BGH · IV ZB 93/52
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Will ein Oberlandesgericht von einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs für die Britische Zone abweichenj so ist die Sache dem Bundesgerichtshof vorzulegen. Rechtssatz: Ein Vertrag» durch den eine Person ihren Grundbesitz oder ihr Vermögen mit der Maßgabe übergibt,, dass der Vertrag erst nach dem lode des Übergebers durch Auflassung oder Übertragung der zu dem Vermögen gehörenden Rechte vollzogen werden soll» ist nicht stets und ausnahmslos ein verschleierter Erbvertrag (abw„ Pur einen landwirtschaftlichen Hof ObUBZ ein 19.49. Es hängt von dem Inhalt und den Umständen des einzelnen Falles ab» ob ein solcher Vertrag als Vertrag unter Lebenden oder als -verschleierte Verfügung von Todes wegen anzusehen ist. Das Letztere kommt in Betracht» wenn sich der Vertrag nicht nur auf.gegenwärtiges„ sondern auch auf zukünftiges Vermögen des Übergebers bezieht, tenZeichen: IV ZB 93/52 geschieht, muss das Verwaltungs- und Nutzniessungs-recht der Eltern im Grundbuche eingetragen werden, löschbar gegen Vorlage der Sterbeurkunden,, Nach den Tode der Eltern sollen Mathilde oder ihre Rechtsnach folger berechtigt sein, die Auflassung auf sich vor-zunehmeni Roch sind im Ralle einer Auflassung die weiter unten aufzuzählenden Abfindungen für die Geschwister gleichzeitig einzutragen,. Mathilde -verpflichtet sich für sich und für den Fall ihrer etwaigen Heirat auch für ihren künftigen Ehemann die Eltern mit kindlicher Liebe zu behandeln, zu hegen und zu pflegen« Ren Unterhalt der Eltern zu bestreiten, ist sie und ihre Rechtsnachfolger nur soweit ver pflichtet, als nicht die Eltern aus eigenen Mitteln, einschliesslich etwaiger Renten, Arbeitslosen- oder Unterstützungsgelder us'w. Rie Übernehmerin schuldet nach dem Tode beider Eltern ihren genannten fünf Geschwistern oder deren Rechtsnachfolger je 500 (fünfhundert) Reichsmark Abfindungs summe, Karl überträgt hiermit diesen seinen künftigen Anspruch auf seihen Bruder Georg, da er ihm 500 (fünf hundert) Reichsmark scbuldet Karl aus dieser Schuld, Georg entlässt hiermit Sämtliche Kinder erkennen an, dass sie mit djeser Re gelung einverstanden sind und weitere Ansprüche gegen die übernehmerin nicht geltend machen wollen. teljährlicher Frist, verzinslich mit 4 vom Hundert jährlich».Falls die Sparkasse für langfristige Einlagen weniger zahlt, ermässigen sich die Zinsen ent-’ sprechend» Mehr als eine Auszahlung braucht innerhalb eines Vierteljahres nicht geleistet zu werden0 Unter mehreren Kündigungen:hat die.Kündigung des Älteren den Vorrang» auch wenn sie die spätere:, ist; .die Kün- : digung des Jüngeren muss nach Ablauf der Kündigung des Alteren wiederholt werden» Kündigungen sind nur zu dem Quartalsschluss zulässig;" Auf Antrag des Beteiligten zu 4) hat das- Amtsgericht in Herford am 14» Februar 1-952 einen Erbschein erteilt; wonach der Erblasser kraft Gesetzes von seiner 7/itwe, der Beteiligten" zu 2), zu 1/4 und den Beteiligten zu 2) bis 7) zu je 1/8 beerbt worden ist» Die Beteiligte zu 6) hat bei dem Nachlassgericht beantragt; den Erbschein einzuziehen. Juni 1952 den Erbschein eingezogen, weil gesetzliche Erbfolge nicht eingetreten sei» Gegen diese Verfügung hat der Beteiligte zu 4) Beschwerde eingelegt und die Wiedererteilung des Erbscheins beantragt. Das Landgericht in Bielefeld hat durch den angefochtenen Beschluss die Verfügung des Amtsgerichts vom 3» Juni 1952 aufgehoben und es ange- In diesem Urteil hat der Gerichtshof ausgesprochen, dass ein Vertrag des Inhalt dass ein Hof erst nachedem Tode des Übergebers an den.Über .nehmen aufgelassen werden sollep kein.