BGH · IV ZB 80/59
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Me 3 Kinder hatte das StadtJugendamt wegen schlechter Familienverhältnisse auf Kosten des Bezirksfürsorgeverbandes (BFV) seit 31« Juli 1957 in Kinderheimen untergebrachte Während Ellen und Rosemarie bereits am 15» November 1957 zu den Eltern zurückkehrten* verblieb das älteste Kind Reinhard bis.21, soweit sie sich gegen die Ablehnung der Auszahlung eines Drittels des Kindergeldes für die Zeit vom 16» November bis 31« Dezember 1957 richtete? glaubt sich das Bayrische Oberste Landesgericht durch den Beschluß des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 24o Februar 1958 - 3 W 281/57 - (HJW 1958? 1447 - EJF H 3 !ü\ 10) gehinderte Es hat daher die Sache dem Bundesgerichtshof zur Entscheidung vorgelegt, Die Voraussetzungen der Vorlage gemäß § 28 Abs« 2 FGG sind jedoch nicht gegeben» Diese Vorschrift verlangt, daß das vorlegende Gericht bei Auslegung einer bundesgesetzlichen Vorschrift, die eine der in § 1 FGG be~ zeichneten Angelegenheiten betrifft, von einer auf weitere Beschwerde ergangenen Entscheidung eines anderen OLG abweichen v/ill. Das vorlegende Gericht nimmt ans Der Beschluß des OLG Düsseldorf vom 24» Februar 1958 habe.ein Interesse des Kindes an einer Auszahlungsanordnung zu Gunsten des BFV, der die Kosten der Versorgung des hilfsbedürftigen Kindes in einem Heim getragen hatte, ausnahmslos für den. Fall verneint, daß es aus dem Heim entlassen ist und die Auszahlung nicht mehr die laufenden, sondern die in der Vergangenheit entstandenen Heimunterbringungskosten decken soll; dem liege die Auffassung des OLG Düsseldorf zugrunde, daß man für die Vergangenheit keinen Unterhalt brauche und daß- deshalb der Grundsatz der Subsidiarität der öffentlichen Fürsorge keine Grundlage mehr bilde für das wirtschaftliche Interesse des Kindes an der Deckung der Heiniunterbringungskosten,' sobald die öffentliche Fürsorge diese Kosten tatsächlich schon getragen habe«, Von dieser angeblich im Beschluß des OLG Düsseldorf entwickelten Hechtsansicht will das Bayrische Oberste Landesgericht nur insofern abweichen, als es die Auszahlung des Kindergeldes an den Bezirksfürsorgeverband für die Zelt nach Anhängigwerden des Verfahrens, in der dem BFV noch Kosten erwachsen sind, für gerechtfertigt erachtet» Die vom vorlegenden Gericht abgegrenzte Rechtsfrage war für die Beurteilung des Sachverhalts, über den das OLG Düsseldorf zu befinden hatte, ohne Bedeutungp Den Fall, daß ein Kind nach Antragstellung des Fürsorgeverbendes.noch auf dessen Kosten in einem Heim unterhalten, aber vor der gerichtlichen Entscheidung entlassen worden war, hat das OLG Düsseldorf nicht entschiedene Das ergibt sich zwar nicht zweifelsfrei aus der unvollständigen Wiedergabe seines Beschlusses vom 24* Februar 1958 in HJW 1958, 1447, aber aus dem Abdruck in SJF H 3 Dr» 10 und den beigezogene'n Akten 3 W 281/57 des OLG Düsseldorf; April 1956 aus der Heimpflege entlassen» Durch Beschluß des Vormund-schaftsgerichts vom 23* Februar 1956 war der Pfleger der Kinder ermächtigt worden, das ganze Kindergeld in Empfang zu nehmen* Der Oberstadtdirektor in K* hatte seine im Hamen des Bezirksfürsorgeverbands gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde am 7«,Hovember 1956 zurückgenommen