Nachschlagewerk; ja Amtliche Sammlung: nein
a) Ein Entziehungsgrund hat sich in der Regel nach Erlaß
des Bescheides herausgestellt, wenn er erst nach Zustellung des Bescheides zur Kenntnis des Sachbearbeiters gelangt ist«
Der Widerruf des Bescheides
Abs
BEG ist
auch dann zulässig, wenn der Bescheid zwar nicht auf den unrichtigen Angaben beruht, diese Angaben aber vor
r
BGH, ürt. v. 18. November I960 - IV ZR 119/6° ~
IG
München
München
Verkündet am
18* November I960
Heil
als
ap
Justizassistent
Urkundsbeamter
der Geschäftsstelle
Klägers und Revisionsklägers
?
Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr
gegen
hat der IV\ Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche
♦
Verhandlung vom 11. November I960 unter Mitwirkung des Senats-
*
Präsidenten Ascher und der Bundesrichter Johannsen, Dr. v. v/erner,
Wilden und Br. Loewenheim
+
♦
■
♦
für Recht erkannt:
+
4
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des
■
■
9. Zivilsenats (Entschädigungssenats) des Oberlandes-
♦
gerichts München vom 1* Juli 1959 wird zurückgev/iesen*
Die Entscheidung ergeht gebühren- und auslagenfrei;
die außergerichtlichen Kosten des Revisionsverfahrens
trägt der Kläger.
*
♦
Von Rechts wegen
♦
«
*
♦
*
Tatbestand:
"Ghetto": von Dezember 1941 bis September 1942,
■
+
nHaftanstalt, gleichzus. Lager, ähnliche Institutionen und Zwangsarbeit11: von September 1942 bis Juli 1944.
*
Mit dem Bescheid vom 18. Oktober 1956 hat das Bayerische Landesentschädigungsamt (BLBA) dem Kläger für einen Schaden
an Freiheit in der Zeit vom 15. Lezember 1941 bis zu dem
*
27. Juli 1944 eine HaftentSchädigung von 4.650 DM zuer-kannt und ausgezahlt.
Am 16. Oktober 1956 ging eine eidesstattliche Ver Sicherung des Klägers vom 21. September 1956 beim BLEA
ein
in der er u. a. ans
vom Juli 1941 an das Juden
kennzeichen getragen und vom November oder Pezeraber 1941 im Ghetto Stanislau gelebt zu haben, aus dem er im Septem
ber 1942 geflohen
Anschließend habe er sich bis zur
Befreiung im Juli 1944 versteckt gehalten
Hierzu überreichte
*
der Kläger eidesstattliche Versicherungen der Zeugen Jakob und Klara Greif
Mit Rücksicht auf diese Erklärung hat das BLEA den
Bescheid vom 18. Oktober 1956 durch Bescheid vom 9. April
. *
1957 widerrufen, dem Kläger eine Haftentschädigung für die
3
Zeit vom 1. August 1941 bis zu dem 19* September 1942 in Höhe von 1.950 DM zugesprochen? den weiteren Anspruch
auf Haftentschädigung nach § 7 BEG versagt und die über
+
den Betrag von 1.950 DM hinaus gewährten Leistungen von 2.700 I'M zurückgefordert.
r*
egen den Bescheid vom
April 1957 hat der Kläger
zunächst mit dem Antrag Klage erhoben, diesen Bescheid auf2uheben und festzustellen, daß der Feststellungsbe
o
cheid vom 18. Oktober 1956 zu Recht ergangen sei
&r
überreichte eine weitere eidesstattliche Erklärung vom
Dezember 1957> in der er näher ausgeführt hat, wie es zu
der Ausfüllung des C-Sogens gekommen sei. Zum Schluß der mündlichen Verhandlung hat der Kläger im ersten Rechtszug
beantragt, ihm eine HaftentSchädigung für die Zeit vom
Augu
S o
1941
ois
4a
um 27. Juli 1944 unter Anrechnung der
in den Bescheiden vom 18. Oktober 195o und 9. April 1957
bereits gewährten
4.