Übergabe- oder Übertragsvertrag sei, da er zu Lebzeiten des Übergebers keine Änderungen in den Eigentumsverhältnissen und damit keine Vorwegnahme der Erbfolge bewirke. Sin solcher Vertrag könne vielmehr nur als ein verschleierter Erbvertrag angesehen werden, weil er in Wirklichkeit die Rechtsnachfolge nach dem Tode des Übergebers regeln wolle, also eine Verfügung von Todes wegen enthalte. Hach der ständigen vom Bundesgerichtshof im Anschluss an die reichsgerichtliche Praxis geübten Rechtsprechung ist der Vorlagebeschluss für ihn nicht bindend, vielmehr sind die Voraussetzungen des § 28 Abs 2 FGG von ihm selb- her Bundesgerichtshof hat bis jetzt die Frage« ob von einem Oberlandesgericht nach § 28 Abs 2 EGG zu verfahren sei wenn es von einer Entscheidung des seit dem■17 Oktober 1950 nicht mehr bestehenden ^Obersten 'Gerichtshof für -'die^Britische Zone -abweichen will, hoch nicht' entschieden, In seinem Beschluss vom 7° April 1952 — IV ZB'9/52 (BGHZ 5, 344)’ - hat der Senat ausgesprochen, dass die Vorlagepflicht nach § 28 Abs 2 besteht, wenn ein Oberlandesgericht von einer Bntschei dung des Reichsgerichts abweichen will« § 28 Abs 2 aaO ist 'aber auch .anzuwenden, wenn ein Oberlandes ge rieht' sich durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs an einem von ihm zu erlassenden^Beschluss über eine weitere Beschwerde in A:ige 1 egenheiten 6er freiwiliigen Gerichtsbarke it gehindert s1 e h t „ Denn sonst bestünde eine Vorlagepflicht der Oberlandesgerichte nicht, wenn sie von Entscheidungen des Bundesgerichtshofs abweichen wollen Das kann nicht der Sinn der Vorschrift sein, die im Interesse der Wahrung der Einheitlichkeit der Rechtsprechung gegeben ist« Unter Berücksichtigung der Rechtsentwicklung seit dem Jahre 194-5 muss aber den Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs für die Anwendung des § 28 Abs 2 EGG die gleiche Bedeutung wie denen des Reichsgerichts und des Bundesgerichtshofs beigelegt .werden« Nach Art 8 II Nr 88 des- Vereinheitlichungsgesetzes ist der Bundesgerichtshof nicht nur an die Stelle des Reichsgerichts, sondern auch des Obersten Gerichtshofs getreten» Dem Obersten-Gerichtshof waren seinerzeit durch § 33 Abs 1 der Verordnung zur Durchführung der IvlilRegVO 98 über die Errichtung eines obersten Gerichts in der britischen Zone vom 17» November 1947 (V0B1 BZ 3 149) für An-gelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit die Befugnisse des Reichsgerichts übertragen wordene' Damit sollte, wie schon Abs 2 dieser Vorschrift zeigt, dem Obersten Gerichtshof für die Britische Zone die Stellung eingeräumt werden, die das Reichsgericht auf Grund des § 28 Abs 2 EGG für das gesamte Reichsgebiet besass. dass eine Sache nicht vorzulegen sei, wenn die Entscheidung, von der abgewichen werden solle, vor dem 11 Oktober 1945 ergangen war. Dies bedeutete auch eine Ein schränkung der dem Obersten Gerichtshof eingeräumten Befugnis insoweit, als er nicht angerufen zu werden brauchte wenn ein Oberlandesgericht von einer Entscheidung des Reichsgerichts abgehen wollte« Aus dem Umstand, dass dem Obersten Gerichtshof die Wahrung der Rechtseinheit lediglich für die Britische Zone übertragen werden konnte, ergab sich eine weitere aus der Sache folgende Grenze für seine Zuständigkeit» Biese bestand, wie er selbst in OGHZ 1, 10 ausgesprochen hat, darin, dass eine Sache ihm nicht September 1950 bei diesem Gerichtshof anhängig, aber noch nicht erledigt waren, Yon dieser Bestimmung'wurden somit auch Sachen betroffen,, in denen ein Oberlandesgericht der britischen Zone von einer Entscheidung des Obersten Gerichts-, hofs abweichen-wollte. Es besteht aber kein hinreichender Grund, die Zuständigkeit des Bundesgerichtshofs nach § 28 Abs- 2 EGG nur 'auf solche beim Obersten Gerichtshof anhängig gewesene- und dort nicht mehr entschiedene Sachen zu beschränken, Die Erwägungen, die den Senat veranlasst haben, in BGHZ 5, 344 auszusprechen, dass auch Sachen vorzulegen seien, in denen - von einer Entscheidung des Reichsgerichts abgewichen werden solle, müssen auch für den Obersten > . dann könnte