BGH · IV ZR 153/64 vom 16.06.1965
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her Kläger kann in dem Verfahren vor den Entschädfgungs-geriehten, in dem er sich gegen die Herabsetzung seiner Rente wendetj eine Erhöhung der Rente wegen veränderter Verhältnisse auch dann begehren? - Prozeßbevollnächtigters Rechtes nw alt Der IVo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung von 9„ Juni 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundes-richter Johannsen, Wüstenberg, Maaß und Dr° Loev.cnhcin für Recht erkannt: Auf die Anschlußrevision des Klägers wird das eben genannte Urteil insoweit aufgehoben, als darin über die Berufung des Klagers entschieden worden ist» ln diesem Umfang wird der Rechtsstreit zur erneuten Verhandlung und Entscheidung, auch über die außergerichtlichen Kosten der Ancchlußrevision, an das Berufungsgericht zurüekvervviesen» Gestützt auf §§ 35, 206 BEG hat die landesrenten-behörde am 7° Mai 1962 einen Änderungsbescheid erlassen und die Rente mit Wirkung von 1« -August 1962 auf 126 Eiden Betrag der Mindestrentc, festgesetzt„ Zur Begründung hat sie ausgeführt, daß die tatsächlichen Verhältnisse des Klägers sich insoweit geändert hätten, als er einerseits jetzt Untorhcl^Verpflichtungen gegenüber seiner Ehefrau und seinem Sohn habe, andererseits aber sein monatliches Einkommen von bisher 285 fchv.edcn-kronen Wegen der Verschlimmerung seines Leidens sei eine weitere Erhöhung der Rente auf einen Hundertcatz von 55 VoHo gebotene Der Kläger hat beantragt, an ihn für die Zeit ab h Januar 1961 eine monatliche Rente in Höhe von 161 DM anstelle der zuerkennten Rente von 128 DM zu schiene Das beklagte Land hat beantragt, die Klage abzuv/eioen. Das Berufungsgericht ist der Ansicht, daß die den Kläger vor Erlaß des Änderungsbescheids zugeoprochenc Rente nicht herabgesetzt werden dürfe, da sie die den Kläger nach § 32 BEG zustehende Hindestrente nicht un mindestens 10 cj° übersteige o Der Kluger r.önne aber euch keine Erhöhung dieser Rente begehren, denn er habe entsprechend dem in § 206 BEG hierfür vorgesehenen Verfahren nicht den Antrag gestellt, eine Verschlimmerung seiner Leiden zu berücksichtigen. Da das Land dem widersprochen habe, daß der Kläger diesen Antrag in gerichtlichen Verfahren stelle, und da seine sachliche Entscheidung über einen etwa vorzulegenden Antrag noch auss-che, ^ehle des Rechtsschutzbedürfnis für die Verfolgung des Antrages vor den Entschadigungcgerichten, Im u engen hat cas Berufungsgericht ausgeführt, daß auch die tatsächlichen Voraussetzungen für eine behauptete Verschlimmerung des Leidens nicht gegeben seien. gegenteilige P.echtsansicht ist nicht gerecht Das Berufungsgericht hat daher mit Recht dic beklagten Land gegen das Urteil des Icndgcf- Zu Unrecht hat das Berufungsgericht jedoch von dem Kläger gegen das Urteil des Lcndgcri0*11^ gelegte Berufung zurückgewiesen» Die Ansicht öci die ei ft' Ceru-urf- Ein Antrag des Verfolgten ist nach § 206 BEG keine unerläßliche Voraussetzung für die Erhöhung der Rente» § 206 BIG verpflichtet zwar dic Behörde, einen neuen Bescheid über den Anspruch zu erlassen,, nenn der Verfolgte dieses mit der Begründung verlangt, caf3 sich die für die Zuerker.nung oder Ablehnung der Rente maßgeblichen Verhältnisse wesentlich geändert haben» Daru’ceri hinaus ist aber die Entcchädigungsbchürdc nach dieser Bestimmung auch befugt, von sich aus einen solchen neuen Bescheid zu erlassen, ohne caß der Verfolgte einen dahingehenden Antrag gestellt hat» Von dieser Befugnis hat die Ent3chäüigungobehördo in dem den Gegenstand, dieses Rechtsstreits bildenden Verfahren Gebrauch gemacht» Sie hat eine Neufestsetzung'der Rente nach § 35 BEG vorgenommen. Der Kläger hat sich mit seiner Klage gegen den von der Entschädigungsbehörde erlassenen neuen Bescheid gewandto Er hat geltend gemacht, daß die ihm gewährte Rente aus Rechtsgründen nicht herabgesetzt v.erden könne daß sie dagegen mit Rücksicht auf die veränderten Verhältnisse von der Entschädigungsbehördc hätte heraufgesetzt werden müssen» Das Berufungsgericht mußte in diesem Rechtsstreit prüfen, inwieweit sich die gesamten für die Bemessung der Rente maßgeblichen Verhältnisse gegenüber denen geändert haben, die zu der Zeit bestanden, als der Bescheid vom 29» Januar ''960 erlassen wurde» Insbesondere war dabei auch zu prüfen, ob eich der Gesundheitszustand des Klägers verschlechtert hat» falls das der fall sein sollte, hatte das Berufungsgericht neu und unabhängig von der früheren Beurteilung des Gesundheitszustandes des Klägers fest stellen müssen, in welchem Umfang seine Erwerbsfähigkeit gemindert istc Palls sich ergeben hätte, daß die Erwerbsfähig-keit des Klägers um mindestens 50 v„H0 gemindert ist, dann hätte das von ihn erzielte Arbeitseinkommen bei der Bemessung seiner Rente nach § 15 der 2„ DV-BEG nicht mehr in Rechnung gestellt werden dürfen„ Las Berufungsgericht hätte weiter berücksichtigen müssen, daß der Kläger jetzt für seine Ehefrau und für ein Kind zu sorgen hat» Es hätte entscheiden müssen, ob diese Umstände dazu führen, die bisher gezahlte Rente zu erhöhen,. Auf die Anschlußrevision des Klägers muß daher das angefochtene Urteil insoweit aufgehoben werden, als das Berufungsgericht darin über die Berufung des Klägers entschieden hat» In diesem Umfang ist der Rechtsstreit zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung ?