BGH · IV ZR 111/57 vom 21.06.1957
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Bechtssatz: Eine Auswanderung ist im Regelfall zu verneinen, "" wenn ein Verfolgter, der einen doppelten Wohnsitz in Deutschland und im Ausland hatte, sich unter Aufgabe des deutschen Wohnsitzes auf seinen ausländischen Wohnsitz beschränkt* Österreicherin.Die eheliche Wohnung war von Anfang an in Der Kläger behielt -sie dort bis zu seiner Auswanderung nach den Vereinigten Staaten im März 1938. Er unterhielt geschäftliche Beziehungen zu den führenden Petroleumkonzernen, Vor dem Jahre 1933 hielt er sich aus geschäftlichen Gründen häufig in B0BB auf.Während dieser Aufenthalte wohnte er in einem Hause in der BuBHHB Straße, das er zusammen mit seinem Bruder erworben hatte; in diesem Hause unterhielt er eine eigene Wohnung und zusammen mit seinem Bruder eigenes Personal. Januar 1933 wurden seine Aufenthalte in B0BP seltener lufd hörten allmählich fast ganz auf.Mit der Behauptung» er habe in B^|^, wo er auch polizeilich gemeldet gewesen sei, einen dauernden Aufenthalt gehabt, er habe die £hm zwangsweise auferlegten Abgaben auch aus seinem B^HM^ Geschäft und seinen B®-Bankkonten an Finanzbehörden gezahlt, hat der Kläger wegen dieser Zahlungen Ansprüche wegen Vermögensschadens gegen das beklagte Band geltend gemacht und nach Ablehnung seines Antrages durch die Ent- Das Bandgericht hat die Klage durch das Urteil vom 15 Dezember 1954 abgewiesen$ es ist der Auffassung des BflBBfc Entschädigungsamtes gefolgt und vertritt die Ansicht, daß der Kläger seinen letzten inländischen Wohnsitz vor seiner Auswanderung nicht in gehabt habe• Dezember 1952 ausgewandert ist und seinen letzten Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt in Gebieten gehabt hat, die am 31. Dezember 1937 zu dem Gebiet des Deutschen Reiches gehört haben, es sei denn, daß der Kläger im Zeitpunkt der Entscheidung seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt in Gebieten gehabt hat, mit deren Regierungen die Bundesrepublik Deutschland keine diplomatischen 'Beziehungen unterhält. Da die letztgenannte Ausnahmeregelung bei dem Wohnsitz des Klägers in den Vereinigten Staaten nicht in Betracht kommt, hängt der Anspruch von zwei Voraussetzungen abs Der Kläger muß vor dem 31. Dezember 1952 ausgewandert sein und er muß seinen letzten Wohnsitz oder seinen dauernden Aufenthalt vor der Auswanderung im Gebiet des Das Kammergericht bestimmt den Begriff der Auswanderung im Sinne der gesetzlichen Vorschriften des BEG dahin» daß darunter "das Verlassen des Deutschen Staatsgebietes unter Aufhebung des inländischen Wohnsitzes in der Absicht zu verstehen sei», sich ständig im Ausland niederzu-lassen", Es räumt auch dem Kläger im Hinblick darauf, daß er mit Rücksicht auf seinen Verlag und seine sonstigen beruflichen Verpflichtungen mehrmals im Jahre für einige Zeit nach Kam und hier in einer eigenen Wohnung mit ständig gehaltenem Personal wohnte, die Unterhaltung eines doppelten Wohnsitzes ein, so daß im Jahre 1933 eine Auswanderung von nach Wfl^als der Hauptstadt des selbständigen österreichischen Staates begrifflich möglich sein könnte. Gleichwohl verneint das Berufungsgericht wegen der Besonderheiten des hier zur Entscheidung stehenden Palles des Klägers seine Auswanderung von BflBI nach aus folgenden Gründens Der Kläger stellt nicht in Abrede, seit 1910 in Wien gemeldet gewesen zu sein. Er hat nach seiner Eheschließung (1915) gerade auf den Wunsch