die Lage eintreten, dass es zwar • vorlegen muss, wenn es von einer Entscheidung eines Oberlandesgerichts dieser Zone abweichen will, das die Rechtsfrage auf Grund der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs in einem bestimmten Sinne entschieden hat, nicht aber, wenn es von einem Erkenntnis dieses Gerichts unmittelbar abgehen will. Es erscheint daher aus den Gründen, die zu der Entscheidung in BGHZ 5, 344 geführt haben, im Interesse der dem Bundesgerichtshof nunmehr übertragenen Aufgabe, die Rechtseinheit zu wahren, notwendig, dass nach § 28 Abs 2 .verfahren wird, wenn ein Oberlandesgericht eine vom Obersten Gerichtshof entschiedene Rechtsfrage anders beantworten will, als es dieser Gerichtshof getan hat. berufen wollte, so würde man übersehen, dass diese Entscheidung wesentlich darauf beruht, dass sich die Entscheidungsgewa.lt des Obersten Gerichtshofs nur auf die britische Zone beschränkte, so dass die Oberlandesgerichte der anderen Zonen an die Ent- Mit Rücksicht auf diese Aufgabe des Bundesgerichtshofs, in dem sich auch der Oberste Gerichtshof fortsetzt, kann die Vorlagepflicht in den hier in Frage stehenden Fällen nicht, auf die Oberlandesgerächte der britischen Zone beschränkt sein. .• hi Dem vorlegenden Oberlandesgericht ist aber auch weiter darin beizustimmen, dass die von ihm vorgelegte Sache an den Bundesgerichtshof deswegen abzugeben war, weil es von der Entscheidung'des. Sowohl dessen Entscheidung als auch die im vorliegenden Fall zu treffende haben darüber zu befinden, ob ein Übertragsoder Übergabevertrag, durch den jemand einem Familienangehörigen oder einem Dritten sein Vermögen oder seinen Grundbesitz überträgt, die Vollziehung des Vertrages aber bis zur Zeit nach seinem Tode aussetzt, wegen der Hinauszöge-rung des Vollzuges bis nach dem Tode des Übergebers kein ff;:Rechtsgeschäft unter lebenden ist, sondern einen verschlei-vierten Erbvertrag darstellt. besondere der'Hinweis auf das Schrifttum um die Rechtsprechung ,1 lassen aber unzweifelhaft erkennen, dass : der von '■ dem Obersten Gerichtshof ausgesprochene ber-vuc ooen erwähnte allgemeine Grundsatz sich nicht aul ertrage s e Standpunkt Stellung genommen werde; hof in der Entscheidung vom-27h Aug be, sinddie -Voraussetzungen für di Abs: 2 EGG gegeben, Damit ist der: berufen, nicht nur über die st scheiden, wegen deren die:Sache dem über die gegen den Beschlus legte weitere Beschwerde selbst . des Obersten Gei in h sh )fs k r Ivü inung ist, der von dem Er lasser und den Beteiligten an 9, September 1932 ahgeschlos sene Übertragsvertrag sei schon allein deswegen eine Verfügung von Todes wegen; weil 'der Vollzug des Vertrags durch Auflassung der Grundstücke bezw» der Übertragung des sonstigen Vermögens der Übergeber an die Übernehmerin, die Beteiligte zu 6), bis nach dem Tode hinausgeschoben sei,, Diese Auffassung begegnet schon deswegen rechtlichen Bedenken,, weil den Übergebern ausdrücklich in dem § 1 das Recht Vorbehalten ist, den Vollzug auch schon vorher vcrzunehmen, Würde dies geschehen, dann könnte nicht angenommen werden, weil dem vermutlichen Willen der Parteien widersprechend, dass die Leistungen der Übergeber an die Übernehmerin und die von dieser an die■Übergeber und deren- Kinder nach § 2 zu erbringenden Leistungen des Rechtsgrundes entbehren und unmittelbare Rechts be Ziehungen zwischen den Beteiligten nicht begründet sein sollen/ Schon dieser Umstand gibt die Möglichkeit,.dem Vertrag den RechtsCharakter eines Rechtsgeschäfts unter Lebenden zuzuerkennen. Der in der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs ausgesprochenen Ansicht, ein nicht zu Lebzeiten ;ües Übergebers.vollzogener Übergabevertrag könne stets nur als Verfügung-von ::Todes wegen aufrechterhalten werden, kann : aber auch deshalb nicht beigestimmt werden, weil sie den im Bürgerlichen Gesetzbuch zu dem Ausdruck