BGH · IV ZR 1070/68
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der IV« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 18« September 1970 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Er« Hauß und der Bundesrichter Dr. Pfretzschner, Dr« Reinhardt, Dr« Buchhol2 und Drc Hiddemann für Recht erkannt: Mit der im Mai 1964 erhobenen Klage hat der Kläger die Scheidung der Ehe aus § 43 EheG begehrt» Er hat im wesentlichen geltend gemacht, die Beklagte sei ein streit, süchtiger, unverträglicher und hysterischer Mensch» Sie habe ihn überall, auch bei seiner Arbeitsstelle, schlecht gemacht, so daß er sich in Kdm| nicht mehr habe halten können» Durch dieses Verhalten der Beklagten sei die Ehe entscheidend zerrüttet worden» Erst danach habe er die Beziehungen zu Frau die er in M Das Berufungsgericht hat dazu ausgeführt, der Widerspruch der Beklagten sei zulässig, weil der Kläger durch seine Abwendung von der Beklagten und seine Hinwendung zu Frau GBHHHHB die Zerrüttung der Ehe herbeigeführt habe. Die behaupteten Verfehlungen der Beklagten stünden mit der ehelichen Untreue des Klägers, deren er sich im übrigen schon im Kriege durch ein ehebrecherisches Verhältnis zu einer Frau KflBü schuldig gemacht habe, in einem engen Zusammenhänge Der Kläger könne der Beklagten nicht den Vorwurf machen, ihn in die Arme einer anderen Frau getrieben zu haben. halten der Beklagten zurückzuführen ist» Eine solche Annahme würde insbesondere dann nahe liegen, wenn der Kläger zur Zeit seiner Übersiedlung nach MflBHPnoch nicht die Frau kennengelernt hatte, und wenn auch keine anderen, insbesondere beruflichen Gründe den Kläger zu seinem Entschluß wesentlich bestimmt haben» War die Übersiedlung des Klägers von nach MflHlV aber durch das Verhalten der Beklagten bedingt oder wesentlich mitbedingt, dann wird dieses Verhalten der Beklagten wahrscheinlich ehezerrüttende Wirkung gehabt haben» Das Berufungsgericht hat zwar zu dem Scheidungsgrund des § 43 EheG ausgeführt, aus dem Verhalten und den Erklärungen des Klägers sei zu entnehmen, daß er die Verfehlungen der Beklagten nicht als ehezerstörend empfunden habe (§ 49 EheG)» Das ergebe sich ins- besondere aus seinen Erklärungen vom 10, Mai 1963, das Verhältnis zu Frau abbrechen und in MHHB| eine V/ohnung für die ganze Familie nehmen zu wolleno Hierbei hat sich das Berufungsgericht aber nicht mit dem Fortzug des Klägers aus KflMIBund den dafür von ihm geltend gemachten Gründen auseinandergesetzt o Im übrigen erscheint es bedenklich, aus einzelnen Erklärungen des Klägers entscheidende Schlüsse zu ziehen, ohne das Phänomen dieser Erklärungen insgesamt eingehend zu überprüfen. Sachverständige letztlich offen gelassen hat, und auch die nicht ganz zweifelsfreie Schuldfähigkeit des Klägers nicht untersucht ist, wird man einzelnen dieser Erklärungen, so auch denen vom 10, Mai 1963? Hat aber das Verhalten der Beklagten mit zur Zerrüttung der Ehe beigetragen, dann bedarf es der Prüfung, in welchem Maße die Parteien das in der Zeit vor dem Fortzug des Klägers bestehende eheliche Zerwürfnis verschuldet haben„ Für diese Prüfung wird es wesentlich darauf ankommen, ob und inwieweit sich das Verhalten der Beklagten als eine Reaktion auf das Verhalten des Klägers darstellt oder ob auch umgekehrt das Verhalten des Klägers auf dem der Beklagten beruht» Dabei ist zu beachten, daß die Parteien, wenn es ihnen schon nicht gelang, das gespannte Verhältnis durch verständnisvolles Aufeinandereinwirken zu bereinigen, wie es ihre sich aus der Ehe ergebende Pflicht war, doch Jedenfalls darauf bedacht sein mußten, die Spannungen nicht nach außen zu tragen» Es wird däer kaum als entschuldbar anzusehen sein, wenn die Beklagte den Kläger überall und auch auf seiner Arbeitsstelle schlecht gemacht und damit seine Existenz in gefährdet haben sollte, selbst wenn dies in Reaktion auf Beleidigungen und Drohungen durch den Kläger geschehen sein sollte, deren sich der Kläger zuschulden kommen ließ» Daß die Verfehlungen der Beklagten, wie das Berufungsgericht angenommen hat, im engen Zusammenhang mit der ehelichen Untreue des Klägers stehen, kann für das Verhalten der Beklagten in den Jahren I960 bis 1962 kaum zutreffen, da der Kläger in dieser Zeit Frau noch nicht kannte und da das im Kriege unterhaltene ehebrecherische Verhältnis zu Frau Kl weit zurücklago Für die Bemessung des Verschuldens, das den Kläger wegen der Aufnahme der Beziehungen zu Frau G| trifft, kommt es vor allem darauf an festzustellen, wann der Kläger Frau OflHHil kennengelernt und wann er die unerlaubten Beziehungen zu ihr auf genommen hato War die Ehezerrüttung schon weit fortgeschritten, als der Kläger in ehewidrige Beziehungen zu Frau GflHHHHP eintrat, und traf die Beklagte an der bis dahin eingetretenen Zerrüttung ein erhebliches Verschulden, dann braucht die Aufnahme der Beziehungen zu Frau GMBHB nicht dazu zu führen, ein überwiegendes Verschulden des Klägers an der Ehezerrüttung anzunehmeno Das darauf folgende Verhalten der Parteien wäre nur mit in Betracht zu ziehen, wenn die Unheilbarkeit der Ehezerrüttung noch nicht mit der Aufnahme des ehebrecherischen Verhältnisses des Klägers zu Frau eingetreten sein sollte, wozu das Berufungsgericht keine Feststellung getroffen hat0 Der Umstand, daß das spätere Verhalten der Beklagten im engen Zusammenhang mit der ehelichen Untreue des Klägers steht, schließt nicht aus, daß es noch eine ehezerrüttende Wirkung ausgeübt hat«, ~s könnte insbesondere dann noch ehezerrüttend gewirkt haben, wenn der Kläger von seinem Vorhaben, die Beziehungen zu Frau GHP-HBP abzubrechen und v/ieder zur Familie zurückzukehren, wegen des weiteren Verhaltens der Beklagten Abstand genommen hätteo