Leistungen zuzue
Kennen
Das Landgericht hat durch das Urteil vom
Juli 1957
den Widerrufsbescheid vom
April 1957 aufgehoben und den
Beklagten verurteilt
9
dem
t*
JY
r über die mit Bescheid vom
18
Oktober 1956 zuerkancte HaftentSchädigung hinaus eine
weitere Haftentschädigur;; für 4 Monate im Betrag von 600 DM
■
zu zahlen.
Auf die Berufung des beklagten Landes hat das Berufungsgericht das Urteil der 1. Entschädigungskammer des
♦ »
Landgerichts in München I vom 8. Juli 1958 aufgehoben und
*
die IQage abgewiesen.
JSit der von dem erkennenden Senat durch den Beschluß
♦
■
vom 19* Eebruar I960 zugelassenen Revision beantragt der
*■
^ V
das Urteil des 9* Zivilsenats des Oberlandesgerichts
in München vom 1«, Juli 1959 aufzuheben.
Das beklagte Land beantragt*
■
die Revision des Klägers zurückzuweisen.
*
*
*
Das Berufungsgericht geht bei seiner Entscheidung da von aus, daß das beklagte Land den zu Grünsten des Klägers erlassenen Bescheid vom 18* Oktober 1956 noch rechtswirk
sam gemäß
2o1 Abs. 1 BEG habe
derrufen können, obwohl
die eidesstattliche Versicherung des Klägers vom 21
Sep
tember 1956, die der Grund für den
des Widerrufsbe
scheides vom
April 1957 war, ausweislich des Eingangs
Stempels bereits am 16. Oktober 1956 bei der Entschädigungs behörde des beklagten Landes - dem BLEA - eingegangen sei. Dieser rechtliche Ausgangspunkt der Entscheidung des Beru
fungsgerichts begegnet keinen Bedenken. Die hiergegen
♦
richteten Angriffe der Revision sind unbegründet
Bei Vorliegen eines Entziehimgsgrundes nach § 7
*
Abs. 2 BEG kann die Entschädigungsbehörde einen zu Gunsten
♦ ♦
des Antragstellers erlassenen Bescheid nach der Vorschrift
*
des § 2o1 Abs. 1 BEG nur widerrufen, wenn sich "nach Erlaß
*
des Bescheides11 herausstellt, daß ein Entziehungsgrund
♦
vorliegto Die gleiche Beschränkung enthält § 7 Abs. 2 BEG
+
+
für die Entziehung des Entschädigungsanspruchs. Die gesetzliche Regelung stellt, wie das Berufungsgericht mit Recht annimmt, erkennbar auf die Kenntnis der Entschädigungsbehörde von dem Vorliegen des Entziehungsgrundes ab.
Hierbei kommt es auf die Kenntnis des für den Erlaß des
>
Bescheide
ntwortlichen Bearbeiters an. Sind an dem
Erlaß des Bescheides mehrere Bearbeiter verantwortlich be
teiligt, so bedeutet bereits die Kenntnis eines Bearbeiters
die Kenntnisnahme durch die Behörde. Dies beruht auf der
Erwägung, daß ein Widerrufsgrund sich für die Entsehädi
gungsbehörde erst herausstellt, wenn sie von dem Widerruf
s
grund Kenntnis erhält. &s ist nicht richtig, wie die Revi sion meint, daß ein Widerrufsgrund sich im Sinne des Gesetzes
schon dann "herausstellt", wenn die Behörde "in der Lage
ii
9
von dem Widerrufsgrund Kenntnis zu nehmen
ws
reicht
daher regelmäßig nicht aus, daß eine Urkunde, insbesondere
e
Erklärung, aus der sich ein Widerrufsgrund ergibt
9
so
in den Machtbereich der Behörde gelangt ist, daß die Behörde von der Urkunde Kenntnis nehmen konnte, Der bloße Zugang
iner Urkunde genügt grundsätzlich nicht
Zu Unrecht beruft sich die Hevision für ihre abwei
sende Auffassung auf die Gesetzesmaterialien
Die abwei
chenden Bestimmungen in den §§ 95 und 95 a des Regierungs
entwürfe, in denen auf den "Eintritt des Verwirkung
o
oder