gekommenen grundsätzlichen - Auffassungen widerspricht. ihren gesetzlichen Zweck ergebenden Inhalt und die für sie gegebenen Eormvorschriften unterscheiden sie sich wesentlich von'den Rechtsgeschäften unter lebenden dadurch, dass sie zu |Sj Lebzeiten des Verfügenden Rechte oder Pflichten zwischen den Beteiligten nicht begründen; sondern erst mit dem Ableben des von lodes wegen Verfügenden■rechtswirksam werdend.Selbst der den Erblasser bindende Erbvertrag (§ 2289) hindert 'ihn grundsätzlich nicht, über sein Vermögen•durch Rechtsgeschäft unter Lebenden zu verfügen (§§ 2286 ff). Aber auch für schuldrechtliche Verpflichtungsgeschäfte gilt nichts anderes* wie aus dein "Vorschriften' der '§§ ' 331' und 2501 Abs 1 aaO zu""entnehmen ist. Dies ist auch der Standpunkt, der ständig in der •höchstrichterlichen Rechtsprechung unter der Geltung "des .'.•Bürgerlichen -Gesetzbuches vertreten worden ist (RG in SeuffArch aaO; RGZ 80, 175; 106, 1; Warn Rspr 25, 126 /für die Vollmacht/; EHR 1930, 1464; KG in KGJ 41, A 162)1 Auch das Schrifttum teilt überwiegend den Standpunkt der •Rechtsprechung (Planck BGB V, 41; .RGRK 1937 Bern 1; Palandt § 168 Bern 1 und § 193.7 Bern 4 u.a/ Es muss daher grundsätzlich für zulässig erachtet werden, dass jemand durch Rechtsgeschäfte unter Lebenden für den Pall des Todes Verfügungen trifft oder Verpfliehtungeh .eingeht, deren Vollzug bis nach dem Tode des Verfügenden hinausgeschoben wird. Wenn das Gesetz zu erkennen gibt, dass gegen die grundsätzliche Zulässigkeit solcher Rechtsgeschäfte keine Be-.denken bestehen, wie das in den §§ 331 und 2301 BGB geschehen ist", dann ist es nicht angängig, diese Geschäfte grundsätzlich unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, dass sie in der Absicht der Umgehung des Gesetzes oder berechtigter Belange anderer Personen geschlossen werden können, Wie in RGZ 80, 175/177/ ausgesprochen worden ist, ist schon lange vor dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches das Bedürfnis hervorgetreten, durch Vertrag unter lebenden Zwecke zu erreichen, welche die Zuwendung von Todes wegen, in dem damals entschiedenen Pall das Vermächtnis, verfolgt. Für Übergabe- oder Übertragsverträge, worunter der Oberste Gerichtshof solche Verträge versteht, .in denen der Übergeber einem anderen sein gesamtes gegenwärtiges Vermögen oder ein landwirtschaftliches Gut gegen Entgelt für sich oder Dritte zu dem Zwecke übergibt oder zu übergeben verspricht, um damit seine Vermögensverhältnisse für den Todesfall zu ordnen, kann,., soweit es sich um die Anwendung des Bürgerlichen Gesetzbuches handelt, Abweichendes nicht gelten. Es ist nicht einzusehen,;, dass'für sie aus ihrem Wesen und dem mit ihnen verfolgten Zweck etwas anderes gelten soll als bei anderen Verpflichtungsgeschäften;, die der Erfüllung durch Leistung bedürfen« Zu Unrecht beruft sich der Oberste Gerichtshof auf die Entscheidungen des preussischen Ober-Tribunals' in Striethorst, Archiv Bd 38, 114 --und Bd 73, 10 sowie auf das Urteil' des Reichsgerichts in Gruch 26, 977« Liese Entscheidungen beruhen auf Vorschriften des preussischen Allgemeinen Landrechts, das in'der Präge der Möglichkeit der Regelung von vermogensrec liehen■Verhältnissen für den Todesfall durch Rechtsgesch te unter Lebenden grundsätzlich; einen von dem des Bürger liehen Gesetzbuches abweichenden Standpunkt vertreten zu haben scheint (RG ih HRP. An.der in dem Urteil des Obersten Gerichtshofs niedergelegten Auffassung kann daher nicht festgehalten werden (so auch pikalo in H-JW 1950? Nach dem Wortlaut des Vertrages übertragen die Über-gefcer an die Beteiligte zu 6) ihr gesamt es Vermögen mit.Lust und Last; Würde sich dieser Vertrag,- was das Landgericht anscheinend ohne weiteres annimmt, nur auf das gegenwärtige Vermögen beziehen, so wäre gegen das Er-■gebnis, zu dem das Landgericht kommt, kein Bedenken zu er- 1 heben.