BGH · IV ZR 116/51
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
hat der IV, Zivilsenat- des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 7= April 1952 unser Mitwirkung: der Bundesrichter Dr, Lersch, Ascher? Jeder, der nicht mit meinem letzten Willen einverstanden ist, soll' auf das Pflichtteil'gesetzt wer-den." ich stütze die Anfechtung auf § 2078 BGB« Der Erblasser hat in seinem Testament einen Testamentsvollstrecker für die gesetzlich zulässige Zeit eingesetzt o Eine derartige unbegrenzte Einsetzung -eines Testamentsvollstreckers ist rechtlich unwirksam. Der Kläger macht geltend, daß die Beklagte durch erdie Anfechtung des Testaments eindeutig bekundet habe, daß sie mit dem Willen des Erblassers nicht einverstan-V den sei, Sie sei daher auf Grund der Verwirkungsklausel des Testamentes auf den Pflichtteil gesetzt» Da sie je-doch.-nach wie vor den Standpunkt vertrete, sie sei wei-• terhin. Nießbraucherin, .hat er mit der Klage beantragt, festzustellen, daß die Beklagte nur pflichtteilsberech-..tigt .sei und ihr ein Nießbrauch am Nachlaß nicht mehr su-: steheö Die Beklagte hat Kl agab we i sung beantragt und aus ge-führt: Sie habe durch die Anfechtung dem V/illen des Erb- Willen zur Geltung bringen wollen» Die auch nur fürsorglich auf Anraten ihres Anwalts erfolgt, um alle rechtlichen Möglichkeiten im Enulassungsverfahren auszuschöpfen und die Frist des § 2082 BGB nicht zu versäumen c gerieft annimut, daß der Antrag der Beklagten auf Entlassung des Testamentsvollstreckers die Wirkungen der 'Verwirkungsklausel nicht auslöst, sofern ihn ,die Beklagte :1. auf wichtige Gründe nach § 2227 BGB gestützt hat» Dagegen sind die übrigen Erv/ä^ungen,- aus denen der Vorderrichter die Klage a'cwewiesen hat, rechtlich nicht bedenkenfrei':. Die Prüfung des Prozeß- ---:; Stoffes unter diesen Gesichtspunlrten ist rechtlich zu• be -, anstanden, da sie nicht erkennen läßt, ob das Berufungsgericht erkannt hat, worauf es entscheidend ankommt, .glg Daß der Erblasser Zuwendungen von Todes wegen, oder sonstige Bestimmungen für den Pall seines Todes mit der kassatorischen Klausel versehen, d.h», die Bestimmung "•unter der Bedingung treffen kann, daß der „durch, sie Begün-r stigte die Verfügung von Todes wegen nicht "anficht" oder, sie "anerkennt" oder, wie im vorliegenden Fall, mit ihr "einverstanden" ist, ist, obwohl das BGB keine Bestimmung darüber enthält, in ständiger 'Rechtsprechung' und im Schrift tum anerkannt» Da.diese Klausel'eine Bedingung zu einer Verfügung von Todes 'wegen enthält (§ 2074 EGB), hängt -es allein vom willen des Erolassers ab,..an welche Eand^ lungen des Bedachten er die VeiWirkung,des Zugewandten' knüpfen will. * itttiög^führt hat, ist bei der Auslegung der von dem Erblasser v* mit der Klausel verfolgte.Zweck entscheidend zu berücksichtigen»' Der Erblasser kann nicht nur die Absicht ver- folgen, den Bestand 'Seines letzten Willens zu sichern, sondern auch die, weitgehende Streitigkeiten unter den Bedachten 'zu veireideiio Die Klausel kann demgemäß dahin ver-'standen werdenv daß nur ein erfolgreiches Vorgehen des Bedachten die Surafe nach sich ziehen soll, es kann aber’ auch so liegen, daß selbst ein erfolgreiches Vorgehen des Erblassers den angedrohten Verlust nicht zur Folge haben soll, dann nämlich, wenn die getroffenen faßna Zweck dienen, den wahren-'Willen des Erblassers zu bringen, z.B. durch Bestreiten der Echtheit men dem zur Geltung des Testa- Anfechtung des Testaments Kömmt es dem Erblasser aber auch oder egen Willensmängeln» allein darauf an, Streitigkeiten unter den Beteiligten zu vermeiden, dann ist. es ihm nicht verwehrt, zu diesem Zweck im Rahmen der durch-Gesetz und Sitte gezogenen Grenzen Ea.idiungen der Beteiligten ohne nücusicht auf ihre rechtlichen Wirkungen unter: die Strafe des Verlüsts des Zugev;andten- zu stellen, sofern sie geeignet sind, den Frieden unter den Beteiligten zu stören» Es ist daher für zulässig zu erachten, , daß die Androhung im__weitesten Sinne verstanden wird, so daß, wenn dieser Wille im Testament hinreichend zu dem Ausdruck gekommen ist, schon das bloße Behaupten der Unwirksamkeit* der Verfügung zun Verlust des von Todes wegen Zu ge wandten Ist die Venv;ini:un_snlausel