Entziehungsgrundes nach Erlaß eines Bescheides" abgestellt
war
9
ergeoen
nichts'für die Auffassung der Revision. Insbe
sondere
ist es nicht richtig, daß unter "Herausstellen" ein
vom Zeitpunk
de
Bearbeitung des Falles durch die Ent
schädigungsbehöi’de unabhängiges Ereignis verstanden werden
müsse * Vielmehr stellt die Formulierung des Gesetzes und
*
der erkennbare Sinn der Bestimmung auf das Kenntnisnehmen der Behörde ab
Der Widerruf des Bescheides vom 18. Oktober 1956 und die teilweise Entziehung des geltend gemachten Anspruchs
nd daher nicht schon deshalb unzulässig
1 die
eides
#
6
fr
+
*
♦
♦
l
l
♦
*
■ I
s
tattliche Versicherung des Klägers vom 21. September 1956 bereits am 16« Oktober 1956 bei dem BBEA eingegangen war
9
während der Bescheid der Behörde erst am 18« Oktober 1956
*
durch den Präsidenten des Amtes unterschrieben und am
22
Oktober 1956 dem Bevollmächtigten des Klägers zuge
stellt wurde« Entscheidend ist, daß die Behörde, wie das
Berufungsgericht auf Grund der besonderen Verhältnisse
des Falles tatsächlich feststellt, von dem Widerrufs
grund erst nach Erlaß des Bescheides Kenntnis erlangte
Die Frage, wie der Pall zu beurteilen wäre, wenn die
*
Behörde infolge einer fehlerhaften Organisation des Amtes oder eines Verschuldens der verantwortlichen Beamten von dem V/iderrufsgrund keine Kenntnis genommen hätte, obwohl dies bei einer ordnungsmäßigen Behördenorganisation und
einer pflichtgemäßen Bearbeitung durch die verantwortli
♦♦
chen Bearbeiter möglich gewesen wäre
Kan
1 _ _•
4^
aamnsuenen, aa
derartige Umstände vom Berufungsgericht nicht festgestellt
worden sind und sich auch aus den Akten nicht ergeben«
*
In den Entscheidungsgründen des Berufungsgerichts wird
*
+
über den zeitlichen Ablauf der Behandlung des Bescheides vom 18« Oktober 1956 folgendes festgestellt:
Per Bescheid wurde als Entwurf am
1956 vom Sach
bearbeiter unterschrieben und am Io.
1956 an die
Finanzmittelstelle zur Prüfung abgegeben. Biese er
klärte am 25« 9.1956 ihr Einverständnis. Ber Bescheid
entwurf gelangte am 28. 9.1956 an das BBEA zurück
wurde am 29
1956 vom Sachgebietsleiter und schließ
lieh am 18
1956 vom Präsidenten unterschrieben
Hiernach begegnet die Feststellung des Berufungsge
richts, es habe sich erst nach dem Erlaß des Bescheides
■
► Oktober 1956 herausgestellt, daß ein Entziehungs
vo
18
grund nach
Abs
BEG vorliege, keinen Bedenken
Bie
*
♦
t
*
*
+
*
*
*
* ■
, ♦
4
fr
* •
♦
.4
♦
♦ u
♦
♦
> * * *
I
*
I
* *
*
4
»
• »
♦ .1
«
>
i
*
*
*
I
*
*
*
»
*
I
t
♦
.
i
*
♦ «
7
Entschädigungsbehörde war daher bei der besonderen Lage
*
des Salles berechtigt, dem Kläger einen Teil des ihm zuerkannten Anspruchs nachträglich gemäß § 7 Abs«. 2 BEG zu ent
ziehen und den Bescheid vom 18* Oktober 1956 im Umfang der Entziehung zu widerrufen*
Die teilweise Entziehung des Anspruchs ist auch mate
riell gerechtfertigt« Das Berufungsgericht nimmt an
9
o
Q
0 7»
Widerrufsgrund nach
2o1
9
Abs
BEG gegeben
sei
Nach
Abs
2 BEG könne der Anspruch auf Entschädigung
ganz oder teilweise entzogen werden, wenn entweder einer
der Versagungsgründe des Abs* 1 vor
oder die Entschei
dung auf unrichtigen Angaben des Berechtigten über die
at
sächlichen Verhältnisse beruhe* Letzteres sei der Fall
Der zusprechende Bescheid vom 18.
u
fcober 1956 beruhe aus-
schließlich
auf den von zwei
Zeugenaussagen bestätigten
Angaben des Klägers m seinem ^nxrag vom
März 1950
und sei für Zwangsarbeiten in der Zeit von Dezember 1941
bis Juli 1944 gewährt worden. Nach
dem
Inhalt der eides
stattlichen Versicherung des Klägers vom 21
Se
P
tember 1958
sei
er dagegen im September 1942 aus dem Ghetto geflohen
und
8L
be sich dann bis zu seiner Befreiung verborgen ge
halten* Er
habe sohin in dieser Zeit auch keine Zwangs
arbeiten geleistet* Der Bescheid vom 18* Oktober 1956 be
ruhe daher auf objektiven, unrichtigen Angaben* Die
rru
Schädigungsbehörde habe ihn nach ihrem pflichtgemäßen
Ermessen widerrufen* Bei der Ausübung ihr
Ermessens habe
sie weder die ihr gezogenen Grenzen überschritten noch habe sie einen zweckwidrigen Gebrauch von ihrer Ermäch
tigung gemacht
Diese Ausführungen des Berufungsgerichts lassen einen
Hechtsirrtum nicht erkennen* Gemäß § 7 Abs* 2 BEG ist die Entziehung des Entschädigungsanspruchs zulässig, wenn
*
■
*
a) der Berechtigte, um Entschädigung zu erlangen,
sich unlauterer Mittel bedient oder vorsätzlich
oder grob fahrlässig unrichtige oder irreführende
%
Angaben über Grund oder Höhe des Schadens gemacht, veranlaßt oder zugelassen hat,
b) die Entscheidung auf unrichtigen Angaben des Berechtigten über die tatsächlichen Verhältnisse beruht«
Wenn das Berufungsgericht annimmt, daß der Versagungs
grunü zu
gegeben sei, weil der Bescheid teilv/eise darauf
beruhe, daß der Kläger von September 1942 bis; Juli 1944
Zwangsarbeit
U
et habe
9
v/äh
nö er sich in Y/irklich
keit nach seiner berichtigten Darstellung in dieser Zeit
verborgen gehalten habe, so ist diese Annahme durch die
♦
tatsächlichen Feststellungen gerechtfertigt, die der Nach
Prüfung im Revisionsverfahren entzogen sind« Richtig ist
9
T
wie die Revision darlegt, daß der
seinen Haftent
Schädigungsanspruch für die Zeit von September 1942 bis
zu dem Juli 1944 nachträglich fallen gelassen und auf die Zeit seiner Inhaftierung im Ghetto von Stanislau von De
zember 1941 bis September 1942 beschränkt hatteo Das er gibt sich aus der ausdrücklichen Erklärung seines Bevoil
Mai 1956
mächtigten vom 22 Stempels am 24. Mai 1956
9
die ausweislich des Eingangs
also fast 5 Monate vor dem Erlaß
Bescheides vom 18* Oktober 1956
bei dem BLEA eingegangen
ist
Die Akten des BLEa sind auch Gegenstand der mündlichen
Verhandlung vor dem Berufvingsgericht gewesen. Die Entschäöi
- ♦
♦
gungsbehörde hat daher in ihrem Bescheid vom 18* Oktober
♦
1956 dem Kläger auch Haftentschädigung für eine Zeit zuge
*
sprechen, für die dieser auf die Zubilligung einer Ent
*
Schädigung verzichtet hatte* Zwar hat der Kläger mit dem Schriftsatz seines Bevollmächtigten vom 13. Oktober 1956
eil seines Haftentschädigungsanspruchs wiederaufge
\ 4
diesen
m
x
9
nommen und
inen Anspruch auch auf die Zeit von
ptember
1942 bi
s
Juli
1944 erstreckt» Allein dieser Antrag muß bei
T
der Beurteilung der Frage, ob die Entscheidung der Behörde
vo
18
Dezember 1956 zu dem Teil auf den unrichtigen Angab
Klägers
uh
V
9
außer Betracht bleiben, weil der
trag
vom 13o Oktober 1956 bei Erlaß des Bescheides vom 18
Ok