o Erst mit Schriftsatz vom 27« Juli 1957 beantragte er beim Amtsgericht, den Beschluß vom 23« Februar 1956 gemäß § 18 FGG aufzuheben, und bat, für den Fall der Ablehnung dieses Antrags den Schriftsatz als Beschwerde Beschluß vom 23« Februar 1956 und zugleich els gegen die neuerliche Ent scheidung des Amts>-: gencius aufzufassen« Das Amtsgericht lehnte den Antrag • mit Verfügung vom 14* August 1957 ab und legte die Sache dem Landgerieht zur Entscheidung vor. Das OLG- Düsseldorf hatte Bedenken, ob der BFV im Juli 1957 die Verfügung des Vormundschaftsgerichts vom 23o Februar 1956 noch durch ein Rechtsmittel anfechten könne« Es war jedoch der Auffassung, daß der Oberstadt-direktor gegen die Entscheidung des Amtsgerichts vom 14o August 1957, durch die dem Hauptantrag des Fürsorge-verbandes vom 27» Juli 1957 auf Abänderung des Beschlusses vom 23» Februar 1956 gemäß § 18 FGG nicht stattgegeben worden war, in zulässiger Weise Beschwerde eingelegt habe; denn er habe nach Erlaß der Verfügung vom 14»August 1957 beim Landgericht Abschriften seines Schriftsatzes vom 27o Juli 1957 eingereicht und damit zu dem Ausdruck gebracht, daß er sich mit der ablehnenden Verfügung des Amtsgerichts vom 14« August 1957 nicht zufrieden gebe,. In diesem Zeitpunkt habe eine wirksame Beschwerde gegen den Beschluß vom 14« August 1957 Vorgelegen, über die das Landgericht zu befinden hatte« Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat demnach auf die weitere Beschwerde des Fürsorgeverbandes nicht in dem durch die Verfügung des Vormundschaftsgerichts vom 23» Februar 1956 bereits abgeschlossenen, sondern in einem neuen Verfahren, das der Schriftsatz des Oberstadtdirektors vom 27» Juli 1957 eingeleitet hat, darüber entschieden, ob die Zurückweisung des auf § 18 Abs» 1 FGG gestützten Änderungsantrags gerechtfertigt In dieser Entscheidung hat das Oberlandesgericht Düsseldorf ein Interesse der beiden ältesten Kinder an einer Auszahlungsanordnung zu Gunsten des Fürsorgeverbandes mit der Begründung verneint, es handle sich hier, da sich die beiden Kinder nicht mehr im Heim befänden, lediglich um ein Interesse des Fürsorgeverbandes, die für die beiden ältesten Kinder in der Vergangenheit erbrachten Aufwendungen erstattet zu erhaltene Die Entscheidung geht öffentlich von der tatsächlichen Feststellung aus, daß die beiden Kinder seit 1954 bzw. Auf die vom vorlegenden Gericht herausgestellte Rechtsfrage, ob die nach Anhängigwerden des Verfahrens bis zur Heimentlassung aufgewendeten Kosten des Fürsorgeverbandes dessen Berechtigung, das in diesem Zeitraum fällig gewordene Kindergeld zu erhalten, noch begründen Könnten, wenn im Zeitpunkt der Entscheidung die leimpflege bereits ihr Ende gefunden habe, ist das OLG Düsseldorf nicht eingegangen. Es ist auch unrichtig, wenn das vorlegende Gericht meint, der Entscheidung des OLG Düsseldorf liege die Auffassung zugrunde, daß man für die Vergangenheit keinen Unterhalt brauche, und deshalb sei in ihr ein Interesse des Kindes an der Deckung der Kosten, die der Fürsorgeverband im Denn das OLG Düsseldorf hat die Auszahlung von 4/6 des in der Vergangenheit fällig gewordenen Kindergeldes zur Deckung der vom Fürsorgeverband seit 23» Februar 1956 getragenen Kosten der Unterbringung der 4 jüngsten Kinder angeordnet <>