BGH · IV ZR 105/61
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gleichfalls verstorben und wurde von ihren und ihres Ehemannes gemeinsamen Kindern, den Klägern zu 1») und 2*), dem Lehrer Fritz Walter und der Angestellten Annemarie Ruth P^^, beerbt o Erben des am 20* November 1949 verstorbenen Fritz Walter sind seine Kinder, die Kläger zu 3o) und 4o), Alle Kläger sind Erben der am 30* August 1952 verstorbenen Annemarie Ruth Der Vater, Dr* Ing* Leopold P^Bt hat nach Absolvierung der Technischen Hochschule in Brünn 1897 die erste Staatsprüfung und ira Jahre 1900 die zweite Staatsprüfung für das Maschinenbaufach mit Auszeichnung bestanden* Er war dann als Ingenieur bei der I* Maschinenfabriks- Die Kläger machen aus ererbtem Recht einen Entschädigungsanspruch wegen Schadens im beruflichen Fortkommen nach dem Erblasser Dr. Ing. Auf die Berufung der Kläger hat das Berufungsgericht durch Urteil vom 14. Die Revision des beklagten Landes führt zur Aufhebung des Urteils des Berufungsgerichts und zur Abweisung der Klage in vollem Umfango Das Berufungsgericht hält den von den Klägern geltend gemachten Entschädigungsanspruch wegen Schadens im beruflichen Fortkommen des verstorbenen Erblassei's auf Grund der Vorschrift des § 114 BEG aus folgenden Gründen für berechtigt: folgter im Sinne des BEGo Er habe Schaden im beruflichen Fortkommen erlitten, da er trotz abgeschlossener Ausbildung aus Gründen der Rasse keine dieser Ausbildung entsprechende Berufstätigkeit habe aufnehmen können o Mit der Erteilung der venia legendi sei die von Di'o erstrebte weitere, vertiefende wissenschaftli- herigen praktischen Tätigkeit zu einer gemischten praktischwissenschaftlichen Tätigkeit überzugehen« Hierfür sei die Habilitation erforderlich gewesen« Die der besonderen durch lange praktische Tätigkeit und wissenschaftliche Vertiefung gekennzeichneten Berufsausbildung entsprechende Erwerbstätigkeit habe Dr« aus rassischen Gründen nicht auf- gung seiner Ausbildung, d«h» bis zur Habilitation, als Oberingenieur gegen Entgelt tätig gewesen sei« Ebenso bedeutungslos sei es, daß der Vertrag Vom 24« März 1931 mit Wirkung vom 1« Mai 1933 an um zwei Jahre verlängert worden sei« Für die Aufnahme der beabsichtigten, der besonderen Berufsausbildung entsprechenden Tätigkeit als freiberuflich tätiger Ingenieur habe es einer kurzen Anlaufszeit bedurft« Es könne in freier Schätzung angenommen werden, daß Dr« Ing« P^^ ohne die nationalsozialistischen Verfolgungsma'ßnahmen die geplante selbständige Erwerbstätigkeit etwa am Schluß des ersten Semesters, d«h« etwa am 1« August 1933, hätte aufnehmen können« Bis dahin habe er den Vertrag vom 24» März 1931 zur Lösung bringen können, da ihm nach dessen Bestimmungen das Recht zuge-standen habe, jederzeit unter Einhaltung einer Frist von 6 Wochen einen Antrag auf Entlassung einzureichen« Dr« & B^^^AG" getreten sei und bis zu seinem Tode einen monatlichen Durchschnittsverdienst von 642 EM erzielt habe, stehe dem nicht entgegen* Diese Rückkehr in eine abhängige Stellung im privaten Dienst sei für den Erblasser ein Weg ohne Wahl gewesen* Mit der Tätigkeit bei der genannten Firma habe Br. daher keine seiner besonderen Ausbildung entsprechende Tätigkeit