BGH · IV ZR 153/91 vom 25.03.1992
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Verweigert der totensorgeberechtigte Bezugsberechtigte dem Unfallversicherer die Entnahme von Leichenblut zur Feststellung des Blutalkoholgehaltes des tödlich verunglückten Versicherten, so kann auch in Fällen einer rechtswirksam vereinbarten, sanktionsbewehrten Zustimmungsobliegenheit Leistungsfreiheit des Versicherers nur in Betracht kommen, wenn die Maßnahme überhaupt zu einem entscheidungserheblichen Beweisergebnis führen konnte und für den Versicherer die einzige Möglichkeit bot, den ihm obliegenden Beweis zu führen. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter Bundschuh und die Richter Dr. Ritter, Römer, Dr. Schlichting und Terno auf die mündliche Verhandlung vom 25. Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des 1. Die Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen, auch bezüglich der Kosten der Revision mit Ausnahme der durch sie verursachten gerichtlichen Kosten, die gemäß § 8 Abs. 1 Satz 1 GKG nicht erhoben werden. November 1987 tödlich verunglückter Sohn zusammen mit einer Lebensversicherung bei der Beklagten abgeschlossen hat, die vereinbarte Versicherungssumme von 57.500 DM beanspruchen kann. Die Beklagte vertritt die Ansicht, sie sei in der Zusatzversicherung leistungsfrei geworden, weil die Klägerin zu Unrecht ihre Einwilligung zu einer Blutentnahme bei dem toten Versicherungsnehmer verweigert habe. Oktober 1991 - nicht die Frage, wie der im wesentlichen mit § 15 II Abs. 2 Satz 3 der Allgemeinen Unfallversicherungsbedingungen (AUB) gleichlautende § 5 Nr. 2 der hier vereinbarten Zusatzbedingungen auszulegen ist ("Die Gesellschaft hat das Recht, auf ihre Er ist nämlich nur dann auf eine Obduktion oder die Entnahme von Leichenblut angewiesen, wenn die begehrte Maßnahme zu einem entscheidungserheblichen Beweisergebnis führen kann und wenn mit ihr das letzte noch fehlende Glied eines vom Versicherer zu führenden Beweises geliefert werden soll. Die Beklagte hat auch nicht ausreichend substantiiert Beweis dafür angeboten, daß der Versicherungsnehmer den genauen Alkoholkonsum des Fahrers bis zu dem Fahrtantritt gekannt hätte. Mitfahrt abgesehen hätte und sich dem erkennbar absolut fahruntüchtigen Fahrer nur deshalb anvertraut hat, weil er infolge seiner Alkoholisierung die gegebene Situation nicht mehr richtig einschätzen konnte oder zu demindest außerstande war, gemäß einer derartigen Einschätzung zu handeln. Die Beklagte ist nach dem derzeitigen Sachund Streitstand - ganz unabhängig von dem Ergebnis einer Blutentnahme bei dem Toten - nicht imstande, den ihr obliegenden Beweis zu führen, daß es zu dem Unfall und damit zu dem Tod des Versicherungsnehmers nur infolge seiner trunkenheitsbedingten Bewußtseinsstörung gekommen ist, § 3 Nr. Id ihrer Zusatzbedingungen.