tober 1956 noch nicht bekannt geworden
Auf die Aus
flihrungen unter
wird insoweit verwiesen« Danach beruht
wenn auch auf Grund der fehlenden Berücksichtigung de
s
Schreibens des Klägers vom 22« Mai 195o
der Bescheid der
Behörde vom 18* Oktober 1956 auf den Angaben des Kläger0
O ,
deren objektive Unrichtigkeit in Bezug auf die Behauptung
de
geleisteten Zwangsarbeit das Berufungsgericht zutref
fend festgestellt hat« Gerade die Tatsache, daß die
hörde dem Kläger auch Haftentschädigung für die in de
Zeit von September 1942 bis Juli 1944 geleistete Zwang
o
arbeit zuerkannt hat, macht besonders deutlich, daß dieser Teil der Entscheidung auf den unrichtigen Angaben des
Klägers in seinem
Antrag vom
1950 beruht
Die
Verwaltungsbehörde hat auch nicht verkannt, daß auf
und
des
Abs
2
BEG (Entziehungsgrund zu b) '} eine Ent
u
iehung des Entschädigungsanspruchs nur in dem Umfang zu
lässig ist,
in dem der Anspruch auch bei richtiger Dar
Stellung des Schadenstatbestandes nicht begründet sein würde, daß also die unrichtigen Angaben für die Zuerkennung des Anspruchs kausal sein müssen« Denn in dem Bescheid vom
April 1957 ist dem Kläger der Haftentschädigungsanspruch
für 13 Monate für die Zeit vom 1« August 1941 bis zu dem
19
September 1942 belassen worden (Bl
17
9
18 d. A
a
BliEA)
Allein darauf, ob der Bescheid auf unrichtigen Angaben
des Klägers beruht
9
kommt es für die Entscheidung des vor
liegenden
überhaupt nicht an. Denn die teilweise
Versagung des Entschädigungsanspruchs ist schon deshalb
gerechtfertigt, weil der Kläger, um Entschädigung zu erlangt
10
üb
er
Grund oder Höhe des Entschädigungsanspruchs zu dem
mindesten grob fahrlässig unrichtige Angaben gemacht hat Hat ein Verfolgter sich gegenüber den Entschädigungsos
ganen
in solcher Weise vergangen?so kann ein Entschädigungsan pruch auch dann durch Widerruf eines Bescheides entzogen
s
werden, wenn der widerrufene Bescheid nicht auf diesen, dem Verfolgten als Verschulden anzurechnenden Angaben be
ruht (HaW 1958, lol Ni
19)
In diesem Zusammenhang führt
das
Berufungsgericht aus, daß der Kläger beim Ausfällen des
Vordrucks ohne jede Schwierigkeit die Wahrhe
X 0
habe angeben
können, wenn er der Zeitangabe hinzugesetzt hätte:
it
Ver
steckt'1 * Dazu sei er umsomehr veranlaßt gewesen, als er gewußt habe, in der genannten Zeit tatsächlich in keiner
Haftanstalt, keinem L
oder ähnlichen Institutionen ge
wesen zu sein
9
a
t recht keine Zwangsarbeit verrichtet zu
haben. Der Kläger habe grob fahrlässig die Wahrheit ver chwiegen und darüber hinaus den Vorc
ruck so
ausgefüllt
9
da
er der Wahrheit zuwider den Anschein erweckt habe
9
während der genannten Zeit in einer Haftanstalt
9
im
festgehalten worden zu sein oder Zwangsarbeit verrichtet
zu haben. Gleichzeitig habe er sich die
imrichtigen
Angaben
durch Zeugen bestätigen lassen. Wenn er damals den genauen Sinn der in englischer Sprache abgegebenen Zeugenerklärungen
insbesondere soweit sie vorgedruckt gewesen seien, nicht ge
*
habe er leicht, zu demal da er den Vordruck
aiint haben sollte
cv
9
nicht ohne Beratung ausgefüllt habe, sich nach dem Sinn der
♦
ihm damals fremden Ausdrücke erkundigen können und müssen.
