BGH · IV ZR 110/58

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■zigeunern®Person-1Klägerfalsch<^

Volltext der Entscheidung

M jÖ/58 /. Verkündet':';!;; ;; am;2l »; IT o vender .1958 C:. > 33chormV Justizangestellteri .• •; als. Ürkundsbeaiat er'lder % 'G- e so liäf t s vntt;:d|erf-s ; 'OvtlÄ t!-iv’i':' W ■ Ixi deir/Entschadigungsrechtsstreit .:>ir;, i. :.^-:ü;:-: rs^'-; ^,:SM ., des Landes.:! II ie-s s;e nt, r vertreten"'durch ’’den .Hessischen. Minister des, Innern;;in::V/iesbaden?v'. Li ‘ ' .•:. • ' :y,|;‘vV$- •,. ■.■:■v- vj;'-v. • '• •'•; ' ^ r ; . ';;:'Y'}\ iv -: • 'rt Be klag ten und Revisionsklägers? • ' 'X,’ 'i-i ' ä■ '*•'■;r :i ■'-;"'c - ■ v,> V':';s;. i:'V ,■;; . u .. i ■ ,■ ::■■ -;. Prozeßbeyollmäclrbigt er %h den. Mus iker :;Albert' straße -gegen 8 Q ik;? Klägern und• Revisionbeklagt en-£ •-, Prozeßbevollmächtigter s iwirkürigi des!Senat spräsidenten':;:AgCher,vund'^er^Bündesrich-i *|* 0 ]R3*SiC ö /•'! TT- ■.".- ■ /*N TOV^ /-T *V» Tl/f MO O f. :-{ - ! i:;.‘:T /~V A»ll A VN -t W ‘ ‘ ‘ .V • richts -Frankfurt' am 'Main-vom'- 21 V^Pebruar -J958. wird in'Wiesbaden, vom 13.-iJuhi~i1957v geändert. Pie Klage wird. 'a.bgewiesen'.lPie, außergerichtlicheniKdsten,:des, Verfahrens 1 hat. der • Kläger^2Ü--..tragen.frim-vübrigen^ist - das .Verfahren';,;;V : gebühren-'und:äuslagerifreid. ;.Von y Rechts‘■ wegen a •. Tatbestands h--'Der Vim -Jahre!;! 9-15- geborene ‘Kläger, ist Zigeuner.. Er Mn de an 4*•März ' 1940Vvon.der Kriminalpolizei festgenommen4 weil er unter einem falschem Namen lebte.'Er hatte im_Jahre 19 38, . um'sich dein Arbeitsdienst,zu entziehen, -einen, auf einen an-deren Namen lautenden Taufschein, käuflich 'erworben.'; Mit' diesem war es .ihm gelungen, sich Ausweise unter, dem Natoen die-ses Taufscheins zu verschaffend Dieserhalb ist-er wogen fal- : ■scher Beurkundung und falscher Thunensangabe..mit. zwei Monaten Gefängnis bestraft worden.hNacbnder Entlassung: aus.cd er- Straf-haft wurde er in' polizeiliche -.Vorbeugungshaf t. genommen. Er kam am -1. Juni '1940 in ein KonzentrationslageritXust diesem f ' ; ist er im Mai .1945..befreit worden»d ,v, >.,s s. für. die Inhaftierung 'im- Konzentrationslager,-- verlangt 4 er . eine '.Ent s chädi guhgDie se4würd el ihm'' zünäc lis t durchBc- • scheid.- vom?, 13» • Mär z :fl 9534 versagt .fNacliErlaß '.-des Bundes er •#: >n>nhs’.n-: ' gänzungsgesetzes hat "er 'erneut,eine Entschädigung beantrag k-'-,X)ie Entschääigungsbehördeihat> ihm' eine'-Haft ent s chädi-,'gung für die;Zeit'von llärz‘^1943"bis“ zu dems8f.Mai 49^5 zuge-billigt, - für --die vorhergehende!Zeit - jedoch v;abgelehnt.. Die ' hiergegen;;erhobene Klagelhatte4beim';Landgericht: wie:beiim -' Oberlandesgericht .Erfolg1 ."1 t 'Mit ?der-' vom --Berufungsgericht^'zugelassenen" Revision!- :1 s vn .-.xa' ■ erstrebt Idas*"beklagteiLandtcine^Abweisung der,Klage. Der C-. U?:fe.--c«^^ :■:• '<■■ tv Kläger--bittet, idie^Revisionisurtickzuvveisen'.