BGH · IV ZR 117/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Nach der Auffassung des Berufungsgerichts ist die der Klägerin zustehende Witwenrente nach § 97 Abs» 1 in Verbindung mit § 85 Abs »2 BIß zu errechnen» Bas Berufungsgericht hat deshalb nach § 85 Abs« 2 Satz 2 BEO die Sozialversicherungsrente von monatlich 364940 DM, die• die Klägerin erhält9 soweit sie monatlich 150 DM übersteigt, auf die Witwenrente nach dem Bundesentschädigungsgesetz von monatlich 161 ,40 DM angerechnet9 so daß diese entfällt» Die Vorschrift des § 97 Abs» 2 BEO hat das Berufungsgericht als unanwendbar beseichnet3 da die Best imung voraussetze, daß die errechnete Bente des Ehe* mannes weniger als monatlich ICO DM betrage und ihm daher die in § 95 Abs» 2, 3 Büß vorgesehene Mindestrente zuge* standen habe; die BerufsSchadensrente des Ehemannes der Klägerin von monatlich 269 DM habe aber die Mindestrente überschritten» Zutreffend ist das Berufungsgericht davon ausgegangeti daß sich die Bente der Witwe des aus einer unselbständigen Erwerbstätigkeit vei'drängten Verfolgten zunächst nach § 97 Ab3» 1 in Verbindung mit § 85 Abs» 2 BEO errechnet, und daß bei dieser Berechnung auch die in § 85 Abs» 2 Satz 2 ■ § 97 BEO verweist in vollem Umfang auf § 85 BEO, also auch auf dessen Abs» 2 Satz 2» Durch die Witwenrente soll der Witwe des im privaten Dienst geschädigten Verfolgten ebenso wie der Witwe des Verfolgten, der in einer selbständigen Erwerbstatigkeit geschädigt worden ist, eine Versorgung gewährleistet werden» Dies ergibt die Begründung zu § 36 c des Regierungsentwurfs (Bl-Drucks„ 2«, Wahlperiode Nr«1949) mit ihrem Hinweis darauf, daß für die Regelung die.gleichen daß sich die Rente des in einer unselbständigen Erwerbstätigkeit geschädigten Verfolgten nach der Kapitalentschädigüng und nicht nach den Versorgungsbezügen eines vergleichbaren Bundesbeamten richtet und deshalb verhältnismäßig niedrig ausfallen kann? die Mindestrente übersteigende Rente erhalten hat, bei gleichen anderweitigen Versorgungsbezügen stärker zu kürzen sein als die Rente, die auf der Mindestrente des § 95 Abs» 2, 3 BEG beruht, und das könnte zur Folge haben, daß im Ergebnis die Witwe, deren Jähemann eine höhere Rente bezog, eine niedrigere ; Witwenrente erhielte als die Witwe, deren Ehemann nur die Mindestrente sage-sprochen worden waro^in solches Ergebnis kann nicht im Sinn des Gesetzes liegen« hinweist und wie nicht in Abrede gestellt werden kann, auf dessen Satz 3, nach dem der Verfolgte mindestens den Betrag, der nach § 93 BEG errechneten Rente erhält. Witwe in jedem Fall die Honte ohne jede Kürzung erhalten ■ oolle o Sinngemäß bedeutet es vielmehr, daß auch dann, wenn wegen der geringen Höhe der nach § 97 Abs<> 1 § 85 Abs* 2 errechneten Rente auf die Mindestrente zurückgegriffen werden muß, die Witwe mindestens die nach der Hegel des § 97 Abs« 1 in Verbindung mit § 85 Abs» 2 BEG errechnete Rente erhält, falls der Betrag der Mindestrente infolge der bei ihr nach § 97 Abs. 2 BEG, § 35 Abs« 2 3« BV-BEG vorzunehmenden Kürzungen im Ergebnis noch unter der Rente des § 97 Abs« 1, § 85 Abs« 2 BEG liegt« Es wäre eine sachlich unberechtigte Bevorzugung der Witwe des im privaten Dienst geschädigten Verfolgten gegenüber der Witwe des in einer selbständigen Erwerbstätigkeit geschädigten Verfolgten, wenn die Verweisung auf § 95 Abs.3 Sat2 3 BEG dahin aufgefaßt würde, daß sie stets die volle Auszahlung von 60 $ der dem Verfolgten selbst zustehenden Rente gewährleiste (ähnlich CLG Düsseldorf RzW I960, 563 Hr. 24, und OBG Stuttgart RsW 1961, 221 Kr. 16, das jedoch annimmt, daß sich die in § 97 Abs« 2 BEG