Der Kläger habe mindestens grob fahrlässig unrichtige und irreführende Angaben in seinem ursprünglichen Antrag über
Grund und Höhe seines Schadens an Freiheit gemacht und sol
*
che Dritter zugelassen. Das BLSA sei sohin befugt gewesen,
den Anspruch auf Entschädigung ganz oder teilweise zu ver
♦
sagen- Wenn das Berufungsgericht auf Grund seiner Prüfung
*
*
4
*♦
t
t
*
zu dem Ergebnis gekommen ist, daß der Kläger in seinem
*
*
***
L*.\V
1 1
♦
ursprünglichen Antrag zu demindest grob fahrlässig unrichtige
und irreführende Angaben über Grund und Höhe seines Scha
*
dens an Freiheit gemacht und solche Dritter zugelassen
habe
9
so ist diese Feststellung aus Hechtsgründen nicht
*
zu beanstanden*, Ohne rechtliche Bedeutung ist hierbei
9
daß eine Entschädigung für Freiheitsentziehung für die Zeit
von September 1942 bis Juli 1944 unter Umständen nach den
Vorschriften des BEG auch dann begründe
sein
% «
te, wenn
der Kläger in dieser Zeit nicht
^wangsaroeix g
et
7
son
dern sich versteckt gehalten hatteo Ein solcher Anspruch
könnte nach
47 BEG in Betracht kommen, wenn die tatsäch
liehen Feststellungen
n
viie Annahme rechtfertigten,
daß
der Kläger in di
Zeit unter menschenunwürdigen
e
dingungen in der Illegalität gelebt hatte
Für die Fr
9
ob die Angaben des Klägers seinerze
* #
w
u
vorsatznen oaer
grob fahrlässig gemacht wurden, darf die Hecht
nicht
außer acht gelassen werden, die
7^1 vi
Zeit der Antragstel
lung am 20* März 1950 bestände Damals gal
ü
das üoEG
Ein Anspruch wegen Freiheitsentziehung bestand nach die
se
gesetzlichen Hegelung gemäß $ 15 nur, wenn ein Ver
folgter in der Zeit zwischen dem
“ZA
ü
Januar 1933 und den
8. Mai 1945 im Zuge der Verfolgung in politischer Haft
*
gehalten wurde, gleichviel ob die Haft inner- oder außerhalb eines Landes in der damaligen amerikanischen Besatzungszone verhängt oder vollzogen wurdeo Als politische Haft galten
gemäß Abs
2
der genannten
Vorschrift polizeiliche oder
militärische Inhaftnahmen, Untersuchungshaft, Strafhaft
9
Konzentrationslagerhaft, Ghettohaft und Zuweisung zu einer
Y/ehrmachtsstrafeinheit
if
ine Entschädigung
eben in
der Illegalität sah das USEG nicht vor« Wenn der
daher angab
*
in seiner Person seien die tatsächlichen
Voraussetzungen des
5 1
aaO erfüllt, so kann dies nur
eschehen sein
9
um
o
ich Entschädigungsleistungen zu ver
chaffen, auf die nach dem damals geltenden Gesetz ein
>7
12
*
*
Rechtsanspruch nicht bestand. Daß die Behauptung d©9 Klägers, er habe in der Zeit vom September 1942 bis Juli 1944 Zwangsarbeit geleistet, den Tatsachen nicht entsprach und der Kläger diese Behauptung zu demindest grob fahrlässig zu dem Zweck aufgestellt hat, um Entschädigung 2u erlangen, ist von dem Berufungsgericht deshalb zutreffend angenommen worden.
*
*
* r
i ♦ %
f,
V
£
♦ i
V ■
V
«
t
4
• 4
l.
* •
S'
%
».
♦* ► •
*
J •
V-
V
i.
♦
i *
M .
*4 *
9
«
*t *
. »"
?*- -
*
\
t 4
*
«
• '
*
p
4
4
*
4
>
*
*
4
4
I
. Die Entscheidung der Entschädigungsbehörde selbst
unterliegt der richterlichen Prüfung nur in den Grenzen
de«
211 BEGo Hierzu hat das Berufungsgericht
ausgeführt,
daß das BLEA das ihm eingeräumte Ermessen nicht mißbräuch
lieh ausgeübt habe. Die Behörde habe die Grenzen des Er
.
