BGH · IV ZR 120/60
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Bis* Revision der Kläger gegen das Urteil des 9« Zivilsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts zu Hamburg vom 13» Januar I960 wird zurückgewiesen» Da das beklagte Land trotz ordnungsmäßiger Ladung im Verhandlungstermin nicht vertreten war, ist gemäß § 209 Abs.3 BEG auf Grund der einseitigen Verhandlung der Kläger zu entscheiden. spruch als unbegründet angesehen, weil der Erblasser keine der in § 4 BEG aufgeführten Anspruchsvoraus-Setzungen erfülle» Insbesondere seien beim Erblasser die VorausSetzungen des § 4 Abs» 1 Nr, 1 Buchst« c BEG nicht gegeben gewesen» Der Erblasser sei aus Italien mit seiner Familie nach Ostpreußen mit der Absicht zu-rückgokehrt, hier zu bleiben und nach Verbüßung der wegen Zollhinterziehung Uber ihn verhängten Gefängnisstrafe ein neues leben zu beginnen» Seine Auswsnderer-eigenschafi sei im Augenblick der BUckkehr erloschen gewesen» Darauf, ob ein Auswanderer nach seiner BUckkehr in einen nicht zu dem Gebiet der Bundesrepublik gehörenden Teil des Altreichsgebietes dort seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt neu«begründet habe, komme es nicht an» Zudem habe der Erblasser in Ostpreußen wieder dauernden Aufenthalt genommen, da er sich vor dem Beginn 8oiner Strafverbüßung einige Zeit in diesem Gebiet verstockt aufgehalten habe» Für einen dauernden Aufenthalt genüge ein längeres Verweilen an einem Ort» Ob dies in einem Versteck oder in der Öffentlichkeit geschehe, sei gleichgültig» 2» Die Angriffe der Bevision gegen die Bechtsauf-fassung des Berufungsgerichts sind unbegründet« Bechtlich zutreffend geht das Berufungsgericht davon aus, daß die Entscheidung über den geltend gemachten Haftentschädigungs anspruch von der Frage abhängt, ob der Erblasser eine dor in § 4 BEG vorgesehenen Anspruchsvoraussetzungen er«* füllt» Entgegen der Meinung der Bevision kommt es daher nicht darauf an, ob die Kläger selbst seit 1944/1945 im Gebiet der Bundesrepublik wohnen» Die Büge der Bevieion, das Berufungsgericht habe hierüber keine Feststellungen Demgemäß sind nunmehr auch diejenigen Verfolgten voll anspruchaberechtigt, die nur eine räumliche Beziehung zu deutschen Gebieten außerhalb des Geltungsbereiches des Gesetzes haben, wenn diese Gebiete zu dem Deutschen Reich nach dem Stande vom 31, Dezember 1957 gehört haben,, die Verfolgten also aus deutschen Vertreibungsgebieten und aus der heutigen Sowjetzone ausgewandert, deportiert oder ausgewiesen sind und jetzt im Auslands leben oder von dort in den Geltungsbereich des BEG zuxückgekehxt sind. 204, dargelegt hat, nicht so weit, daß es nur noch auf den rein tatsächlichen Vorgang der Auswanderung, Deportation oder Ausweisung des Verfolgten und nicht vielmehr auf das Fortbestehen des dadurch geschaffenen Zustandes ankäme« Der örtliche Anknüpfungspunkt zu dem früheren Wohnsitz im Beichsgebiet kann seine rechtliche Bedeutung nur so lange behalten, als er nicht durch eine spätere räumliche Beziehung zu diesem Gebiet ersetzt wird« Kehrt der Verfolgte nicht in das Bundesgebiet (vgl« § 4 Abs« 1 Wr« 1 a BEG) , sondern in deutsches Gebiet außerhalb des Geltungsbereiches des BEG zurück, so erlischt die während der Auswanderung- usw« noch bestehende mittelbare räumliche Beziehung zu dem früheren Deutschen Beich und damit auch zur Bundesrepublik durch die Herstellung der unmittelbaren räumlichen Beziehungen sum deutschen Staatsgebiet außerhalb der Bundesrepublik« Der Verfolgte befindet sich dann in der gleichen Bechtslage, als wenn er niemals ausgewandext, deportiert oder ausgewiesen wäre» An dieser Bechtsprechung hält der Senat fest« Eine Anspruchsberechtigung nach § 4 Abs» 1 Nx« 1 c BEG besteht sonach nicht, wenn der durch die Auswanderung geschaffene Zustand einer mittelbaren räumlichen Beziehung zu dem früheren Deutschen Beich durch die Bückkehr in einen außer« halb der Bundesrepublik gelegenen Teil des früheren Altreichsgebietes beseitigt ist« Dabei kann es nicht darauf ankommen, ob der Verfolgte erst nach dem Zusammenbruch Oder noch während der Da£or der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in ein solches Gebiet zurückgekehrt ist« Es besteht kein Grund, diese beiden Fälle verschieden zu behandeln» Folglich kommt es nur darauf an, ob der Erblasser nach Ostpreußen zurückgekehrt ist» Dies hat das Berufungsgericht zutreffend bejaht» Nach seinen Feststellungen begab sich Kurt DflHP aus Italien samt seiner Familie nach Ostpreußen in der Absicht, dort zu bleiben» Diese Feststellungen tragen die Annahme des Berufungsgerichts, daß der Erblasser nach Ostpreußen zurückgekehrt ist und durch diese Bückkehx seine Auswanderer i-genschaft verloren hat» *Hat ein Verfolgter das Land, in das er ausgewandert war, endgültig verlassen und sich wieder in einen Teil des Altreichsgebietes mit der Absicht begeben, dort in Zukunft zu bleiben, so ist mit dem Betreten des Altreichsgebiets der dütch die Auswanderung geschaffene Zustand beseitigt worden» Dabei kann es nicht darauf ankommen, inwieweit der Verfolgte auf deutschem Boden bereits wieder hat Fuß fassen können« Entscheidend ist vielmehr, daß ex dem Auswanderungsland für immer den Bücken gekehrt hat und in seine frühere Heimat - oder in einen anderen (Feil des Altreichsge-bietes - zurückgekehrt ist» Lagen, wie hier, diese Voraussetzungen vor, so kann die Frage, ob der Verfolgte dort bereits wieder einen Wohnsitz begründet oder dauernden Aufenthalt genommen hatte, auf sich beruhen» Ausschlaggebend ist, daß der Verfolgte seine Beziehungen zu dem fremden Land vollständig abgebrochen hat und mit dem Willen zurückgekehrt ist, im Altreichsgebiet für immer zu bleiben und zu ihm eine auf die Dauer angelegte Beziehung zu suchen (vgl. Wach allem hat das Berufungsgericht mit Hecht eine Anspruchsberechtigung des Erblassers*und damit auch der Erben verneint.