BGH · IV ZB 71/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Revision ist nicht zuzulassen, wenn die zur Entscheidung stehende Rechtsfrage durch das EEG-Schlußgesetz geklärt- ist» Dem Berechtigten bleibt es überlassen, nach Maßgabe des Art* III Nr* 1 Abs* 1 des Schlußgesetzes einen neuen Antrag auf Entschädigung zu stellen* Absatz 3 dieser Bestimmung steht dem nicht entgegen* Die,Erwägungen des Berufungs-- gerächte liegen auf tatrichterlichem Gebiet und entbehren zudem einer über den Einzelfall hinausgehenden Bedeutung0 Schon aus diesem Grunde wäre die Zulassung der Revision nicht geboten» Im übrigen ist die Frage, ob einer Anspruchsberechtigung des Ehemanns der Klägerin gemäß § 4 HEG seine Übersiedlung in das Land seiner Staatsangehörigkeit entgegensteht, im Hinblick auf die Änderung, die § 4 BEG durch Art» I Nr» 2 des BEG-Schlußgesetzes vom 14« September 1965 (BGBl I 1315) erhalten hat, gegenstandslos« Rach § 4 Abs» 2 n,F. BEG gilt als Auswanderung auch, wenn der Verfolgte vor dem 8» Mai 1945 aus den Verfolgungsgründen des § 1 seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt aus dem Reichsgebiet nach dem Stande vom 31« Dezember 1937 oder dem Gebiet der Freien Stadt Danzig verlegt hat» Der Verfolgte, der - wie hier der Ehemann der Klägerin nach deren Darstellung - Deutschland aus Verfolgungsgründen verlassen hat, ist sonach auch dann im Sinne von § 4 Abs» ' Nr« 1 c BEG ausgewandert, wenn er sich in das Land seiner Staatsangehörigkeit begeben hat» Ist aber eine Rechtsfrage durch das EEG-Schlußgasetz geklärt, so besteht kein Anlaß, die Revision zuzulassen» Denn es kann nicht die Aufgabe des Revisionsgerichts sein, Rechtsfragen zu behandeln, die infolge einer vom Gesetzgeber herbeigeführten Klärung einer Entscheidung durch den Bundesgerichtshof nicht mehr bedürfen« Urteils gemäß § 220 Abs«, 3 Satz 2 BEG erst mit der Zustellung des die Revision nicht zulassenden Beschlusses ein* In Art* III Nr«, 1 Abs» 3 ist aber nicht auf den Zeitpunkt des Eintritts der Unanfechtbarkeit oder der formellen Rechtskraft, sondern auf den Zeitpunkt der Entscheidung, nämlich der Entscheidung zur Sache, abgestellt« Es kommt hier sonach auf den Zeitpunkt an, in dem das Eerufungsurteil ergangen ist« Ist es vor Inkrafttreten des BEG-Schlußgesetzes verkündet worden, so liegt eine frühere Entscheidung im Sinne der vorer-. entsprechend anzuwenden ist, wenn ein vor der Verkündung der VO ergangenes Urteil des Berufungsgerichts erst nach diesem Zeitpunkt durch Zurückweisung der sofortigen Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision rechtskräftig geworden ist, daß es also zur Geltendmachung der Rechte aus dieser VO der Zulassung der Revision nicht bedarf«