♦
raessens nicht überschritten und sich nicht von unsachlichen
Erwägungen leiten lassen. § 7 BBG solle Verstöße gegen die
gerade im Entschädigungsverfahren in erhöhtem Maße bestehende
*
*
Wahrheitspflicht der Antragsteller ahnden. Es solle ein
*
Riegel gegen unlauteres Verhalten und unwahre Angaben vor
*
schieben. Diesem Zweck entsprechend habe das BLEA von sei
nem Ermessen Gebrauch gemacht. Indem es die Entschädigung
.
nicht ganz, sondern nur teilweise versagt habe, habe es
auch den Umstand berücksichtigt0 daß der Kläger seine
*
unrichtigen Angaben selbst berichtigt habe, bevor Zweifel gegen die Wahrheit seiner bisherigen Angaben aufgetaucht seien* Die Ermessensentscheidung habe sohin ersichtlich
alle erheblichen Umstände berücksichtigt
Auch
diese Ausführungen bestehen keine recht
liehen Bedenken. Der Widerrufsbescheid des BLEA vom 9* April
1957 wird den
t?
fordernissen gerecht
9
di
nach der Recht
sprechung des erkennenden Senats an die Reehtswirksamkeit einer Ermessensentscheidung zu stellen sind. Der Bescheid
der Behörde bringt klar zu dem Ausdruck, daß der Antr nach der Auffassung
v
eller
BLEA vorsätzlich unrichtige Angaben
über die Höhe des Schadens Seemacht habe und daß ebr erg.n
gene Bescheid auf diesen teilweise unrichtigen Angaben be
ruhe« Die Behörde
r sien auch darüber im klaren
9
daß
sie eine Ermessensentscheidung zu treffen hatte; denn sie
hat,
wie in dem Bescheid ausdrücklich hervorgehohen ist
9
den Entschädigungsanspruch wegen Freiheitsschadens nur
teilweise entzogen und die Entziehung auf diesen
enaden
beschränkt, obwohl
aer
Kläge
auch Entschädigung wegen
Schadens an der
sundheit sowie an Eigentum und Vermögen
geltend
ha
Kt
Durch diese Beschränkung der Ent
Ziehung
t die Behörde die Ixiteressen des Klägers, ins
besondere die von ihm behauptete mangelnde Kenntnis der
englischen Sprache
9
&
♦
hinreichend berücksichtigt
Richtig
ist
9
daß die Behörde
Erlaß des Widerrufsbescheides die
teilweise Rücknahme des Entschädigungsantrages durch den
Kläger offenbar unberücksichtigt
1
assen hat. Das recht
fertigt aber nicht die Annahme, daß die Entscheidung
er
Behörde mißbräuchlich sei und die ihr durch
211 BEG
gezogenen Grenzen einer ErmessensentScheidung überschrit
ten haben« Das Gesetz stellt
im § 211 BEG für den Umfang
des Nachpz'üfungsrechts des Gerichts nicht auf die sachii
che Richtigkeit de
rmessensentscheidung der Behörde ab
14
Das Gericht kann sein Ermessen nicht an die Stelle des Ermes-
♦
sens der Entschädigungsbehörde setzen* Der Gesetzgeber stellt
vielmehr auf einen generellen Maßstab ab« Das Gericht kann die Entscheidung der Entschädigungsbehörde nux* aufheben? wenn die Behörde außerhalb der Grenzen des Ermessens entschieden hat
oder Sinn oder Bedeutung einer Ermessensentscheidung von der
■
Behörde verkannt worden sind« Im vorliegenden Fall wirft die
+
Revision der Behörde aber nur vor? daß die Ermessensentschei-
*
dung sachlich unrichtig sei* Diese Frage unterliegt nicht der gerichtlichen Nachprüfung. Es bedeutet daher auch keinen Verstoß gegen § 286 ZPO, wenn das Gericht bei seiner Prüfung der Ermes-sensentscheidung der Behörde die teilweise Rücknahme des Entschädigungsanspruchs durch den Kläger unberücksichtigt gelassen
hat*
*
Die Entscheidung über die Kosten erfolgt aus § 97 ZPO,
*
§ 225 Abs* 1 BEG*
Ascher Johannsen Bundesrichter Wilden Dr*Ioev enheira
Pr* V* Werner ist in den Ruhestand getreten und daher verhindert zu unterschreiben
Ascher
*