BGH · IV ZR 107/63 vom 27.03.1963
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Jüdische Erblasser war nach einer kaufmännischen Ausbildung als kaufmännischer Angestellter in der Ledergroßhandlung eines Onkels in Berlin tätig, bis dieser im Jahre 1955 aus Vor folgungsgründen das Geschäft aufgab und auswanderte» Sodann nahm der Erblasser in an einer VorSchulung für das Studium des Maschinenbaues teile Anschließend studierte er bi in der Folgezeit nach England aus Die Entschädigungsbehörde hat dem Erblasser durch Teil bescheid vom 30» März 1957 für Schaden im beruflichen Fort- Mit der Klage hat die Klägerin diesen Anspruch weiter verfolgt und beantragt, das beklagte Land zu verurteilen, an die Erbengemeinschaft eine Entschädigung von 35*000 DM .Landgericht hat das beklagte Land zur Zahlung von 23*329 DM an die Erbengemeinschaft verurteilte Es ist davon ausgegangen, daß der Erblasser aus VerfolgungsgrUnden seinen mit Rücksicht auf das Bestehen einer gesetzlichen Alters Versicherung verneint und eine Kapitalentschädigung in Höhe von insgesamt 28*329 DM errechnet* Von dieser Kapitalentschädigung hat es die dem Erblasser für Schaden in der Ausbildung bereits & ewährte Entschädigung in Höhe von 5*000 DM abgezoge Mit der Berufung hat sich die Klägerin gegen die Anrechnung des als Entschädigung für Ausbildungsschaden: zugebiliig-ten Betrags gewendet* Sie hat beantragt, das beklagte Land zur Zahlung einer weiteren Kapitalentschädigung in Höhe von 5*000 DM an die Erbengemeinschaft zu verurteilen* Las Berufungsgericht hat das Urteil des Landgerichts geändert und das beklagte Land zur Zahlung einer Kapitalentschädigung in Höhe von 28*329 DM an die Erbengemeinschaft verutteilt* 1 j Das Berufungsgericht hat die Präge, ob auf die den Erben wegen Verdrängung des Erblassers aus unselbständiger Erwerbstätigkeit zugebilligte Kapitalentschädigung der dem Erblasser für Ausbildungsschaden zugeflossene Betrag von 5.000 DM anzurechnen ist, mit folgenden Erwägungen verneint: Der.Ausbildungsschaden sei zwar auch als Schaden in der Nutzung der Arbeitskraft zu betrachten» Daher könne grundsätzlich der Verfolgte nicht geltend machen, er habe im Schadenszeitraum die Ausbildung für einen Ausv/eichberuf begonnen und habe diese Ausbildung aus Verfolgungsgründen aufgeben müssen» Dieser Grundsatz sei aber dann nicht anwendbar, wenn die verfolgungsbedingte Unterbrechung einer im Schadenszeitraum begonnenen Ausweichausbildung einen höheren Schaden als den durch die Berufsverdrängung eingetretenen und durch die hierfür gewährte Entschädigung bereits erfaßten Schaden verursacht habe» Dies sei der Pall, wenn der erstrebte Ausv/eichberuf höherwertig sei als der ursprünglich vom Verfolgten ausgeübte Beruf» Die vom Erblasser durch das Studium an der Technischen Lehranstalt in Bodenbach erstrebte Ausbildung sei höherwertig als seine kaufmännische Tätigkeit» chcidung ist von der Erwägung getragen* daß mit der Kapital entSchädigung die Schädigung in der Nutzung der Arbeitskraft für die gesamte Zeit seit der Verdrängung bis zur Beendigung des Entschädigungozeitraums abgegolten und der während dieses Zeitraums erlittene Ausbildungsschaden, der gemäß Entschädigung den nach der Verdrängung vom Verfolgten erlitte non beruflichen Pehlschlägen und damit auch der Tatsache Rechnung getragen, daß der Verfolgte entweder nicht in einem Er- satzberuf untergekommen ist oder in einem bereits ergriffen Ersa tzberuf nicht die entsprechenden Einkünfte erzielt hat Damit ist zugleich auch der Schaden berücksichtigt, der darin besteht, daß der Verfolgte sich nicht zu einem Ersatzberuf ausbilden konnte und diesen Beruf wegen des Mangels einer solchen Ausbildung nicht ausüben konnte* Aus diesen Gründen hat der Senat einen zusätzlichen Anspruch des Verfolgten auf eine Entschädigung für einen während des Ent schädigungs z eit raurns erlittenen Ausbildungsschaden verneint«, Er hat es dabei drüeklich offen gelassen, ob der Verfolgte in dem Ersa beruf, zu dem er sich hätte ausbilden wollen und die danach zu beniessende Höhe der Kapitalentsch digung trägt das Bundesentschädigungsgesetz dem Schaden Rechnung, den der Verfolgte sowohl durch die Verdrängung selbst als auch dadurch erlitten hat, daß er, vor Wiedei erlangung einer auo ca eichenden Lebensgrundlage, weitere beruf liehe Pehlschläge 115 BEG auch der Ausbildungsschaden als Schaden im beruf liehen Portkommen gilt, ist auch eine im Entschädigungszeit raum li Schädigung der Ausbildung durch die für den Berufsschäden zugebilligte Kapitalentschädigung miterfaßt» ätzlich schwerer als eine Schädigung in der Ausbildung und zwar ohne Rücksicht auf die Art der erstrebten Ausbil dung Dieser Gesichtspunkt trägt die Auffassung, daß durch eine für eine Verdrängung einer Berufstätigkeit zuge billigte Kapitalentschädigung auch der Ausbildungsschaden, den der Verfolgte in der Zeit erlitten hat, in der er die folgen der ersten Berufsschädigung nkch nicht hat ausgleichen können und für die er deshalb entschädigt worden ist., Dieser Auffassung kann nicht entgegen gehalten werden, daß nach § 123 Abs» 2 BEG beide Ansprüche nebeneinander bestehen können» Eine solche Anspruchskonkurrenz ist z»B» dann möglich, wenn die Schädigung in der Ausbildung nicht in den der Berechnung der Kapitalentschädigung zugrunde liegenden Entschädigungszeitraum Nr» 70o Der Senat hat hier ausgesprochen, daß ein bereits beruflich tätiger Handwerksgeselle trotz seiner Berufsfertigkeit einen Anspruch auf Entschädigung für Schaden in der Ausbildung haben kann, wenn er die Meisterprüfung ablegen wollte, um sich selbständig machen zu können, hieran aber nach dem 19 * Januar 19$5 aus Verfolgungsgründen gehindert wurde» Die Frage, ob ein solcher Anspruch dann entfällt, wenn der Verfolgte diese Schädigung während des der Berechnung der Kapitalentschädigung für eine Verdrängung aus unselbständiger Tätigkeit zugrunde gelegten Entschädigungszeitraums erlitten hat, war nach dem diesem Urteil zugrunde gelegten Sachverhalt nicht zu entscheiden. Ein Verfolgter, der zunächst aus seinem Beruf verdrängt worden i3t und später, während des Entschädigungszeitraums, von der Ausbildung zu einem anderen Beruf ausgeschlossen worden ist, hat somit neben dem Anspruch auf Entschädigung hat das Landgericht im Ergebnis zu Recht die dem Erblasser zugebilligte Entschädigung von 5<>000 DM auf die wegen seines Beruföschadens seinen Erben zu gewährende Kapitalent Schädigung angerechnet (vgl* Senatsurteil vom 18* Januar