im vorliegenden Fall so" zu verstehen, dann dann sich die Beklagte nicht darauf: berufen, daß'sie mit der Anfechtung den nähren Lilien des Erblassers habe zur Geltung bringen vollen.. Auf1 Gern Bemerkungen zu §3 2074 bis 2076 Anm 14), so ist dieser doch dann nie nt seezs zur das _rigrej.ien der Klausel erforderlich, wenn es dem Erblasser darauf ankommt durch die Verwirduzi^shiausei die Störung deo i.eCi.uSiiie-dens unter den Beteiligtem. Das ist aber nicht auf die Anfechtung einer Verfügung von Todes wegen zu übertragen. Denn das Anfechtungsrecht un-': terliegt der freien Verfügung des Anfechtungsberechtigten und der Erblasser verstößt nicht ohne weiteres gegeniGe-setz oder Sitte, wenn er im Interesse des Rechtsfriedens die Geltendmachung dieses Rechts unter die Strafe der Verwirkung stellt. ^irachfung 'und den von-ihr damit verfolgten Absichten zu •befassen, hätte-er prüfen müssen, was der Erblasser mit dem Sät"Jeder, der nicht mit meinem letzten willen ;«einverstanden..ist,soll, auf das Pflichtteil gesetzt wer-den"., bezweckt und zu dem Ausdruck gebracht hat0 Diese Klau-sei, ist picht eindeutig und bedarf der Auslegung0 Das .•'"Einverstandensein" umschreibt keinen bestimmten ICreis viVon Handlungen, das Wort-'kann enger oder weiter verst an--'den werden und besagt nichts darüber, ob die Handlungen Ldes Bedachten, in denen der Langel des Einverständnisses zu dem'Ausdruck kommt, nur dann den Verlust der Zuwendungen herbeiführen, wenn sie bestimmte Rechtsfolgen hervor- Berufungsgericht nimmt in anderem Zusammenhang' selbst an, daß der Erblasser bestrebt war, eine gerechte, Streitigkeiten möglichst ausserliegende Zuteilung der Nutzungen des Nachlasses zu gewährleisten, und dazu die : Testamentsvollstreckung angeordnet hat» Es kommt auf Sei-,-te 11 des Urteils weiter selbst zu dem Ergebnis, daß durch die Verwirkungsklausel der Hechtsfriede unter den Bedachten 'gesichert werden sollte» Es wäre aber nach dem "oben ' Ausgeführten nicht ohne weiteres zu billigen, wenn der Berufungsrichter die Anfechtung des testaments durch die Beklagte deshalb als von der Verwirkungsklausel nicht betroffen- ansieht, weil die Beklagte nicht den Willen gehabt habe, den Frieden unter den im Testament Bedachten Rechtsfrieden zu stören (Seite 11 des Urteils) auch'nicht zu erfordern, wie das Berufungsgericht auf Sei- gen nicht zu ersehen, daß im vorliegenden fall die Auslegung der Verwirkungsklause 1 nur solche Störungshandlungen erfaßt haben will, die in der Absicht der Störung und mit der notwendigen Fol,_e einer solchen vor genommen worden sind. Daß auch der \7egfall des Testamentsvollstreckers • zu einer Störung- des Friedens unter den Bedachteri führen konnte, hat hier schon der Streit der Beteiligten gezeigt« Es liegt aber auch auf der hand« Denn es war nicht vor-auszusehen, ob von allen im Testament Bedachten die Anfechtung , soweit sie sich auf die Anordnung der festaments-vollstreckerscLaft bezog, als wirksam anerkannt wurde,' und welche Folgerungen von Ihnen aus diesem Vorgang gezogen wurden« Durch die Anfechtun^ war eine Lage .geschaffen, die mit Rücksicht auf die vom Vorderrichter festgestellte' Bedeutung der Testamentsvollstreckerschäft für die Durchführung der von dem Erblasser getroffenen letzwilligen-Anordnungen zu einer erheblichen Beeinträchtigung des vom Erblasser erstrebten Rechtsfriedens führen konnte.. Daß -ungeachtet der Absicht der Beklagten, den wahren !7illen des Erblassers zur Geltung zu bringen, ein von der Verwirkungsklausel getroffener Fall vorliegen konnte, war ß/ nicht auszuschließen und. lieh beizutreten; nicht zu billigen ist es aber, wenn er auf-'-'Grund des vorgetragenen Prozeßstoffes zu der Ansicht gelangt, die Beklagte habe einen Angriff gegen die übri-gen. ausgeführt, die Unwirksamkeit der Testamentsvollstreckung habe die der übri-gen BeStimmunger nach § 2085 BGB nicht nach sich gezo-tr gen« Hierzu, braucht hier nicht Stellung genommen zu .werden« Ss'ist aber rechtsirrtiimlich, wenn der Vorder-rieht er "feststellt, die Beklagte habe auch eine solche h Absicht nicht gehabt * Er macht .sich die Ausführungen des landg^richtl-lchen Urteils zu ei0en, die dabin gehen, in der'• Anfechtungerklärung habe die Beklagte deutlic Ausdruck gebracht , daß sich ihr *nemiff richr, ae ,en das Testament als Ganzes, sondern ; nung der Testamentsvollstreckung rieht! 