BGH · IV ZB 73/77 vom 01.07.1977
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Juli 1977 geltenden Recht erstrebt, an der für die Zulässigkeit des Rechtsmittels erforderlichen Beschwer. Der IV« Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat an 8« Februar 1978 durch den Vorsitzenden Richter Dr« Grell und die Richter Dr« Buchholz» Rottnüller, Dr« Hoegen und Dehner beschlossen! Die sofortige Beschwerde der Klägerin gegen den Beschluß des 10« Zivilsenats des Oberlandesgerichts Celle von 18« Oktober 1977 wird zurückgewiesen • Januar 1973 erhobene Ehescheidungsklage hat das Landgericht Lüneburg die Ehe der Parteien durch Urteil von 31« Mai 1977 antragsgenäB aus den Verschulden des Beklagten geschieden« Gegen dieses ihr an 4* Juli 1977 zugestellte Urteil hat die Klägerin an 4« August 1977 Berufung eingelegt und die Berufung nit einen an 6« Septenber 1977 bei Gericht eingegangenen Schriftsatz begründet« Hierin hat sie den Antrag ange-kündigt, das angefochtene Urteil abzuändern und die Ehe der Parteien zu scheiden« Sie erstrebt den Ausspruch der Scheidung auf Grund des an 1« Juli 1977 in Kraft getretenen neuen Scheidungsrechts • Müsse soweit wie Möglich verhindert werden, daß das Begehren einer Partei ohne ihren Villen der alten Rechtslage unterstellt werde* Auch Art. 12 Nr* 8 des 1* EheRG spreche für die Zulässigkeit eines zwecks Berufung auf das neue Recht eingelegten Rechtsnittels, da nach dieser Vorschrift ein Urteil in einer Ehesache, das auf Grund der bisher geltenden Vorschriften ergangen sei, nicht der Berufung auf Tatsachen entgegenstehe, die erst durch das neue Gesetz erheblich geworden seien* Solche Tatsachen könnten nach Art* 12 Nr* 7b des Gesetzes sogar noch in der Revisionsinstanz geltend genacht werden* Schließlich ergebe sich das Rechtsschutzbedürfnis für die Berufung aus den Gebot Materieller Gerechtigkeit* Venn die Klägerin nit ihren Scheidungsverlangen in ersten Rechtszug nicht voll durchgedrungen wäre, wäre die Berufung ohne weiteres zulässig gewesen; sie könne aber gereehterweise nicht dadurch schlechter gestellt werden, daß ihren Klageantrag in vollen Unfang entsprochen worden sei* Es fehlt an einer foneilen Beschwer9 weil die Klägerin mit ihren Klagevorbringen voll durchgedrungen ist; die Ehe ist aus den alleinigen Verschulden des Beklagten geschieden worden. Einer der Ausnahnefälle 9 in denen in Scheidungssaehen trotz Fehlens der fonellen Beschwer die Zulässigkeit des Rechtsnittels angenonnen worden ist, liegt nicht vor. Veder will die Klägerin von ihren Scheidungsverlangen Abstand nehnen (Ausnahnefall nach RGZ 100, 208, 209; 113, 374, 373; BGHZ 24, 369, 370 f) noch beruft sie sich auf ihr günstige, in der Vergangenheit liegende Tatsachen, die sie ohne ihr Verschulden in ersten Rechtszug nicht habe geltend nachen können (Ausnahnefall nach BGHZ 39, 179, Die Übergangsbestinnungen dieses Gesetzes sehen nicht vor, daS die Einlegung eines Rechtsnittels gegen vor Inkrafttreten des Gesetzes ergangene Urteile ohne Rücksicht auf eine Beschwer zulässig sein soll. fertigen* Die Klägerin wird nicht andere behandelt als eine Partei» die vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes mit ihren Klagebegehren in Berufungsrechtszug durchgedrungen ist und nicht nit Berufung auf das neue. Die Klägerin würde» wenn ihr Standpunkt hinsichtlich des Vorliegens eines Rechtsschutzbedürfnisses für die Berufung zuträfe» die Zulässigkeit des Rechtsnittels allein den von Gesichtspunkt der nateriellen Gerechtigkeit her zufälligen Unstand verdanken» dafi die bereits nit Klage von 9* Januar 1973 anhängig genachte Scheidungssache in ersten Rechtszug erst durch Urteil von 31.