BGH · IV ZR 1014/68
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der IVo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 7* Januar 1970 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr* Hauß und der Bunde si’ichter Johannsen9 Wüstenberg., Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des 2o Zivilsenats des Oberlandesgerichts Köln vom 13« Dezember 1967 aufgehoben<> Im März 1964 hat der Kläger gegen die Beklagte auf Scheidung der Ehe aus § 43 EheG geklagt» Die Klage ist erfolglos gehlieben» Auf die nach § 547 Abs0 1 ZPO a<>Po statthafte Revision hat das Revisionsgericht nur zu prüfen, oh der von der Beklagten erhobene Widerspruch gegen die Scheidung nach § 48 Abso 2 EheG begründet istv Pas Berufungsgericht hat den Widerspruch für zulässig gehalten, v/eil der Kläger die endgültige Zerrüttung der Ehe mindestens überwiegend verschuldet habeo Dabei ist es davon ausgegangen, daß die überwiegende ZerrüttungsGchulcl des Klägers bereits in dem lerufungsurteil des ersten Scheidungsprozesses festgestellt worden sei; die Ausführungen des Klägers in dem vorliegenden lechtsstreit seien nicht geeignet, die damaligen festStellungen zu erschütterno Dieser Ausgangspunkt ist rechtlich angreif bar <> Das Oberlandesgericht hatte in dem im ersten Scheidungsprozeß ergangenen Berufungsurteil vom 24o März 1965 über das Verhalten der Beklagten in der Zeit vor dem 16 0 Februar 1964 keine Eeststellungen getroffen, weil die in dieser Zeit möglicherweise vor!iegenden Verfehlungen verziehen wordm seien und deshalb als selbständige Scheidungsgründe aus«-fieleno Es hatte es deshalb auch ausdrücklich nicht für erforderlich gehaltcfrV- die Parteien über die Entwicklung der Ehe zu vernehmen<> Dieses Vorgehen war bei der damals nur auf § 43 EheG gestützten Klage mögliche Bei der Prüfung, ob der nach § 48 Ahs0 2 EheG erhobene Widerspruch zulässig ist, geht es jedoch um andere Rechtsfragen als im Verfahren nach § 43 EheGo Es ist nicht darüber zu befinden, ob die Beklagte sich schwerer Ehe Verfehlungen schuldig gemacht hat«, Vielmehr kommt es darauf an festzustellen, worauf die beste- Nach dem Antrag des Klägers war die Ehe schon zerrüttet, ehe er im Jahre 1962 Frau DflP kennonlernto, mit der er ein ehebrecherisches Verhältnis angeknüpft hat und die er nach dem Vorbringen in der Berufungsbegründung zu heiraten beabsichtigt* Er hatte den Grund der Zerrüttung der Ehe wesentlich in zwei Ursachenbereichen gesehen, einmal darin, daß sich die Beklagte seit der Geburt des Sohnes weitgehend dem Eheverkehr entzogen habe, sodann darin, daß sie sich in den Fragen der Erziehung des Sohnes ständig auf die Seite des Sohnos gegen ihn, den Kläger, gestellt habe* Der Kläger hatte dieses Vorbringen in dor Berufungsbegründung unter Anführung einzelner Umstände unter Beweis gestellto Diesem Vorbringen hätte das Berufungsgericht, wie die Revision mit Recht geltend macht, nachgehen müssen0 Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß die Beklagte durch das behauptete Verhalten die erste Ursache für die Zerrüttung der Ehe gesetzt oder o^üenfalls maßgebend mit zur Zerrüttung der Ehe beigetragen hat* Ist das aber der Fall, dann könnte in der späteren Zuwendung des Klägers zu der Frau Dott möglicherweise die Folge einer bereits eingetrotenon Zerrüttung der Ehe gesehen worden0 Die Abwendung dos Klägers von der Ehe würde dann zwar dennoch kaum entschuldbar sein, sondern sich als schuldhafter Verstoß gegen seine Verpflichtung zur ehelichen Lebensgemeinschaft darstellen können0 Es könnte jedoch sein, daß seine Verfehlung bei der nach § 48 Abs0 2 EheG gebotenen Abwägung des Verhaltens beider Ehegatten nicht mehr als überwiegende Zerrüttung,*sschuld zu^bewertenmäreo Demnach mußte der.Verlauf der Ehe -in der Zeit vor der Trennung der Parteien eingehend darauf überprüft werden5 worauf eine bei der Trennung etwa schon vorhandene Zerrüttung der Ehe zurückzuführen ist„