BGH · IV ZR 118/63 vom 30.01.1963
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gegen das Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch den Regierungspräsidenten in Düsseldorf, Beklagten und Revisionsbeklagten, hat der IV« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 27* November 1963 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichter Johannsen, Y/ilden, Br. Loev/enheim und Br. Graf für Recht erkannt: 1945 war er Soldato Sein Gesuch um Übernahme in den Yorbe reitungsdienst des höheren juristischen Dienstes wurde am 18« September 1941 durch den Oberlandesgerichtspräsidenten in Düsseldorf mit der Begründung abgelehnt* daß er nicht Mitglied der NSDAP oder einer dieser Partei angeschlossenen Gliederungen oder Ver bände sei« Als Soldat befand sich der Kläger in der Seit vom 20 Februar 1942 bis zu seiner Verurteilung 1950 an den Oberlandesgerichtspräsidenten in Düsseldorf und an den Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen beanspruchte der Kläger Gewährung und Nachzahlung der Diäten, die ihm im Falle der Übernahme in den Yorbe reitungsdienst nach dreijähriger Kriegszeit ab Mai 1944 zugestanden hätten. Juli 1948 gezahlt« Am 11« Juli 1951 richtete der Kläger ein weiteres Gesuch an den Justizminister mit dem Anträge, ihm im Wege der Wiedergutmachung auch diejenigen Diäten zuzuerkennen, die ihm für die Zeit vom 18« November 1944 Dieser Antrag wurde zunächst durch den Oberlandesgerichts Präsidenten bearbeitete Unter dem 7« Februar 1952 teilte der Justizminister dem Kläger mit, daß das Gesetz zur Regelung der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts für Angehörige des öffentlichen Dienstes i.d«l\ vom 11o Mai 1951 (BWGöD) in Fällen seiner Art eine Wiedergutmachung nicht vorsehe, jedoch landesrechtliche Gesetze in Vorbereitung seien, die voraussichtlich den Anspruch regeln würden, es werde ihm anheimgestellt, seinen ’Wiedergutmachungsantrag später zu wiederholen» 1949 an die zuständige Entschädigungsbehörde in Düsseldorf weiter zu leiten* Die VerwaltungsVorgänge wurden im Juli I960 an den Regierungspräsidenten in Düsseldorf abgegeben« Der Kläger verfolgte seine Ansprüche vor dieser Behörde weiter« Unter Hinweis auf sein früheres Vorbringen verlangte er eine KapitalentSchädigung gemäß § 102 BEG für die ihm in der Zeit von Mai 1944 bis Ende Juni 1948 aus politischen Gründen vorenthaltenen Assessorendiäten« Zugleich beanspruchte er die Gewährung einer Haft ent Schädigung, weil er v/egen seiner politischen Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus und der Beschuldigung, Wehrkraftzersetzung betrieben zu haben, im Jahre 1942 mehr als 4 Monate lang in militärischer Untersuchungshaft eingesessen habe« Der Regierungspräsident lehnte die Ansprüche des Klägers durch den Bescheid vom 27« Oktober 1961 ab, weil sie verspätet erhoben worden seien« Gegen den ablehnenden Bescheid hat der Kläger Klage erhoben und Mit der vom Berufungsgericht zugelassenen Revision verfolgt der Kläger seinen Anspruch, ihm wegen Schadens im beruflichen Fortkommen eine Entschädigung von 3 136 DM und wegen Schadens an Freiheit eine solche von 750 DM zu gewähren, weiter» 1» Soweit der Kläger im Revisionsrechtszug geltend macht, daß das Berufungsgericht mit Rücksicht auf di Rüge der unvorschriftsmäßigen Besetzung der Entschä digungskammer des Landgerichts diese war am Tage der Verkündung des Urteils am 27» April 1962 mit einem Landgerichtsrat und zwei Gerichtsassessoren besetzt tscheiden dürfen nicht in der Sache selbst hätte en kann er keinen Erfolg haben» Auch wenn die Besetzung gegen den Sinngehalt der Artikel 92, 97 und 101, 99 OG verstoßen haben sollte, brauchte das Berufungsgericht aus diesem