^ ■tu-1 -A t - v -si -4, n-e't: ---ctif .... .V *. Entscheidungsgründe?. Berufungsgericht hst-der Auffassung',: aus'schlag-- ;V;: = gebendäfür, die Inhaftierung de s'•Klägersim Konz ent rat ions- v : 7 lager / sei/nur„diexTatsache ; gewestenV^vdäß ; er. Zigeuner sei, und • daß ,er ohne diese. Rasseeigenschaft nicht' inhaftiert ;worden -.wäre 1' Zum 'mindesten sei Tdiese . Tatsachehni¥ürsäclilioh: gewe-isenö Das Berufungsgericht .will‘dies aus folgendem schließen? . ■Die Straftaten,.deren sich der Kläger schuldig - gemacht habe, ■ ,hätt en- ihrer. Art nach'fürsich allein"'auch nach damaliger "■Auffassung nicht ausgereicht,v um-das/.Urteil'Vasozial" ohne ';-.\veiter.ea7zu- rechtfertigenA'Der, Kläger habe .vor der-Yerhaf-.- ; • s.^iüngii.einehfeste Wohnung :-gehabt Er/sei-'Mitglied> der(-Allge-meinen Ortskrarikenkässe^gewesen und häbe- aD-s -Musiker in5 Ar- ■' - ' . t a v( - j„, -, ■ • '»v ' " :'!s'; • S-N,: - --w»; < t % ' 4 . - . - ' - ', beit, geständen.1 .'Stichhaltige ;Gründe fürf eine,- Yorbeugungshaft'7 " "wegen' asozialen' Yerhal-tens.;seiehiausr-den Bolizeiakten -nicht h •. .y v, ■■ /■ • - v .■ •.* .T -, y ■ ,,-i •y \"' sv.' v * -1 '*''*■ ..v. '' . -s- • •«, •. ■4. :x s-'i-h- • - ersichtlich.:.'Auch nach:': einem^Yermerk„der iPolizel: sei': er 'als •>- •x i- £7V,f r V d "asozialer .Zigeuner"; in'Haft''genommen .'worden*. i.-XT!! 1 :■ . ■’i’ ' W-X'-'ryX* • ä: : ;;T:f v : '' 77'777iT777:77t 7 ^■ '. A Dief^ph': derjiRevision• hiergegen;:s..erhobenen Angriffe sind-'-.. • ■ »::■ • --Ti“.'.' <■-..• A - f ‘ i« ■ =-. -l-:‘:K ~‘V .r-A. *.* V'/ v. *>■ ' »: ■■■■■■■■ begründet Ss ist; zwar' möglich'daß-JschonJvor:dem-, 1; ;März i: t, ¥;• -*■ ^--Äw 1943?! demgTageanideüi; a.uf.. Grund' des / sogenannt eil, Auschwitz- ' ." Erlasses- hihe :allgemeine!,Hasseverfolgung'lde’r rSigeuher;-ein- / fvor dem -1. ■ff muß:.fgründsät'zlich.f.dayön^au.sgegähgen-^werden daß vo m m ■' I H /I ^ w ah rt *v> vt a n Vivi* v\ ■? a 1a t. 5 a • Ci vinn vi a va* 'v/1 as *v» T3 a r-» ;,-Ä.t Maßiiahme^ sind bereits;im großen Umfang"' er- :# ... "■ '• lV -V-' W '> " a3*v V = * 'J.V-- 1 t* ' ' . fr*/ ■ " /' W/. . ‘ ‘ ' ,' griffen worden,' bevor .der Ra,t i o nal s o zi al i smus' zur Macht ge- ■; ■ langt war o' Sie'beruhten auf deZ-Erfahrung,, u'daß Personen , die, •••wie '.dies besonders bei-den Zigeunersn\der Fall war ; keinen festen Wohnsitz hatten und unstet: durch die‘lande zogen; ; . besonders leicht'; zu, kriminellen Verstößen- neigten. Ziel’;:. ., ■ •solcher Maßnahmen war, die bürgerliche'Gesellschaft vor . ■ : • • • k:'• • •' • •<. • ' •• • ••, ' • . ,/*> ■ ^ • vk> ■■ ■ ; . . : einem derartigen sozialschädlichen Verhalten zu.. schützen, : nicht dagegen die Rasse der:Zigeuner als'solche zu verfol- . •••• genb -Diese ^Maßnahmen; waren *darauf =. gexicht et.,den als- so- /• ■; . zialschädlich empfundenen -Auswirkungen derALebensweise .der.. zufolge auch noch niemals der* Standpunkt vertreten, worden, daß sie:eine Verfolgung aus Gründen-der'Rasse gewesen sei-l:ehö'; Auch.nachdeirn .der. .lfa,tionalsosialisnus': zur. Macht gelangt . 'war5 hat . 'sich 'der - Charakter dieserMaßnahmen - .zunächst nicht < grundsätzlich/geähdert /wenn;: auch die'.Maßnahmen gegen asozi-' ale- Personen .verschärft • wurden«,,Dies geschah besonders,- : ' nachdem''der,',Krieg ausgebrochen war5 .denn während eines- sol- . chen!sind:Personen, 1 dieTumherzuziehen' pfleg:en, .'besonders-;-’->vV ,gefährlich» -Ein-“grundsätzlicher Wandel ist erst'mit dem .