das Berufungsgericht daran eine dem Lie Behauptung des Klägers, daß er die Ehe geschlossen 'habe, um das Kind zu legitimieren und um dienstliche Nachteile zu vermeiden, hat das Berufungsgericht nicht übergangen<> Sie ist im Tatbestand des Urteils angeführt» In den Urteilsgründen ist sie insofern gewürdigt, als das Berufungsgericht unterstellt, daß die vorzeitige Ehe -Schliessung im Interesse beider Parteien gelegen haben mögeo Iro. übrigen kann der Kläger aus den Beweggründen, die ihn bei der EheSchliessung bestimmt haben, nicht die sittliche Berechtigung herleiten, den objektiven Zweck der Ehe soweit er von diesen Beweggründen nicht umfaßt und vom Kl'', ger • etwa nicht angestrebt wurde, als für ihn nicht verbind lieh zu verneinen und sich von der Ehe willkürlich wieder loszusagen, nachdem sie den von ihm erstrebten Zweck er -füllt hat * larin würde eine tlißachtung und e in mißbrauch der Ehe liegen-,