Grunde den Rechtsstreit nicht an das Rechtlich nicht unbedenklich ist die Annahme des Berufungsgerichts, daß der Kläger aus den Gründen des olgt word sei Der Kläger ist nicht in den Vorbereitungsdienst übernommen worden, weil er nicht Mitglied der NSDAP oder einer dieser Partei angeschlossenen Gliederungen oder Verbände war. Es mag dahinstehen, ob der Kläger ein politischer Gegner des Nationalsozialismus war« Rechtliche Zweifel bestehen jedenfalls auf Grund des festgestellten Sach-Verhalts gegen die Annahme, daß der Kläger von den nationalsozialistischen Machthabern wegen seiner Nichtzugehörigkeit zur NSDAP oder einer ihrer Glie- derungen oder Verbände als Gegner des Nationalsozialismus angesehen und deshalb vom Vorbereitungsdienst ausgeschlossen wurde« Es wird mit beachtlichen Gründen die Auffassung vertreten, daß niemand mit der Begründung Entschädigungsansprüche wegen Schadens im beruflichen Fortkommen geltend machen könne, er sei wegen seiner Nichtzugehörigkeit zur Partei nicht befördert worden (vgl Bless in/Ehr ig/Wi1d en, BWGöD) «- Denn in einem solchen Palle will der Antragsteller entschädigt werden, weil er die Vorteile der Zugehörigkeit zur NSDAP oder einer ihrer Gliederungen für sich in Anspruch nehmen will« Es liegt nahe, diese Erwägung auch in den Fällen Platz greifen zu lassen 231 BEG dann nicht, wenn der Anspruch auf Entschädigung bereits auf Grund bisher geltender Vorschriften oder Verwaltungsanordnungen angemeldet war, Die tatsächlichen Voraussetzungen der genannten Vorschrift sind erfüllt. Denn er verlangte Wiedergutmachung für den Schaden, der ihm durch die aus politischen Gründ in der Zeit von 1944 bis Mitte 1948 erfolg ausbildungsmäßige Benachteiligung zugefügt worden war Der Justizminister war auch für die beamtenrechtliche Wiedergutmachung die zuständige Anmeldebehörde Zur Zeit der Stellung des Antrages war das Gesetz zur Regelung der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts für Angehörige des öffentlichen Dienstes vom Kläger seinen Antrag bei der zuständigen Behörde angeraeldet hatte, so daß insoweit gegen die Anwendung des keine Bedenken bestehen» Es fragt sich jedoch die Vorschrift auch dann Anwendung findet, wenn Antragsteller einen Anspruch wegen Benachteiligung im fentlichen Dienst geltend gemacht hat ’’Die beamtenrechtliche Wiedergutmachung ist durch das Gesotz vom 11* Mai 1951 (BGBl I 291) geregelt wordeno Dieses Gesetz sieht eine Wiedergutmachung für Fälle Ihrer Art nicht vor« Ein Anspruch auf Nachzahlung von Bezügen aus der Zeit vor dem 10 April 1950, dem Tage des Inkrafttretens des Gesetzes, wird jedoch voraussichtlich durch das allgemeine Wiedergutmachungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen geregelt werden« Ich stelle Ihnen Der Antrag des Klägers vom Mai I960 ist nach alledem verspätet. Nachdem der Justizminister ihm ausdrücklich anheimgegeben hatte, nach Änderung der Rechtslage einen neuen Antrag zu stellen, durfte er nicht nach Verkündung des BErgG sieben Jahre warten, bis er einen neuen Antrag stellte, zu demal er an der Entscheidung wegen des Entganges der ihm nach seiner Meinung zu Unrecht vorenthaltenen Diäten eines Assessors-K unmittelbar interessiert war und aus diesem Grunde die neue gesetzliche Regelung zu dem mindesten dahin hätte überprüfen müssen, ob sie die materielle Anspruchsberechtigung von einem fristgemäßen Antrag abhängig machte oder nicht, auf dessen Notwendig keit seine Aufmerksamkeit auch durch das Schreiben des Justizministers vom 7. Das Berufungsgericht hat danach im Ergebnis äen Anspruch des Klägers mit Recht abgelehnt, so daß die Revision des Klägers mit der Kostenfolge aus § 97 ZPO, § 225 Abs» 1 BEG zurückgewiesen werden muß.