Nachschlagewerk: ja
Amtliche Sammlung: nein
ZPO
518 Abs* 2 Nr* 2, § 519
Ein Schriftsatz, der allen Anforderungen einer Berufung und einer Berufungsbegründung genügt und auch "Berufung” über-schrieben ist, hat diesen Charakter dann nicht, wenn er gleichzeitig mit einem Gesuch um Bewilligung des Armenrechts eingereicht wird, in dem ausgeführt ist, die Partei werde nach Bewilligung des Armenrechts Berufung einlegen, und in
dem zur Begründung des Armenrechtsgesuchs auf den anliegenden
"Entwurf" der Berufungsbegründung Bezug genommen wird.
BGH, Urt
v
16
Dezember I960 “ IV ZK 140/60
OLG Hamburg LG Hamburg
*
XV_ZR_140/60
Verkündet
am 16. Dezember I960
Schorm, Justizangestellter
als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle
Im Namen des Volkes
In dem Rechtsstreit
des Händlers Hermann Ludwig Alwin
P
m
Beklagten und Revisionsklägers,
Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Pro
Dr
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gegen
Prau Erika SÄÄstraße
Klägerin und Revisionsbeklagte,
~ Prozeßbevollmächtigter:
Rechtsanwalt Dr.
hat der IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündlicne
Verhandlung vom 14. Dezember I960 unter Mitwirkung des Senats-
»
Präsidenten Ascher und*der Bundesrichter Raske, Johannsen, DroV.V/erner und Wüstenberg
für Recht erkannt:
Dem Beklagten wird die Wiedereinsetzung in den vorigen
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Stand gegen die Versäumung der Revisionsfrist erteilt.
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Die Revision gegen das Urteil des 7. Zivilsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts zu Hamburg vom 15* März I960 wird auf Kosten des Beklagten zurückgewiesen.
Von Rechts wegen
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I
Tatbestand:
Durch Urteil der 20. Zivilkammer des Landgerichts Hamburg
der
von c4o April 1959 ist die Ehe der Parteien geschieden,
Beklagte für schuldig erklärt und seine Widerklage abgewiesen worden. Dieses Urteil ist dem Beklagten am 28. April 1959 zugestellt worden«, Am 28* Mai 1959 hat er beim Berufungs-
gericht um die Bewilligung des Armenrechte für die Berufung nachgesuc’ht. In diesem Gesuch heißt es:
Nach Bewilligung des Armenrechts werde ich Berufung
einlegen und beantragen ... ”
Das Gesuch schließt
mit dem Satz:
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’’Zur Begründung des Armenrechtsgesuches wird auf den Entwurf der anliegenden Berufungsbegründung Bezug genommen”*
Zusammen mit diesem Gesuch ist ein ebenfalls von dem Prozeßbevollmächtigten des Beklagten Unterzeichneten Schrift
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eingegangen, der ’’Berufung” überschrieben ist. Der
Schriftsatz enthält alle Angaben, die für eine Berufung erforderlich sind, und außerdem die öerufungsbegründung. Eine Abschrift der ’’Berufungsschrift” ist dem Gegner zugestellt
orden. Dieser hat angekündigt
er
de beantragen
die mit
Schriftsatz vom 28..Mai 1959 eingelegte Berufung zurückzu-
”. Das Berufungsgericht hat in der Sache Beweise
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erhoben. Sodann hat es die Berufung durch das angefochtene Urteil als unzulässig verworfen.
Der Beklagte hat gegen dieses Urteil Revision eingelegt.
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erfolgt den von ihm im zweit
Rech&szug gestellt
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trag weiter. Die Klägerin hat gebeten, die Revision zurück-
guv/eisen.
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Die Revision ist unbegründet
Das Berufungsgericht hat zutreffend angenommen, daß dei
am 28. Mai 1959 dort eingegangene Schriftsatz vom 28
Mai
1959 keine Berufung sei. Dieser Schriftsatz enthält zwar
für sich allein betrachtet alles, was in d
§§ 518, 519 ZPO
für eine Berufung und ihre Begründung gefordert wird. Durch das gleichzeitig eingereichte Begleitschreiben vom 27» Mai 1959 wurde ihm jedoch dieser Charakter genommen. In diesem Schreiben war ausdrücklich bemerkt, daß die Berufung erst
nach Bewilligung des Armenrechts eingelegt werde. Die bei
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liegende Beruf ungsscnnft una Be grün a ung/dann
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"Entwurf
einer Berufungsbegrünoung" bezeichnet, auf die zur Begrün
dung
des
Armenrechts Bezug genommen wurde« Bei rechter Wür
digung dieser beiden zusammen eingereichten Schriftsätze
wa
danach keine andere Deutung möglich, als daß de
als
Berufung überschriebene Schriftsatz allein zur Begründung ues Armenrechts dienen, aber selbst noch keine Berufung sein sollte. Eine Berufung muß aber nach § 518 Abs. 2 ZPO
die bestimmte Erklärung enthalten, daß Berufung eingelegt
■
werde. Diese war in dem Schriftsatz vom 28. Mai 1959 nicht
enthalten, da der Inhalt dieses Schriftsatzes nur zusammen
«
mit dem gleichzeitig eingereichten Armenrechtsgesuch vom 27. Mai 1959 ausgelegt werden konnte (vgl. auch KG in JV/
1937, 812).
Daß
der
Schriftsatz vom 28. Mai 1959 zunächst irrtüm
lieh vom Gericht und auch vom Gegner als Berufung angesehen
«
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worden ist, ändert hieran nichts« Der Beklagte hätte vielmehr, wie er es in dem Armenrechtsgesuch angekündigt hatte,
nach Bewilligung des Armenrechts Berufung einlegen müssen«
Das ist nicht geschehen.
Da der Beklagte in der mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht die Auffassung vertreten hatte, rechtswirk 3am Berufung eingelegt zu haben, mußte darüber durch Urteil entschieden werden. Dieses konnte nur dahin lauten,- daß die Berufung als unzulässig verworfen werde, da sie rechtswirksam nicht eingelegt war. Demzufolge war die Revision mit
der Kostenfolge aus
97 ZPO zurückzuweisen.
Ascher Raske Johannsen v.Werner Wüstenberg
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