-v•■ ...■ sogenannten "Auschwitz-Erlaßi am.*l, März, 1943 eingeure- .;gen?.weit,;über das- hinaus^vwas r eine, Bekämpfung: der sozialen. ; ^i ^ ■ »■<./.• '•>. •<, '• * tr’f '> . ». • y - • :s v». • > w ■: r. - -• « • :• ; t • - . ' ' iSchädlichkeit: der .‘Zigeunerläußersten,Palls: als; angemessen ... v/ünd-.-nolwendig^-erscheinenuließi:-dv-v.c "■•. . vk v.: .'.v * . * : V4 ■ ' ‘ / J-i, f-.-. - : ■ <; • > • * • ’ •-■ .. ' - : ,^-d W. Ad./ Vg. ^ ^ ‘ ^ \ ' r-A'l-^ - -- :-v • ; •' w '/ . • ‘ ' Wenn" daher .'eine ras s is che V Verfol gung’: e ine s - Zigeuners in A: der Zeit vor - dein ■ 1. Mär z -1913.; b e j ah t w e r d en 'soll, 'bedarf.es > Ader ■'’Pest Stellung besonderer Tatsachen, die einen'Schluß -dar-; auf '• zulass endaß . nicht ■sicherheitspolizeiliche Gründe, son- ■' P3'M dem' solche:rassischerv Art...für .die' Verfolgung': einen- entsohei-iX denden Einfluß^gehabt haben® Es_-reicht-somit ein" von der -Po- V*.--lizei’: gemachter; Vermerky 'der'Kläger -sei' »als ‘asozialer Zigeu-ner in: Haft genoimnen”, worden,-^für^die', Feststellungeiner -Vsr~ ,• * " * y ' > ' • * * ' * ?.* i * ' *' v, A , , . ss * < • fol'gungt aus; Hassegründen nicht' schon aus.%-, ^ :.V •• • . * : ;':s-v. »*'■ x V. ' 4' XX :•' "; >• v "'•’<•' •V-'' X ■ i»„; - 'XX ! X", '."X' ^ X.‘- swV <*' ::£*/• 'i'Lswb,' ». . 'V'" X' • . • <HXV<"v?' ■'■ X' JJ'. : -• ni ^" • 1: "'X. -: - •' -'Y^ r, (■ -V-; ,* ji VF •>■■».■>'.■ --W • ■> V -:- i .-" In' deLl/hieV vorliegend hinzu,'. daß der Klä-" -X v •! 'x X •vVx ?s: -y'-Xy «.••:: •; x.v'Vä^ V iy# •.•v^xV' '''p*-' ;■ 1 -r . >rX. ' - iX-A- . ■' x ,: .'• ■'ger 's'traffällig\:'gcv/orde2i;;\var5-: er hatte .sich- falsche Personalpapi ere :beschafft® \7ennHauch: die dieserhalb über ihn verhäng-. - te Ereiheitsstrafe vei’hältnismäßig''.gering. warX so gab, seine --lat, da;‘sie in lCriegszeiten/lDegaiigen. war, .Inlaß- zu sicher- : • . heitspolizeilichen Maßnahmen®.; Hie .ilnnahme -.des Berufungsge- • ;... X-. richts;,'." die/.Gträftat-' habe", ihrer,Art,;nach ;für 'sich.' alleiii auch / nach damaliger Auffassung nicht-ausgereicht? um, das-Urteil "asozial’,1 * ohne weiteres z,uXrechtf artigen, - steht dem nicht ent-' v . - fe \*^X';rürXX-,X.vX,X'!; ^X-- !> 'X X- XVX- ■ :i --Das Berufungsurteil mußVdaher aufgehoben’.werden, da ''t}'f v*a' v v"^ s 'v<% * <' > *** ^ss'4.f''y y>'< .« fr / ..“h* __ a ' j j Xf... X-.-tn 1 -■©. 1* - ’ * - i 1 j. _-1 n _*: • ■•»-rn _X ^ weder die -yom^Beruf ungsgericht >-festgestellten .'Tatsachen noch ' die vom »Kläger:; aufges teilt en;: Behauptungen ;:zu‘- einer .Bejahung • ■■ 'der Verfolgung;"des'-Klägers aus. rassischen;Gründen- äusreichen,, . Da auch s on st; kein Anlaß .für:., and e rw eit ig eEx-mi it langen. bc-steht, 1st /die :Xlage abzuweisen, - • ;';-VvE v-' • j-K”-r^■ - lit'Vu -■ '• v„'-; :?'tv ■:■■ . Die Entscheidung über'.die.kosten beruht auf § 91 ZPO § 225 3EG»' Ascher....' i:,.;.; ! P.aske. ; : v, D'erner Maaß t Dr i' Lo ev;enheim: . : ,> V :V : 'S*?. - ■ ■ 1..............