auf-genommen, eine solche Tätigkeit sei ihm vielmehr verschlossen geblieben* 2* Diese Ausführungen tragen das Urteil nicht* Die vom Berufungsgericht als Klagegrundlage herangezogene Vorschrift des § 114 BEG rechtfertigt einen Entschädigungsanspruch des Erblassers nicht* Nach Abs* 1 der genannten Vorschrift hat der Verfolgte, der trotz abgeschlossener Ausbildung aus den Verfolgungsgründen des § 1 BEG keino dieser Ausbildung entsprechende Erwerbstätigkeit hat aufnehmen können, sowie seine Hinterbliebenen Anspruch auf Entschädigung nach den §§66 bis 86 BEG* Diese Vorschrift schließt eine Lücke des Bundesergänzungsgesetzes* Dieses Gesetz regelte in den §§ 25 ff die Ansprüche der Verfolgten, die in ihrem beruflichen oder wirtschaftlichen Fortkommen durch nationalsozialistische Verfolgungsmaßnahmen nicht nur geringfügig benachteiligt worden waren* Die Vorschriften der §§ 51 ff BErgG gewährten denjenigen Verfolgten Entschädigungsansprüche, die in ihrer beruflichen oder vorberuflichen Ausbildung durch Ausschluß von der erstreb« ten Ausbildung oder durch deren erzwungene Unterbrechung Schaden erlitten hatten* Das BErgG unterschied daher im ,d cn § § " 51 ”'f f" BEf gG^ dnd or e r s e i ts?bolüc & s i c h iigt> e n Verfolgt cm-gruppen diese dritte besondere Gruppe von Verfolgten gibt, ist das Bundesergänzungsgesetz nicht vorübergeganger» Ihnen waren in § 27 Abs» 1 Satz 2 BErgG der Anspruch auf Erteilung der zur Aufnahme der Berufstätigkeit erforderlichen Genehmigungen, Zulassungen und Bezugsberecht:>: au;gon und in § 28 Abs» 1 Satz 2 BErgG der Anspruch auf Gewährung eines zur Berufsaufnahme erforderlichen Darlehens zugesprochen worden» Über diese Einzelansprüche hinaus hatte es § 6 Abs» 2 der 3» DV-BErgG einer Verfolgung aus selbständiger Stellung gleichgestellt, wenn der Verfolgte trotz abgeschlossener Berufsausbildung eine dieser Ausbildung entsprechende selbständige Erwerbstätigkeit nicht aufnsfihmen konnte» Auf die grundsätzlichen Bedenken, die dieser Gleichstellung im Wege einer DV entgegenstehen, ist in diesem Zusammenhang nicht einzugehen» Entscheidend ist, daß das Bundesentschädigungsgesetz 1956 diese Entwicklung dadurch zu dem Abschluß «gebrachthat, daß/ § 114 BEG unter der Über- schrift "Nichtaufnahme einer Erwerbstätigkeit trotz abgeschlossener Berufsausbildung” der dritten Verfolgtengrup-pe nunmehr generell den Anspruch auf Entschädigung nach den §§ 66 - 86 BEG zubilligt» Sowohl der Wortlaut als auch die Systematik dieser gesetzlichen Regelung lassen keinen Zweifel daran, daß sich die Entschädigungsansprüche die-ser Personen, soweit ein und dieselbe Verfolgungsmaßnahme in Frage steht, gegenseitig ausschließen„ Der Verfolgungstatbestand teilt die im beruflichen Fortkommen geschädigten Verfolgten einer bestimmten Verfolgtengruppe zu« Der Verfolgte ist entweder in der Berufsausbildung oder in der Ausübung seines Berufes oder drittens dadurch geschädigt worden, daß er trotz abgeschlossener Ausbildung eine dieser Ausbildung entsprechende Erwerbstätigkeit nicht aufnehmen konnte« Für den hier zu entscheidenden Fall ergibt sich aus dieser systematischen Einteilung der Verfolgungstatbe-,3tähde daß dem Erblasser ein Entschädigungsanspruch nach § 114 BEG, der im Erbwege auf die Kläger übergegangen sein könnte, nicht zugestanden haben kann« Dem steht grundsätzlich entgegen, daß der Erblasser vor der beruflichen Schädigung durch nationalsozialistische Verfolgungsmaßnahmen jahrzehntelang in selbständiger und unselbständiger beruflicher Tätigkeit tätig gewesen war« Die Vorschrift des § 114 BEG hat nur solche Verfolgte im Auge, die eine Berufstätigkeit aus Verfolgungsgründen überhaupt nicht ergreifen konnten, nicht aber auch Personen, die vor ihrer Verfolgung bereits lange Jahre im Berufsleben standen« Hieran kann auch nichts ändern, wenn der Verfolgte im Zeitpunkt der Schädigung seinen Beruf nicht ausübte. berufliche Tätigkeit endgültig aufgegeben hatte und einen neuen Beruf erstrebte, dessen Vorbereitung er zur Zeit der Schädigung bereits abgeschlossen hatte, kann dahinstehen, da der Erblasser zu diesem Zeitpunkt berufstätig war» Es mag richtig sein, wie dies die Kläger behaupten, daß die zur Zeit der Schädigung ausgeübte Tätigkeit für den Erblasser nur eine Übergangslosung war und daß er eine gemischt wissenschaftlich-praktische Tätigkeit als freiberuflicher Ingenieur und Konstrukteur anstrebteo Hierauf kann es jedoch nicht ankommen» Entscheidend ist, daß der verstorbene Erblasser im Zeitpunkt des Beginns der gegen ihn gerichteten Verfolgung beruflich tätig war, so daß seine Entschädigungsansprüche wegen Schadens im beruflichen Portkommen nicht nach § 114 3EG, sondern nach den §§ 64 ff BEG zu beurteilen sindo Der Erblasser der Kläger erstrebte auch nicht eine neue Berufsausübungo Er wollte vielmehr in seinem alten Beruf weiter tätig sein und nur die besondere Art der Berufsausübung ändern» Wenn er in Zukunft freiberuflich als beratender Ingenieur tätig sein wollte, so bedurfte es auch zur Erreichung dieses Zieles nicht der Habilitation» Denn die Berufs-aussichten des Klägers in seiner neuen Tätigkeit gründeten sich in der Hauptsache auf das Ansehen, das er in der Fachwelt auf Grund seiner jahrzehntelangen Tätigkeit in selbständiger und unselbständiger Tätigkeit genoß, nicht aber darauf, daß er einen akademischen Rang erreicht hatte» Auf die Entscheidung des erkennenden Senats vom 11. Mai I960 r IV ZK 310/59 RzW I960, 402 Nr» 70 kann sich das Berufungsgericht zur Rechtfertigung seiner abweichenden Auffassung nicht berufen» In dieser Entscheidung hat der erkennende Senat zu dem Ausdruck gebracht, daß derjenige, der von einer unselbständigen zu einer selbständigen Stellung übergehen will, sich einem neuen Beruf zuwendet» Die Entscheidung ist zu der Frage ergangen. 3o Scheidet nach alledem § 114 BEG als Grundlage des erhobenen Entschädigungsanspruchs aus, so vermögen auch die übrigen Vorschriften des BEG zur Regelung der Entschädigung wegen Schadens im beruflichen Fortkommen den Anspruch nicht zu rechtfertigeno Auszugehen ist davon, daß der Erblasser im Zeitpunkt der Schädigung im Beamtenverhältnis auf Zeit als Assistent und Cberingenieur am Maschinenlaboratorium der Technischen Hochschule in Aachen tätig war und gleichzeitig an dieser Hochschule die venia legendi für das Lehrfach "Gestaltungslehre" hattea Geht man zunächst von dieser Stellung aus, so liegt es nahe, die Vorschrift des § 111 BEG als Anspruchsgrundlage heranzuziehen« Biese Vorschrift ist jedoch im vorliegenden Falle nicht anwendbar, weil der Erblasser der Kläger nach den Feststellungen des Berufungsgerichts niemals geplant hatte, hauptberuflich als Hochschullehrer tätig zu werden und auch hierfür wegen seines damals bereits fortgeschrittenen Lebensalters kaum Aussicht gehabt hätte« Durch die Vorschrift des § 111 BEG soll den nichtbeamteten außerordentlichen Professoren und Privatdozenten eine Entschädigung wegen entgangener Dienstbezüge gewährt werden, die ihnen ohne die gegen sie gerichteten Verfolgungsmaßnahmen zugeflossen sein würden« Hatte der Verfolgte jedoch keine begründete Aussicht, solche Bezüge zu erhalten, so ist ihm durch die Entziehung der Lehrbefugnis ein nach § 111 BEG ent schädigungsfähiger Schaden nicht entstanden (vgl« Ehrig bei Blessin/Wilden, Kommentar zu dem BEG, 3« Aufl« Anm« 1 zu 4„ Schließlich stehen dem Verfolgten auch keine Entschädigungsansprüche nach den §§ 99 ff BEG zu« Als Beamter auf Zeit war der verfolgte Erblasser Angehöriger des öf- fentliehen Dienstes« Die Ansprüche dieses Personenkreises werden grundsätzlich in § 99 BEG umschrieben« Da es sich auch hier um Ansprüche wegen Schadens im beruflichen Fortkommen handelt, erklärt § 99 Abs« 3 BEG mit Hecht bei der Regelung der Voraussetzungen dieser Ansprüche § 64 BEG für anwendbar« Auch der Anspruch des verfolgten Beamten wegen Schadens im beruflichen Fortkommen hängt daher nach § 64 Abs« 1 BEG grundsätzlich davon ab, daß er durch die Verfolgung in seinem beruflichen oder in seinem wirtschaftlichen Fortkommen nicht nur geringfügig benachteiligt worden ist* drei Jahren vor Beginn der Verfolgung zu beurteilen„ Das : Gesetz berücksichtigt demgemäß bei der Bemessung der Kapitalentschädigung ausschließlich die wirtschaftliche Lage a in der sich der Verfolgte im Zeitpunkt der Schädigung befand,, Zukünftige berufliche Aussichten bleiben unberücksichtigte Der Verfolgte kann also nicht bei der Verfolgung seines Entschädigungsanspruchs wegen Schadens im beruflichen Fortkommen mit Erfolg geltend machen, daß sich ohne die Verfolgung seine wirtschaftliche Lage weiter günstig entwickelt hätte, so daß sein Schaden bedeutend höher sei» daher auch den Standpunkt, daß bei der Entscheidung der Frage, ob der Verfolgte effektiv einen Schaden in seinem beruflichen Fortkommen erlitten habe, ausschließlich die Bezüge zu berücksichtigen seien, die er im Zeitpunkt der Schädigung gehabt habe. Die Kläger haben im Revisionsrechtszug geltend gemacht, daß der Erblasser als Gutachter für mehrere Unternehmungen tätig gewesen seio Biese Tätigkeit des Erblassers muß jedoch bei der Frage, ob er durch sein verfolgungsbedingtes Ausscheiden aus seiner Tätigkeit als Oberingenieur und Assistent am Heizkraftwerk der Technischen Hochschule nicht nur unerheblich geschädigt worden ist, außer Betracht bleibeno Bie Kläger haben nicht geltend machen können, daß diese Tätigkeit als Gutachter durch die hier in Frage stehende Verfolgungsmaßnahme beeinträchtigt worden i3t0 Bie Kläger haben weder über die Einnahmen des Erblassers als Gutachter noch Uber die Beständigkeit eines solchen Einkommens sachdienliche Angaben gemacht <>