seiner Ehefrau, die liebte und nicht ständig in Bfli leben wollte, in W^B ständig einen Wohnsitz unterhalten, und zwar auch in all den -Jahren, in denen seine wirtschaftliche Tätigkeit ihn besonders an BflBP gebunden haben mag. Selbst wenn der Kläger mit Rücksicht auf seinen Verlag und seine sonstigen beruflichen Verpflichtungen mehrmals im Jahr für einige Zeit nach kam und hier in eigener Wohnung mit ständig gehaltenem Personal wohnte, so daß ihm eingeräumt werden kann; er habe einen Doppelwohnsitz unterhalten, so war doch der eheliche Wohnsitz in W^B: und er stand nach den sicher gegebenen starken gesellschaftlichen Verpflichtungen des Klägers und angesichts der Tatsache, daß die Ehefrau als diese starken Bindungen an empfand und der Kläger den Wünschen seiner Frau sichtlich weit zu entsprechen pflegte, auch im Vordergrund, Es bestand außerdem auch in Yf/^p eine Zweignie derlassung des Verlages, und der Kläger wird, da Wf/p, wie das Landgericht mit Recht bemerkt hat, ein zentraler Punkt der Ölwirtschaft war, dort einen ganz wesentlichen Teil seiner Arbeit abgewickelt haben* Bei einer Würdigung dieser Umstände gewinnt die Tatsache der Aufgabe des BflBBP Wohnsitzes 1953/34 eine ganz andere Bedeutung, als wie sie ihr zukommen würde, wenn der Kläger in BflBl seinen, einzigen Wohnsitz gehabt und sich nun zur "Auswanderung" d*h* zu dessen Verlegung ins Ausland entschlossen hätte* Der Kläger gab also zugestandenermaßen den Wohnsitz in BP/PPP auf und beschränkte sich auf* den «Wohnsitz in YffPP» Wenn er auch zu ge- legentlichen Besuchen nach Bp/p/p kam, so lag darin keine Aufrechterhaltung eines Wohnsitzes, Bas was der Kläger tat, stellt sich also lediglich als eine Aufgabe des zweiten, aus geschäftlichen Gründen in Bpppp genommenen Wohnsitzes dar, und als eine Beschränkung auf den in der Österreichischen Heimat gelegenen eigentlichen YPPPPP Wohnsitz, Als ein "Anwändern" aus Deutschland im Sinne des § 4 HEG kann es nicht gewertet werdenDer letzte Wohnsitz vor der Auswanderung war also Wien; damit entfällt aber ein- Entschädigungsanspruch gegen den Beklagten* Biese rechtlichen Ausführungen halten den Angriffen der Revision stand* Zweifelhaft kann es schon sein, ob der Kläger überhaupt einen zweiten Wohnsitz in gehabt hat« Da er mit seiner Ehefrau ausschließlich in Wien gelebt hat, liegt die Annahme nahe, daß er hier den räumlichen Mittelpunkt seines gesamten Lebens hatte, während seine zahlreichen Aufenthalte in Bflfe nur der Abwicklung seiner beruflichen Geschäfte dienten, so daß er in weder Wohnsitz noch dauernden Aufenthalt hatte Aber auch wenn man zu Gunsten des Klägers mit dem Berufungsgericht davon ausgeht, daß der Kläger bis zu dem Jahre 1953 seinen Wohnsitz gleichzeitig an mehreren Orten, nämlich in WflP und B^|^ hatte ($7 Abs 2 BGB), ist das beklagte Land nicht passrvfyegitimiert- Zwar war eine Auswanderung aus dem Deutschen Reich nach öster-reiqh im,,Jahre 1833 begrifflich möglich, da Österreich zu dieser Zeit ein selbständiger Staat war, so daß der Kläger seine Absicht,sich unter Aufgabe seines inländischen Wohnsitzes dauernd im Ausland niederzulassen, auch durch eine Aufenthaltsnahme in verwirklichen konnte. Im Regelfall ist, wie das Kammergericht mit Recht ausgeführt hat, eine Auswanderung zu verneinen, wenn ein Verfolgter, der einen doppelten Wohnsitz in Deutschland und im Ausland hatte, sich unter Aufgabe des deutschen Wohnsitzes auf seinen ausländischen Wohnsitz beschränkt.