ausgesprochene Verweisung überhaupt nicht auf § 95 Abs.3 Satz % BEG beziehe)» Es ist mithin auch unter Berücksichtigung des § 97 Abs. 2 BEG nicht ausgeschlossen, daß die Witwenrente wegen der anzurechnenden anderweitigen Versorgungsleistungen, durch die die Witwe eine hinreichende Versorgung erhält, stark gekürzt wird oder ganz entfallt. § 97 BEG verfolgt wird» Es soll sichergestellt sein, daß die Witwe des in seinem beruflichen Fortkommen geschädigten Verfolgten nicht mittellos bleibt, aber die Witwenrente ist keine Entschädigung im eigentlichen Sinn für den von dem Ehemann erlittenen Berufsschäden (Begründung zu § 33 b des Regierungsentwurfs)} deswegen werden andere Versorgungsbezüge 1s .gewissem*' Umfang ange rechnet» Die Witwe des im privaten Dienst geschädigten Verfolgten hat darüber hinaus die Vergünstigung, daß ihr durch die Regelung des § 97 Abs» 2 BEG in Verbindung mit 5 95 Abs» 3 BEG, § 35 Abs» 2 3* DV-BBG eine bestimmte Mindestversorgung, nicht aber auf jeden Fall eine nach dem Bundesentschädigungsgesetz zu zahlende Rente, gewährleistet ist» Allgemeine Rechtsgrundsätze stehen einer solchen Regelung, die erst durch das Änderungsgesetz von 1956 geschaffen worden ist, während die Witwe des im beruflichen Fortkommen geschädigten Verfolgten nach dem Bundesergänzungsgesetz keine Rente erhielt*, nicht entgegen» Bei den Rentenleistungen von monatlich 364,40 DM, die die Klägerin von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte aus der Sozialversicherung ihres verstorbenen Ehemannes erhält, handelt es sich entgegen der Meinung der Revision-um Versorgungsbezüge aus deutschen öffentlichen Mitteln, die nicht ausschließlich auf eigenen Geldleistungen des Verfolgten beruhen (§ 24 Abs» 2 Nr« 2, § 35 Abs« 1 3« DV-BEG)» Der Ehemann der Klägerin war, wie sich aus dem im Berufungsurteil in Bezug genommenen Bescheid der Entschädigungsbehörde vom 3Ö» November 1957 in Verbindung mit dem dort angeführten Bescheid vom 13« August 1955 ergibt, seit dem Jahre 1923 bis zu seiner am 26» Januar 1935 aus politischen Gründen erfolgten Entlassung Hausinspektor bei einer Aktiengesellschaft in D 2s kann kein Zweifel daran bestehen, daß für ihn in dieser Zeit entsprechend den geltenden Vorschriften Beiträge zur Angestelltenversicherung gezahlt worden sind* die nicht nur in eigenen Leistungen des Ehemannes der Klägerin bestanden, sondern auch den Arbeitsgeberanteil enthalten haben»auch auf diese Leistungen geht aber die Rente* die die Klägerin von der Angestelltenversicherung erhält, zurück* Darauf, ob der Ehemann die Beiträge seit 1955 ausschließlich aus eigenen Mitteln aufgebracht hat, kommt es deshalb nicht an. Die Leistungen aus der deutschen Angestelltenversicherung können bei der Anrechnung nach § 85 Abs» 2 Satz 2 BEO und bei der Anrechnung nach § 55 Abs» 2 5* DV-BEG auch nicht deshalb unberücksichtigt bleiben, weil die Mittel grundsätzlich allein aus den Beiträgen der Versicherteh und ihrer Arbeitgeber aufgebracht werden* Ungeachtet der Herkunft der Mittel handelt es sich bei der gesetzlichen Rentenversicherung um eine öffentliche rechtliche Einrichtung, deren Leistungen unter die ange* gcbenen Vorschriften fallen, wie durch § 24 Abs* 2 Rr* 2 3. Nach dem Gesetz gilt die Klägerin als hinreichend versorgt, weil sie die Rente aus der Sozialversicherung bezieht, und es ist daher nicht möglich, ihr auf Grund des Bundeoentschädigungsgesetzes eine weitere Rente zuzuerkennen«, Die Revision gegen das Urteil des Oberlandesgerichts, durch das die von dem Landgericht ausgesprochene Abweisung der Klage im Ergebnis mit Recht bestätigt worden ist, muß deshalb zurückgewiesen werden«