BGH · IV ZB 89/52
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtssatz: § 176 ZPO ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs in solchen-Verfahren nach dem Geset£'über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit anzuwenden, in denen mit Rücksicht auf'ihre besondere Natur /, (sog«streitiges Verfahren), geboten ist, daß die Zustellung'von in diesem Verfahren er-gehenden gerichtlichen Verfügungen an den von einem ‘Beteiligten’ bestellten Bevollmächtig-, -ten erfolgt;»/Altere abweichende Entscheidungen des Oberlandesgerichts sind nicht mehr 'beachtlich* . Das Oherlandesgericht hat.die Sache auf Grund des § 28 Abs 2 FGG in Verbindung mit § 6 Abs.-I Satz 1 der 40, DVO z Um st Gr dem Bundesgerichtshof • vorgelegt e Es ist der Ansicht, die weitere Beschwerde sei'rechtzeitig ein-gelegt0 Die Beschwerdefrist für die gegen den Beschluß des Landgerichts nach § 6 Abs 3 Satz 3 aaO zulässige so-fortige weitere Beschwerde habe noch nicht zu laufen begonnen» Nach § 16 Abs 2 Satz V EGG habe die Bekanntmar chung einer Verfügung? Oberlandesgerichts München (JPG 13, 271 )\ gehinder t,rweil in diesen Entscheidungeffausgesprochen sei, daß die Vorschrift des § 176 ZPO in dem Verfahren der Freiwilligen Gerichtsbarkeit nicht entsprechend anwendbar sei. Wie der Senat in ständiger Rechtsprechung entschieden hat, ist die Vorschrift des § 28 Abs 2 PGG auch in den Verfahren nach Art II § 6 der 40, DVO z UrastG änzu- Die von dem vorlegenden Oberlaridesgericht angeführten Entscheidungen stehen der von ihm beabsichtigten nicht mehr entgegen» Eihe Entscheidung, dass § 176 ZPO in dem Umstellungsverfähren nach der 40» DVQ z UrastG nicht anwendbar sei, liegt nicht vor, das Oberlandesgericht beruft sich auch nicht auf eine solche» Die von ihm angeführten» auf weitere Beschwerde in Verfahren nach dem Gesetz aber die Angelegenheiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeitergangenen Beschlüsse sprechen aus, dass aus § 16 Abs 2 FGG die entsprechende Anwendbarkeit des 5 176 aaO nicht hergeleitet werden könne, weil das Verfahren in Angelegenheiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeit auf anderen Grundsätzen beruhe als das Verfahren nach der Zivil- dies dem Gericht angezeigt hat.'In den Gründen dieses Beschlusses wird ausgeführt, daß, wenn auch im Verfahren der Freiwilligen Gerichtsbarkeit nach der herrschenden in Rechtsprechung und Schrifttum vertretenen -Ansicht im allgemeinen § 176 ZPQ unanwendbar sei. Ausnahmen geboten sein können und auch'bisher von der Rechtsprechung für den Fall gemacht worden seien« daß.ihre Regelung wegen der besonderen Natur .der Angelegenheiten in grösserem Maße dem Prozeßverfahren ähnlich sei* Dementsprechend s.ei § 176 ZPO im Aufwertungsverfahren (KG JRdsch Rechtsprechungsteil 25? Durch diese Entscheidung des Bundesgerichtshofs ist ganz grundsätzlich und nicht nur für das Verfahren nach der HausratsVerordnung ausgesprochen, daß nach § 176 ZPO auch in Verfahren in Angelegenheiten der * freiwilligen Gerichtsbarkeit zu verfahren ist,-wenn dies wegen der besonderen Natur des Verfahrens, auf das'durch ausdrückliche Vorschrift des Gesetzes die Vorschriften des Gesetzes über die Angelegenheiten der Freiwilligen Gerichtsbar-keit Anwendung finden, geboten ist«, Wie die-weiteren. Daß dieser Eigenart der in derartigen Verfahren ergehenden Entscheidung auch durch entsprechende Anwendung der Vorschriften der 2ävilprozei3ordnung für das Verfahren selbst Rechnung getragen werden muß, ist trotz "des V/iderspruchs im Schrifttum (vgl Schlegelberger EGG 6„Aufl Ann 7 zu § 12) in der R echt spree hung anerkannt worden» So hat das Reichsgericht die Praxis der: Gerichte in Aufwertungssachen gebilligt, in diesen Verfahren die Vorschriften der Zivilprozeßordnung über die Nebenintervention ent-sprechdnd anzuwenden, obwohl das Gesetz über die Angelegenheiten der Ereiwilligen Gerichtsbarkeit eine Nebeninter-vention nicht kennt (Av/Rspr 1931/2, 334) . Auch der Senat hat in dem Beschluß vom 11» März 1952 IV ZB 99/51 (Lindenmai er-Möhring Nr 2 zu der 40» DVO z UmstG) entschie- ' den, dass mit Rücksicht auf die besondere Natur des Umstellungsverfahrens als eines echten Parteienstreits nach § 6 Abs 4 der 40„ DVO z UmstG auch über die ausserge-richtlichen Kostendes Verfahrens zu entscheiden sei» Aus dem Ausgeführten ergibt sich, dass § 16 Abs 2 EGG nicht so verstanden werden darf, dass in allen Angelegenheiten, die in einem Verfahren nach den Vorschriften des Gesetzes über die /ngelegenheiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeit zu erledigen sind, § 176 ZPO unanwendbar ist» Es handelt sich nur um eine Regel, die aber Ausnahmen nicht ausschliessto Die von’dem vorlegenden Gericht angeführten Entscheidungen können mib Rücksicht auf die abweichende Rechtsprechung dieser Gerichte selbst (wie die des Kammergerichts in Aufwertungssachen) und die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zu § 176 ZPO und 5 16 Abs 2 FGG nicht mehr als maßgebend angesehen werden» Durch diese ist geklärt, dass unter Umständen auch* in Verfahren giif Grund des Gesetzes über Angelegenheiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeit nach § 176 ZPO zu Verfahren ista Die Vorlage an den Bundesgerichtshof war deshalb in vorliegenden Pall nicht erforderlich,,