BGH · IV ZB 8/52
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtsanwalt zugelassen war,, Die Berufungsschrift wurde noch am 241 November, an das Oberlandesgericht gesandt, wo sie am 26o November eintraf0 Durch Schreiben des Senatsvorsitzenden vom 26o November wurde «der Prozeßbevollmächtigte• darauf hingewiesen, daß die Berufung unzulässig sein dürfte, da er nicht beim Oberrandesgericht zugelassen 'sei* Darauf legte der Beklagte am Q0 Dezember erneut Berufung ein, und zwar■diesmal durch einen beim Berufungsgericht zugelassenen Anwalts Gleichzeitig stellte er den Antrag? Zur Begründung dieses Antrages brachte•er folgendes vor: Sofort nach Eingang des Telegramms habe sein Prozeßbevollmächtigter seiner Büroangestellten Eräulein Sfll die Anweisung gegeben, die Berufung beim Oberlandesgericht nwie üblich” einzulegeny Auf eine solche Anweisung hin habe Präulein stets die Beru- fungsschrift gefertigt<, die alsdann mit einem Anschreiben an den .zweitinstanzlichen Anwalt gesandt worden sei0 Präulein Schröder sei auch wiederholt darauf hingewiesen worden, daß Berufungen gegen Urteile des Landgerichts durch den ständigen Korrespondenzanwalt einzulegen sei-eUo Irn vorliegenden Palle habe. Seinem Prozeßbevollmächtigten selbst sei allerdings bei den Unterschriften, die "am Wochenende in großer Vielzahl" vorhanden gewesen seien, entgangen, daß das Anschreibon für den zweitinstanzlichen Anwalt gefehlt habe und daß "die Berufungsschrift direkt an das Oberlandesgericht von ihm adressiert worden sei*" machte Der Beklagte hat in seinem Antrag weiter vorgebracht', Di% Wflife habe mit seiner Unterschrift ledig- ' lieh die Richtigkeit der in der-Berufungsschrift enthaltenen Angaben zur Sicherheit für den zweitinstanzlichen Anwalt erklären wollene Die eidesstattliche Versicherung des Rechtsanwalts Dru erstreckt sich jedoch auf dieses Vorbringen nicht„ Eine Glaubhaftmachung ist insoweit auch sonst nicht erfolgt, und.: daß den Prozeßbevollmächtigten erster Instanz des Beklagten ein-Verschulden insofern treffe, als er es unterlassen habe, die von ihm Unterzeichnete Berufungs.schrift sorgfältig durch-zulesen, Plätte .er dies getan, so hätte er "bei Unter-Zeichnung der von seinem Büro an das Oberlandesgericht gerichteten, also unrichtig adressierten Berufungsschrift? diesen Fehler und das Fehlen des Anschreibens an den Pro-zeßbevollmächtigten des zweiten Rechtszuges erkennen müssen," Dieses Verschulden müsse der Beklagte gemäß § 232 Abs 2 ZPO gegen sich gelten lassen* Per V/ieder-einsetzungsantrag sei also nicht gerechtfertigt; die am 8, Bezember 1951 eingelegte Berufung sei daher als verspätet und damit unzulässig zu verwerfenj Pie Unzulässigkeit der am 260 November eingelegten Berufung ergäbe sich daraus, daß sie nicht von einem beim Oberlandesgericht zugelassenen Rechtsanwalt eingelegt worden ssio Gegen diesen BeSchluß, der ihm am 5* Januar 1952 zugestellt worden ist-, hat der Beklagte durch eine von einem beim Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht zugelassenen Rechtsanwalt Unterzeichnete und bei diesem Gericht am 16;,?: Januar 1952 eingereichte Schrift sofortige Beschwerde eingelegt? der Beklagte habe behauptet« die dem Berufungsgericht eingereichte Berufungsschrift sei versehentlich an das Oberlandesgericht adressiert gewesen* Das Vorbrin gen des Beklagten ging vielmehr dahin, die nur als Entwurf gedachte Berufungsschrift habe zwar die richtige An schrift5 nämlich "Schleswig-Holsteinisches, Oberlandes-gerieht", getragen?•und sie sei auch:nicht-etwa versehentliche sondern absichtlich^ nämlich um dem zweitinstanzlichen Anwalt die Richtigkeit zu bestätigen«; von seinem erstinstanzlichen Prozeßbevollmächtigten unterzeichnet worden; das Versehen habe lediglich dalin gelegen, daß ein Anschreiben für den zweitinstanzlichen Anwalt nicht gefertigt und die "Berufungsschrift" an das Oberlandesgericht gesandt worden sei, anstatt mit einem Anschreiben an den zweitinstanzlichen Prozeßbevollmächtigt en„ -v Zu diesem -besonderen., nur den vorliegenden Pall betreffenden Verschulden tritt ein weiteres, allgemeines Verschulden des Prozeßbevollmächtigten0 Dieses liegt in seiner' Gepflogenheit;; die Entwürfe der für das Oberlandesgericht bestimmten Berufungen zu unterschreiben0 Dadurch ruft er die Gefahr hervor« daß solche nur als Entwurf bestirnmte? aber wie eine eigentliche Berufungsschrift aussehende Schreiben« von dem Angestellten« der die Absendung der unterschriebenen Post vornimmt, für eine fertige Berufungsschrift gehalten und daher - wie hier geschehen - an das Oberlandesgericht gesandt werdenc Mit dieser Möglichkeit ist zwar nur zu rechnen« wenn- entweder - wie im vorliegenden Pall - das Anschreiben vergessen oder aber dieses beim Herausnehmen der Post aus der Unter- als daß damit nicht ohne weiteres zu rechnen sei«, Daß er damit nicht gerechnet hat oder gar gleichwohl seine Gepflogenheit angenommen bezwo beibehalten hat, die Entwürfe zu unterschreiben« stellt eine Verletzung der Sorgfaltspflicht durch den Prozeßbevollmächtigten des Beklagten dar; denn jeder Anwalt hat dafür Borge zu tragen« daß Versehen seines Büropersonals soweit als möglich vermieden werden (BG J\V 1 923 5 1 4) o" Das Verschulden des Prozeßbevollmäc h-tigten erscheint um so größer,, als keinerlei Veranlassung bestand, die Entwürfe von Berufungsschriften zu unterschreiben; denn dem zweitinstanzlichen Anwalt gegenüber mußte die Unterschrift unter dem Anschreiben völlig genügen; es ist nicht ersichtlich, weswegen der Entwurf noch einer besonderen Bestätigung durch Unterzeichnung bedurftec Das vom Prozeßbevollinächtigten geübte Verfahren ist im vorliegenden Pall auch ursächlich für die Versau-