133 BGB, v/ie die revision mit liecht geltend macht, und auf einem völligen Jinnerstindnis ihres V/ortlauts "beruht „ Die Beklagte hat in der von ihr untersck riebenen Anfechtung erklärung zunächst erklärt, daß sie die letzv/illige: Verfügung ihres am 10. "Der Erblasser hat in seinem Testament einen Testa-mentsvollstrecker for die gesetzlich zulässige Zeit m eingesetzte Eine derartige unbegrenzte Sinsetz,ung/^|'t®i|; eines Testamentsvollstreckers ist u n w i r k s a^mf; Ich beziehe mich auf die Eingaue meines Anwaltes blfgü Dro liMM vom 29» Juli 19J8 in der Hachlaßsach'e ■ E meines verstorbenen Ehemannes - AZ VI 6J/47' -» ■vivsb kein verstorbener ' ‘bemann hätte, renn er die Nich-^F"r: titkeit der Testamentsvollstreckung gekannt hätte, '' e in" Test ament, so v/ie er es aufgesetzt hat, nicht -1 errichtete Diese Auffassung werde ich noch einge-g hend begründen0!! Aus dieser Anfechtungserklärung ergibt sich zunächstV einmal, daß die Beklagte der Eeinung ist, die Anordnung .v der Testamentsvollstreckung sei rechtlich unwirksam, d„hm , es bedürfe zu ihrer Beseitigung gar keiner Anfechtung,1 -sie sei von selbst eingetreten,, Dies ist auch der Standpunkt, den der Eechtsanwalt Dm der Frozeßbe- • unbegründet® Die Beklagte bringt damit zu dem Ausdruck, daß siel diesen Teil des Testaments nicht anf echten will® Dem-hgemäß fährt sie.auch fort, daß ihr Ehemann das Testament, w i e e r-> es au f ge s e t zi hat, nicht er-'richtet hätte, wenn er die Nichtigkeit der Testamentsvollstreckung gekannt hätte® Das kann darauf hindeuten« daß - a/siek nur die anderen Verfügungen, die darin enthalten sind, anf echten will® .Wenn'das Berufungsgericht -im Anschluß an Ausführungen des Landgerichts diese Erkl; rung anders •' auslegen will, dann verstößt es einmal gegen den vom Reichsgericht .in ständiger Rechtsgrechung festgehaltenen Auslegungsgrundsatz5 daß eine Erklärung, die eindeutig -ist, nicht ausgelegt werden darf, oder doch zu dem mindesten gegen;den Weiteren auch vom Reichsgericht anerkannten ■ Grundsatz, daß, wenn.auch bei der Auslegung einer Willenserklärung nicht an dem Wortlaut zu haften ist (§ 133 BGB), .doch dabei von dem Wortlaut ausgegangen werden muß® Das letztere hat das Berufungsgericht sicher nicht getan® Wenn &s gegenüber .dem an sich klaren uorvlaut eine abweichende Auslegung der Erklärung für angezeigt gehalten hätte, so hätte dies doch einer anderen Be0r"ndung bedurft als des bloßen Hinweises auf den in der Erklärung zweifellos nicht zu dem Ausdruck gekommenen Willen (EG in LZ 1916, 1193 Nr 11)o Ist aber die Anfechtung auf die anderen Bestimmungendes ' Testament s zu beziehen, dann muß auch angenommen' werden, daß die Beklagte diesen Erfolg gewollt hat® Denn, Erklärungen werden abgegeben, um einen inneren Willen Ezu dem Ausdruck zu bringen®. annehmen, daß die Bees lätte, die übri gen Bestimmungen des Testaments anzugreifen; Ob die Be-klagte später ihren Standpunkt geändert hat, ist für die /ttitlfft Ermittlung ihres bei der Anfechtung zutage getretenen Wil-"'hß||G lens ohne. von- k*k dem Kläger gestellten Antrags auf Vernehmung des Rechtsanwalts Pr» fiUfeHl als Zeugen über die Bedeutung der'Te~ G stamentsvollstrsckung als "Kernstück" des Testaments an-., kommt o Gelangt das Berufungsgericht auf Grund, der erneuten Prüfung und Würdigung desSachverhalts zu dem Ergebnis, daß die Beklagte ihrer Rechte aus dem Testament nur dann verlustig gegangen ist, wenn sie sich entweder be- -wußt gegen das Testament aufgelehnt hat oder wenn die 'Anfechtung, auf welchen Teil des Testaments sie sich auch,,^ immer bezogen haben mag, rechtswirksam geworden ist, 'dann-wird das Berufunmsgericht auch die weiter vom Kläger er-.; Ansicht, daß die Ui-wirksat keit der Ee <^er Testamentsvollstreckung nach § 2085 BGB die übrigen Bestimmungen des Testaments nicht berührt hat. ;t aments matisch eingetrstene ITichti : be Stellung nicht die Unwirksamkeit des nach sich gezogen hat« In diesem falle wäre aber auch die Verwirkungsklausel hinfällig, so daß gesetzliche Erbfolge ■eingetreten und die Klage unbegründet wäre*