BGH · IV ZR 106/70 vom 27.10.1971
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der IV* Zivilsenat dee Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche Verhandlung vom 27« Oktober 1971 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br* HauB und der Bundesrichter Pr. Pfretzschner9 Dr* Reinhardt, Dr* Bukow und Dr* Buchholz für Recht erkannt: Durch Urteil des Landgerichts in Köln vom 24* Oktober 1968 sind die Beklagten als Gesamtschuldner verurteilt, an den Kläger 17*000 DM nebst Zinsen zu zahlen* Gegen dieses Urteil hat der Erstbeklagte durch Schriftsatz vom 16* Dezember 1968, bei Gericht eingegangen am 17* Dezember 1968, formgerecht Berufung einlegen lassen* Er hat behauptet, das Urteil sei seinem erstinstanzlichen Prozeßbevollmäch-tigten am 27* November 1968 von Anwalt zu Anwalt zugestellt worden* Unstreitig enthält das von diesem Rechtsanwalt unterschriebene Empfangsbekenntnis als Zustellungsdatum den 15. eingegangenen Schriftsatz hat der Erstbeklagte den Bürovorsteher seines erstinstanzlichen Anwalts, iflBB» zu dem Beweis für das von ihm behauptete spätere Zustellungsdatum als Zeugen benannt und beantragt, die mündliche Verhandlung wieder zu eröffnen« Das Oberlandesgericht hat diesem Antrag nicht entsprochen und durch Teilurteil die Berufung als unzulässig verworfen* Hiergegen richtet sich die Revision des Erstbeklagten, mit der er die Zurückverweisung des Rechtsstreits zu anderweitiger Entscheidung erstrebt. 1. Das Berufungsgericht hat die Berufung als verspätet angesehen, weil sie nicht innerhalb der Prist von einem Monat seit Zustellung des Urteils eingelegt worden sei« Bei der Berechnung dieser Frist ist es von dem im Empfang sbekenntnis bezeugten Zustellungsdatum des 15* November 1968 ausgegangen« Die Behauptung des Erstbeklagten, entgegen dem im Empfangsbekenntnis ausgewiesenen Datum sei das Urteil tatsächlich erst am 27« November 1968 zugestellt worden, hat es als nicht erwiesen angesehen« 2« Dem Berufungsgericht ist zunächst darin zuzustimmen, daß sich keine Bedenken gegen die Wirksamkeit der Zustellung aus dem Umstand ergeben, daß auf der bei der Zustellung übergebenen Abschrift des Urteils das Aktenzeichen insofern nicht ganz klar geschrieben war, als bei der auf die erkennende Zivilkammer hinweisenden Kennzahl die Ziffer M2W - offensichtlich versehentlich - mit dem Buch- staben nAn Überschlagen 1st« Es mag dahinstehen, ob damit das Aktenzeichen als unleserlich zu bezeichnen ist« Auf keinen Fall ist aber durch diese unsaubere Schreibweise ein Zweifel an der Nämlichkeit des zugestellten Schriftstücks aufgetreten« Nur dies aber könnte die Wirksamkeit der Zustellung in Frage stellen (vgl. Der Erstbeklagte und sein Prozeßbevollmächtigter konnten jedoch unzweifelhaft erkennen, daß es sich bei dem zugestellten Schriftstück um das Teilurteil handelte, welches in diesem zwischen den Parteien anhängigen Rechtsstreit ergangen war. Benn die Behauptung» auf die sich dieses Beweisangebot bezog» ist nicht erheblich« Ber Erstbeklagte hat lediglich vorgetragen» daß der als Zeuge benannte Bürovorsteher das Batum des 27. Dieses Datum der Zustellung des Urteils an den Zweitbeklagten wird vom Erstbeklagten nicht bestritten. Damit ist aber die Behauptung des Erstbeklagten schwer vereinbar, das Urteil sei seinem Prozeßbevollmächtigten an diesem Tage, am 27. Denn es ist kaum vorstellbar, daß die Ausfertigung des Urteils, auf der sich beide Empfangsbekenntnisse befinden, am selben Tage sowohl dem Prozeßbevollmächtigten des Erstbeklagten, als auch dem des Zweitbeklagten vom Anwalt der Kläger übersandt worden wäre« Dies spricht gegen die Behauptung des Erstbeklagten, das Urteil sei ihm am 27. Demgegenüber kann der Erstbeklagte zu dem Beweise dieser Behauptung auch nicht mit Erfolg auf den handschriftlichen Vermerk und die sogenannten Rotfristen abstellen, welche sich auf dem abgekürzten Urteilsexemplar befinden, das seinem Anwalt bei der Zustellung überlassen worden war. Er vermochte das im Empfangsbekenntnis bezeugte Zustellungsdatum nicht zu widerlegen, so daß seine Berufung in Übereinstimmung mit dem Berufungsurteil als verspätet und damit unzulässig zu werten ist.