BGH · IV ZR 123/62 vom 08.02.1962
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Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 9« November 1962 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Rpske, Wüstenberg, Maaß und Br. Loewenheim für Recht erkannt: Später wurde der Entschüdi-gungsbehörde bekannt, daß die Klägerin, nachdem sie ihre berufliche Tätigkeit aufgegeben hatte, seit dem Februar I960 aus der Social Security ein Altersgeld von monatlich’ Auf die Berufung der Klägerin hat das Oberlandesgericht den Rentenänderungsbescheid vom 8« November i960 aufgehoben« daß sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der Festsetzung der Rente durch den Bescheid vom 4« Juli I960 nicht geändert haben? 2. Las Berufungsgericht ist zutreffend davon ausgegangen, daß der Arbeitsverdienst, den die Klägerin aus ihrer Tätigkeit als Gouvernante und Sekretärin in den Vereinigten Staaten bezog, auf einer ihr nicht sumutbaron Arbeit beruhte, da sie bereits zur Zeit ihrer Auswanderung in die Vereinigten Staaten das 45- Lebensjahr Uberschritten hatte (§ 13 Abs.4 Satz 2 Br. 21. DV-BEG), und daß deshalb bei der Festsetzung des Hundertsatzes der der Klägerin zustehenden Rente wegen Schadens an Leben nach § 18 Abs. 2 BEG der aus einer solchen Tätigkeit bezogene Arbeitsverdienst unberücksichtigt bleiben muß, wie sich aus § 13 Abs.3 Br. 1 1. Es kann jedoch nicht der Auffassung des Berufungsgerichts beigetreten werden, daß deshalb auch die Rente, die die Klägerin aus der Social Security erhält und die, wie in dem angefochtenen Urteil zutreffend ausgeführt wird, ausschließlich auf der unzu demutbaren Erwerbstutigkeit beruht, ohne weiteres bei der Festsetzung des Hundertoatzes der Rente außer Betracht bleiben müßte. Vielfach gehen vielmehr, wenn die Srwerbstätigkeit dos Verfolgten nur in der letzten Zeit unzu demutbar war, die Bezüge aus der Sozialversicherung oder ähnlicher Einrichtungen, die er erhält, auf die vorher ausgeübte Erwerbstätigkeit in ihrer Gesamtheit zurück, und es wird dann recht schwierig, wenn nicht überhaupt undurchführbar sein, sie danach aufzuteilen, in welchem Umfang sie auf die zu demutbare und in welchem Umfang sie auf die unzu demutbare Erwerbstätigkeit entfallen, zu demal dafür die verschiedensten sozialversicherungsrechtliehen odor sonstigen Vorschriften des jeweils in Betracht kommenden Landes naP-gebend sein können. Versorgungsbezüge, die mit dem Tode des Verfolgten in keinem rechtlichen Zusammenhang stehen, fallen deshalb immer in vollem Umfang unter § 13 Abs.3 Nr. 7 l.DV-BäG Nur diese dem Wortlaut der Vorschrift entsprechende Auslegung schafft die notwendige Klarheit und Eindeutigkeit, die für ihre Anwendung unerläßlich ist. DV-BEG kommt die Festsetzung der Rente zu einem geringeren als dem vollen Hundertsatz nur in Betracht, wenn das bei Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Hinterbliebenen berechtigt ist. Bas Vorhandensein zu berücksichtigender Versorgungsbczüge nötigt deshalb nicht ausnahmslos dazu, die Rente in einem Hundertsatz von weniger als 100 # nach der Regel des § 15 Aba.5 BV-BEG festzusetzen; vielmehr greift diese Regol nur ein, soweit sich bei einer Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse die*Berücksichtigung der Versorgungsbezüge als geboten erweist (Urteile des Senats RzW 1959, 503 Nr. 19? Nicht nur können das Alter des Berechtigten, sein Gesundheitszustand und seine darauf etwa beruhenden erhöhten Bedürfnisse ins Gewicht fallen; erheblich kann auch sein, daß dem Berechtigten nach der Aufgabe der unzu demutbaren Arbeit und dem Wegfall des dafür gezahlten Entgelts an Versorgungsbezügen im Ergebnis kein höherer odor sogar ein geringerer Betrag zur Befriedigung der Lebensbedürfnisse verblieben ist, als er ihm vorher zur Verfügung gestanden hatte« -Es ist möglich, daß dieser Umstand in Verbindung mit den sonstigen vorliegenden Verhältnissen es als gerechtfertigt erscheinen lädt, trotz des Vorhandenseins von Versorgungsbezügen, soweit sie auf einer unzu demutbaren Erwerba-tätigkeit beruhen, von einer Ermäßigung des Hundertcatzes der Eente abzusehen oder doch nur einen Teil dieser Versorgungsbezüge für die Ermäßigung des Hundertsatzes heranzuziehen, die auch dann aber unter Zugrundelegung dieses Teils der Versorgungsbezüge schematisch nach der Hegel des § 13 Abs« 5 Satz 2 1« DV-BEG zu erfolgen hat. Damit kann weitgehend allen Umständen des Einzelfalles und den berechtigten Belangen des Hinterbliebenen Rechnung getragen werden, insbesondere auch in den Fällen, in denen die Versorgungsbezüge teils auf eine zu demutbare, teils auf eine unzu demutbare Erwerbetätigkeit zurück*-gehen; Ohne daß das auf Grund der anzuwendenden Vorschriften im einzelnen geklärt zu werden braucht, können auch dann durch eine pauschale, aber umfassende Berücksichtigung der Verhältnisse richtige Ergebnisse erzielt werden« 3. -Da das Berufungsgericht angenommen hat, daß Ver-sorgungsbezüge, dio auf einer unzu demutbaren Erwerbstätigkcit beruhen, bei der Festsetzung des Hundertsatzes von vornherein unberücksichtigt bleiben müssen, hat es die nach §18 Abs. 2 Satz 1 3BG vorgesehene Prüfung unterlassen» Dabei handelt es sich um eine weitgehend dem Tatsachenbereich angehörenäer Würdigung der Verhältnisse, die das Revisionsgericht nicht vornehmen kann» Der Rechtsstreit ist mithin noch nicht zur Bndentscheidung reif.Unter Aufhebung des angefochtenen Urteils muß die Sache in die Vorinstanz zurückverwiesen werden« Das Berufungsgericht wird die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse der Klägerin umfassend zu prüfen haben und dabei auch die Veränderung ihrer wirtschaftlichen Lage in Rechnung stellen müssen, dio dadurch eingetreten ist, daß sie ihre Srwcrbstätigkeit aufgegeben hat und nurjmehr eine Versorgungsrente bezieht, und es wird dann darüber entscheiden müssen, ob die Berücksichtigung dieser wirtschaftlichen Verhältnisse eine Festsetzung der Rente zu einem geringeren als dem vollen Hundertsatz rechtfertigt und ob aus diesem Grunde der Rent enände rung s-bescheid vom 8» November I960 ganz oder teilweise aufrecht zu erhalten oder aufzuhoben ist»