BGH · IV ZR 133/62
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Gebrauch mache« Diese Erklärung wurde in das hierfür vorgesehene Register bei dem Ministerium für Ge-sundheits- und Bevölkerungswesen eingetragen« Ein mit dem Registrierungsvermerk versehenes Exemplar wurde am 1* März 1944 an den Präfekten des Departements zu dem Zwecke der Aushändigung an die Klägerin zurückgesandt« Pie Klägerin lebte zu dieser Zeit jedoch nicht mehr im Departement Co^|H^> Sie war vielmehr bereits am 5« Oktober 1942 nach Paris surückgokehrt« Port trug sie wiederum bis zur Befreiung der Stadt von der deutschen Besetzung den Judenstern« April 1944 zugegangen* Bis zu diesem Zeitpunkt habe sie die Voraussetzungen eines "Flüchtlings" im Sinne der Genfer Konvention erfüllt* Vor Beendigung der Verfolgung habe sie sich nicht auf die französische Staatsangehörigkeit berufen können« Pie Eheschließung mit einem Franzosen habe sie nicht vor der Verfolgung durch nationalsozialistische Gewaltmaßnahmen geschützt« Später hat sie vorgetragen? zugestellt worden; die Angabe des früheren Datums (25» April 1944) beruhe auf einem Versehene Die Klägerin.bat eine Entschädigung von 3 750 DM für Schaden an Freiheit - Judensterntragen - in der Zeit vom 7„ Juni 1942 bis sum 15. Ohne Rechtsirrtum ist das Oberländesgericht davon ausgegangen, die Klägerin sei ein Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung im Sinne des § 1 3EG, weil sie aus Gründen der Rasse durch nationalsozialistische Gewaltmaßnahmen verfolgt worden sei und hierdurch Schaden an Freiheit (§47 BEG) erlitten habe» looor oder Flüchtling im Sinne der Genfer Konvention nach Beendigung der Verfolgung eine neue Staatsangehörigkeit erworben hat« Mit Hecht hat das Oberlandesgericht zu dem Schwerpunkt seiner Erörterungen die Frage gemacht, ob der Erwerb einer neuen Staatsangehörigkeit "nach Beendigung der Verfolgung" im Sinne der genannten Vorschrift zu vor-neien sei, wenn er zwar de iure, nicht aber de facto noch während der Verfolgung stattgefunden habe* Bei seiner Regelung erschien es dem Gesetzgeber folgerichtig, den Entschädigungsanspruch eines verfolgten Staatenlosen oder Flüchtlings nicht an dem Erwerb einer neuen Staatsangehörigkeit scheitern zu lassen, da deren Erwerb nach Beendigung der Verfolgung den neuen Schutzstaat nicht in die Lage versetzt, einen völkex*rechtlichen Anspruch von Staat zu Staat geltend zu machen» Einen völkerrechtlichen Schadensersatzanspruch kann ein Schutzstaat vielmehr nur dann geltend machen, wenn der Geschädigte zur Zeit der Schädigung Staatsbürger dieses Staates war und zur Zeit der Geltendmachung des Anspruchs noch ist (Amtliche Begründung zu § 71 Abs * 2 des Regierungsentwurfs eines BEG, Deutscher Bundestag, 2« Wahlperiode 1953? Im Gegensatz zur Auffassung der Revision hat das Oberlandesgericht zutreffend ausgeführt, danach komme es nicht darauf an, wann die Klägerin in den Besitz des den Erwerb der französischen Staatsangehörigkeit ausweisenden Schriftstücks gelangt sei, so daß sie von dieser Staatsangehörigkeit habe Gebrauch machen und ihre offizielle Anerkennung als französische Staatsbürgerin habe durchsetzen können« Entscheidend sei vielmehr, seit wann die Klägerin de iure Französin sei« Für den Anwendungsbereich dos 5 160 BEG sei die Präge, ob der Erwerb einer neuen Staatsangehörigkeit vor odor nach Beendigung der Verfolgung stattge-fundon habe, nicht nach der tatsächlichen Situation des Verfolgten während oder nach der Verfolgung, sondern nach der Rechtslage bei Inkrafttreten des Bundesentschädigungo-gesetzes (1« Oktober 1953) zu beurteilen« Alle Verfolgten seien während der Zeit ihrer Verfolgung praktisch mehr oder weniger schutzlos gewesen« Der Besitz einer fremden Staats-. angehörigkeit habe ihnen in aller Regel wenige geholfene Die Schutz- und Hilflosigkeit während der Zeit der Verfolgung sei daher ein Element des Verfolgungstatbestandes» Bei der Frage nach der formellen Anspruchsberechtigung komme ihr keine Bedeutung zu* Für § 160 BEG sei ausschlaggebend, ob der Gesetzgeber den Verfolgten einem Personenkreise zugerechnet habe, der nach seiner Auffassung schutzlos und deshalb in die innerdeutsche Entschädigung einzubeziohen gewesen sei» Da eine Schutzlosigkeit in diesem Sinne für diejenigen Verfolgten, die noch während der Verfolgung eine neue Staatsangehörigkeit erworben hätten, verneint worden sei, könne es nur auf diejenige Situation, wie sie sich am io Oktober 1953 dargestellt habe, ankommen, (So auch: Bleesin/Ehrig/Wilden, aaO, So 874; Urteil des erkennenden Senats von 12. Januar 1962 - IV ZR 222/61 -)» Wer rechtens noch während der Verfolgung eine neue Staatsangehörigkeit erworben habe, sei am 1 * Oktober 1953 int Sinne der dem § 160 Abso 2 S« 1 BEG zugrundeliegenden rechtspolitischen Erwägungen nicht schutzlos und daher durch diese Vorschrift nicht begünstigt» Zu Unrecht rügt die Revision, das Oberlandesgcricht hätte jedenfalls prüfen müssen, ob der Kreis der Verfolgten, dem die Klägerin angehöre, von der französischen Regierung tatsächlich allgemein entschädigt werde* Hierzu hat bereits das Landgericht (Bl* 32 GA) es mit Recht für unerheblich erklärt, ob der Gesetzgeber zutreffend angenommen habe, bei Erwerb einer neuen Staatsangehörigkeit vor Beendigung der Verfolgung wordo dor neue Heimatstaat seine Bürger tatsächlich auch entschädigen* Ebenso hat das Berufungsgericht in seinem Urteil vom 24» März 1961 (RzW 1962, 39 Nr* 22 4jC7) Wie bereits vom Landgericht (Bl. 32 GA) mit Recht hervorgehoben, gilt das besonders auf den Gebiet der §§160 ff BEG, durch die der Gesetzgeber nur eine sehr eingeschränkte Entsohädigung gewähren wollte. August 1944 angegeben hat, hat sie nicht nach Beendigung, sondern noch während der Verfolgung die französische Staatsangehörigkeit erworben, so daß ihr Ansprüche nach § 160 Abs. 2 S.