BGH · IV ZR 104/76 vom 16.02.1977
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November 1957 gerichtlich bestätigt wurde, hat der Kläger die amflHH||Bl955 geborene Beklagte an Kindes Statt angenommen; in § 9 Abs.3 Satz 1 des Vertrages heißt es, daß das Annahmekind gesund sei. Oktober 1972 die Anfechtung des AnnahmeVertrages wegen Irrtums über wesentliche persönliche Eigenschaften der Beklagten (angebliche frühkindliche Hirnschädigung). Rechtsprechung und Schrifttum sind sich darüber einig, daß nicht jede Enttäuschung, die der Annehmende bei der späteren Entwicklung des Kindes erlebt, geeignet ist, eine Anfechtung des AnnahmeVertrages wegen Irrtums über wesentliche Eigenschaften des Kindes zu rechtfertigen. Entscheidend ist vielmehr, wie auch das Reichsgericht ausgeführt hat, daß es sich bei der in dem späteren Verhalten des Kindes zutage getretenen fehlerhaften Entwicklung um den Ausdruck und die Bestätigung einer bereits zur Zeit des Abschlusses des AnnahmeVertrages vorhandenen, für den Annehmenden nicht erkennbaren, auch durch Erziehung nicht zu bessernden natürlichen Veranlagung handelt (RGZ 156, 334). Das Berufungs gericht ist aufgrund der von ihm getroffenen Feststellungen davon überzeugt, daß der Kläger sich bei Abschluß des Annahmevertrages über eine solche wesentliche Eigenschaft der Beklagten geirrt habe. Es kann dahingestellt bleiben, ob die bei der Beklagten vorliegende hirnorganische Funktionsstörung so geartet, insbesondere so erheblich ist, daß sie als wesentliche als Anfechtungsgrundlage nach § 119 Abs. 2 BGB in Betracht kommende Eigenschaft der Beklagten angesehen werden kann. Denn das Berufungsgericht hat weiter festgestellt, daß die Anfechtung verspätet erfolgt sei; die dagegen gerichteten Angriffe der Revision sind unbegründet. 1. Das Oberlandesgericht hat es als erwiesen angesehen, daß die Zeugin De (Mutter der Beklagten und damalige Ehefrau des Klägers) den Kläger sowohl Über den Inhalt ihres Gesprächs mit dem Leiter der Sonderschule anläßlich der Prüfung der Beklagten für die Aufnahme in Nach den vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen erfuhr die Mutter, daß bei der Beklagten höchstwahrscheinlich eine Schädigung vorlag, die entweder eine pränatale genetische Ursache hatte oder auf spätere exogene Einflüsse zurückzuführen war. Die Revision meint, der Kläger habe durch jene Mitteilungen noch keine Gewißheit über das Vorhandensein eines Hirnschadens erlangt, sondern nur von dessen Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit erfahren; er hätte aber positive Kenntnis vom Vorliegen einer organischen Hirastörung als der Ursache der mangelnden Leistungsfähigkeit der Beklagten und vom genaueren Ausmaß der Leistungsminderung haben müssen; ihm sei auch nicht bekannt geworden, daß der Zustand der Beklagten auf Schäden zurückzuführen war, die bereits bei Abschluß des Adoptionsvertrages bestanden hatten, und daß die Beklagte voraussichtlich für dauernd heimbedürftig sein werde. Gegen eine Kenntnis des Anfechtungsgrundes spreche schließlich, daß der Kläger irreparable Störungen bei der Beklagten nicht habe wahrhaben wollen und noch nach der Untersuchung im Sommer 1970 wiederholt geäußert habe, die Beklagte habe gar nichts, sie sei nur verschlagen, verlogen oder raffiniert. Der Kläger hat im Sommer 1970 Kenntnis von den erheblich unterdurchschnittlichen Leistungen der Beklagten auf vielen Gebieten sowie von den Indizien gehabt, aus denen sich ergab, daß die vorliegende Leistungsminderung zu einem, wenn nicht ganz irreparablen, so doch nur in engen Grenzen besserungsfähigen Dauerzustand geführt hatte. Aus den Schilderungen der Kindesmutter ergab sich für den Kläger, daß es sich bei der fehlerhaften Entwicklung der Beklagten um den Ausfluß und die Bestätigung einer bereits zu dem Zeitpunkt des Abschlusses des Annahmevertrages vorhandenen Veranlagung handelte. 2. Das Berufungsgericht ist zu dem Ergebnis gelangt, daß der Kläger die Anfechtung des Adoptionsvertrages nach Erlangung der Kenntnis vom Gesundheitszustand der Beklagten nicht unverzüglich erklärt habe (§ 121 Abs« 1 BGB).