BGH · IV ZR 1141/68
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Klägerin erblickte hierin eine Gefährerhöhung im Sinne von §§ 23 f» VVG und entzog dem Beklagten den Versicherungsschutz0 Mit der Klage hat sie ihn auf Erstattung aufgewandter 20»286,25 DM nebst Zinsen in Anspruch genommen» Der Beklagte hat um Abweisung der Klage und v/iher-klagend um die Feststellung gebeten, daß ihm die Klägerin auch über den mit der Klage begehrten Betrag hinaus Versicherungsschutz gewahren müsse» Er hat behauptet, er habe unverschuldet den Mangel der Reifen nicht erkannt» Dieser sei für den Unfall auch nicht ursächlich gewordene Der Schleudervorgang sei durch ein Aufschwimmen der Reifen bei starkem Regen ausgelöst worden, das sich bei der gefahrenen Geschwindigkeit von 80 bis 90 km/st.ebenso mit einwandfreien Profilen ereignet hätte» Der erkennende Senat hat unter Aufgabe der früheren, vom Berufungsgericht noch zugrunde gelegten Ansicht entschieden, daß der Versicherungsnehmer durch die Benutzung eines Fahrzeugs, dessen Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt ist, eine Gefahrerhöhung im Sinne des § 23 VVG nur vornimmt, wenn er den mangelhaften Zustand des Fahrzeugs kennt (BGHZ 30, 383 und 392)o Das Berufungsgericht hat diese vom Beklagten bestrittene Kenntnis nicht festgestellt, sondern von seinem Standpunkt aus folgerichtig den tatsächlichen Gebrauch eines Fahrzeugs genügen lassen, dessen Hinterreifen nach dem Beweisergebnis nicht mehr an jeder Stelle der Lauffläche die nach § 38 StVZO vorgeschriebene Profiltiefe von mindestens einem Millimeter aufwiesen» Der Revision mußte bereits stattgegeben werden, um eine mit der geänderten Rechtsprechung übereinstimmende Entscheidung zu ermöglichen» Zudem greift die Rüge durch, das Berufungsgericht habe den vom Beklagten angetretenen Beweis für die Einflußlosigkeit der Gefahrerhöhung (§ 23 Abs» 3 VVG) ohne ausreichende Erkenntnisgrundlage als gescheitert Das Berufungsgericht hat auf den Versuch einer abschließenden Klärung der Straßenverhältnisse mit der Begründung verzichtet, selbst das vom Beklagten behauptete Vorhandensein einer Wasserlache von 5 mm Tiefe rechtfertige noch nicht die Annahme, daß es zu einem Aufschwimmen der Reifen gekommen sein müsse» Das Absehen von einer weiteren Aufklärung war auch nicht mit der Feststellung des Sachverständigen zu rechtfertigen, die schadhafte Bereifung der Hinterräder habe ihr Aufschwimmen stark begünstigt<> Das Berufungsgericht hat zutreffend vom Beklagten den Nachweis gefordert, daß sich der Unfall ebenso ereignet hätte, wenn an Stelle der abgefahrenen Hinterreifen solche mit einer vorschriftsmäßigen Profiltiefe verwendet worden wären» Der Beweis wäre also dahin zu führen gewesen, daß auch Reifen mit allenthalben noch 1 mm tiefen Rillen bei der gefahrenen Geschwindigkeit auf den vorhandenen Wasserfilm aufgeglitten wären und so die Bodenhaftung verloren hätten (vgl» hierzu das zur Veröffentlichung bestimmte Urteil des erkennenden Senats vom 11» Juli 1969 - IV ZR 629/68 -)„ Dieser Nachweis wäre niemals zu erbringen, wenn er schon an der Tatsache scheitern müßte, daß unstatthaft abgenutzte Reifen eher (d.h» bei geringerer Bodennässe und/oder Geschv/indigkeit) auf schwimmen als andere» Es kam nach dem Gesagten vielmehr darauf an, ob der Beklagte beweisen konnte, daß das vorhandene Oberflächenwasser bei der eingehaltenen Geschwindigkeit auch von