BGH · IV ZR 151/60
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Ein Beamter auf Widerruf, der aus verfolgungsbedingten Gründen aus dem Vorbereitungsdienst seiner Laufbahn entlassen und für den Berufsschäden nur nach den Vor- Bundesgerichtshofs auf die münd-vember i960 unter Mitwirkung de Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Wüstenber Maaß, Wilden und Pr0 Graf für Recht erkannt; Gerichtsgebühren und -auslagen werden nicht erhoben; die außergerichtlichen Kosten der Revision fallen dem beklagten Lande zur Lastö Von Rechts wegen Tatbestand: bahnpraktifcant (Beamter auf Widerruf im Vorbereitungsdienst für den gehobenen technischen Dienst) im Bezirk der Reichs- Im August 1936 wanderte er nach aus Dort hei ratete er seine Braut, mit der er soit mehreren Jahren lobt und die mit ihm zusammen ausgewandert war In Kflp verdiente der Kläger den Lebensunterhalt für sich und seine Familie vorwiegend als Bautechniker im Angestelltenverhältnis, zeitweise auch als Mitinhaber eines Baugeschäfts« Für den Schaden durch die Entlassung aus dem Dienst der Reichsbahn erlitten hat, hat ihm der Vorstand der Deutschen Bundesbahn nach dem Gesetz zur Regelung der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts für die im Ausland lebenden (BWGöD Ausl) vom 18» März 1952 Daneben hat der Kläger von dem beklagten Lande Entschädigung für den Schaden verlangt, den er durch die vor zeitige aus Verfolgungsgründen unabwendbare Aufgabe der beruflichen Ausbildung erlitten hat. aus dem Vorbereitungsdienst in der von ihm erstrebten Ausbildung zu dem technischen Reichsbahninspektor geschädigt wor den ci lo w o maßnahme gesehen, obwohl der Kläger selbst um sein Ausschoi den aus dem Dienst der Deutschen Reichsbahn ge beten hatte. Da der Kläger die von ihm erstrebte Ausbildung nicht nachholen will, steht ihm nach § 118 Abs, 1 BEG eine Ent-Schädigung von 5«000 DM zu» Fraglich ist nur, ob dieser Anspruch auf Ersatz des Ausbildungsschadens auch dann besteht, wenn dem Verfolgten, einem Beamten auf Widerruf, nach den Vorschriften des Ge- oetzes zur Regelung der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts für die im Ausland lebenden Angehörigen des öffentlichen Dienstes Wiedergutmachung gewährt worden Die Revision weist darauf hin, daß nach dem Aufbau der Schsdenstatbestände des Bundesentschädigungsgesetzes der in seiner Ausbildung geschädigte Verfolgte nur nach §§ 115 ff BEG zu entschädigen ist«, Durch diese Entschädigung werden regelmäßig auch die Fachteile abgegolten, die der Verfolgte in seinem weiteren beruflichen Fortkommen durchdie Unterbrechung der Ausbildung erlitten hat (FJW RzW 1959» 228 Nr« 28 mit weiteren Fachweisen)• Di se becon dere Regelung gilt auch für das Verhältnis zwischen Auobil dungsschäaen und Schäden im beruflichen Fortkommen für vor folgte Angehörige des öffentlichen Dienstes, soweit diese entlassenen Beamten im Vorbereitungsdienst zu den verfolgten Angehörigen des öffentlichen Dienstes im Sinne dieser Vorschrift gehören, für die nach den folgenden Bestimmungen Entschädigung für den Berufsschäden zu gewähren ist* Dieser Schon daraus folgt, daß Beamten im Vorberoi tungsdienot für den Schaden, der ihnen aus ihrer Entlassung erwachsen ist, nur Ansprüche auf Entschädigung nach §§ BEG geltend machen können* Hieraus ergibt sich dann. 5 ff wie schon bemerkt würde,daß für die aus diesem Schaden entstan denen Nachteile im späteren beruflichen Fortkommen keine be sondere Entschädigung gewährt werden kann» 3* Dieses Verhältnis zwischen den Ausbildungsschaden und den auf diesen Schäden beruhenden Nachteilen im weiteren beruflichen Fortkommen gilt aber nur nach dem Bundespntschädi gungsgesetz* Anders ist die Rechtslage, wenn der Schaden in beruflichen Fortkommen eines verfolgten Angehörigen des öffentlichen Dienstes nur nach dem BWGöD entschädigt wird. Dieser Gesichtspunkt kann bei der Entschädigung der verfolgten Angehörigen des öffentlichen Dienstes nach dem BV/GöD keine ausschlaggebende Bolle spielen, da nach diesem Gesetz - im Gegensatz zu dem BEG -r die individuelle Laufbahn, die der Verfolgte ohne Entlassung oder Versetzung in den Ruhestand zurückgelegt hätte, festzustellen ist (§ 9 aaO), da nur so eine dem BWGöD entsprechende, umfassende und dem Einzelfall gerecht werdende Wiedergutmachung möglich ist* Diese Aufgabe hat das Gesetz Behörden übertragen, die bei der Beurteilung der Laufbahnverhältnisse über* ^besondere Sachkunde verfügen (§§ 24 - 26 BV/Gö Diese Gestaltung der Wiedergutmachung für die verfolgten Ango hörigen des öffentlichen*entspricht es, wenn neben den Wieder- gutmachungsleistungen des BWGÖD für den Berufsschäden auch der Schaden in der Ausbildung nach dem BEG entschädigt wird, der Ln der Zeit vor dem 1* April 1950 entstanden ist* Dabei ist su berücksichtigen, daß zwischen dem Zusammenbruch der natio-lalsozia^istischen Herrschaft und dem Beginn der Leistungen lach dem BWGöD ein Zeitraum von rund fünf Jahren liegt, so iaß also die Entschädigungssumme des § 118 Abs. 1 BEG bei dem ius dem Vorbereitungsdienst entlassenen Beamten regelmäßig loch den Verlust von Dienstbezügen der ersten Jahren nach dem April 1950, ganz abgesehen davon, daß die ntlassung aus dem Vorbereitungsdienst für den gehobenen tech-ischen Dienst in der Organisation des größten deutschen Ver- März 1959 - IV ZR 275/58 -(RzW 1959, 527 Nr. 50) zugrundelag, hat der Kläger also durch den erwähnten Bescheid nicht die Stellung erlangt, die er sich durch die von ihm erstrebte Ausbildung vei'-schaffen konnte. Aus diesen Gründen muß die Revision des beklagten